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wurde er hinweggenommen; betreten sollte er selbst das Land nicht; die wirklicheEinführung der Versammlung des allerheiligsten Erlösers in Wien sollte er hienicdennicht mehr sehen.
Er selbst schien jetzt seinen Tod zu wünschen, denn er äußerte gerade in dieserZeit, wo sich die Verhältnisse so günstig sür ihn gestalteten, einem seiner Zöglinge:Bisher habe ich nichts als Widerspruch, Verachtung und Verfolgung erfahren; jetztwartet eine große Ehre auf mich. Nun möchte ich sterben, bevor dieselbe mir zuTheil wird."
Gegen Ende Februar 1820 erkrankte P. Stark, der nebst einem andern Priester,P. Barjalich, bei Hoffbauer sich befand. In Folge dessen hatte dieser weit größereAnstrengungen im Beichtstühle und in der Versehung des Gottesdienstes, als er eSin der letzlern Zeit gewöhnt war. Dieß, vereint mit der ängstlichen Sorge um denKranken, zog ihm selbst ein Leiden zu. Er achtete wenig darauf, pflegte fort seinengeistlichen Sohn und unterließ nichts von seinen gewöhnlichen Arbeiten. Einige Tageschien eS wirklich, als ob seine kräftige Natur auch in so hohen Jahren noch Herrüber die Krankheit werden würde. Plötzlich aber trat wieder Fieberfrost bei ihm ein;dennoch predigte er noch am 5. März (zum letzten Male!) und hielt am darauf fol-genden Tage, ungeachtet deS immer heftiger werdenden Fiebers, ein Seelenamt füreine verstorbene Wohlthäterin der Congregation.
Nach Hause zurückgekehrt, .mußte er sich sogleich zu Bette begeben; unter großenLeiden brachte er einige Tage zu, durch seine kindliche Hingebung nnd Geduld Alleerbauend; doch liebevoll kürzte der Herr seine Schmerzen ab; er hatte im Leben schongenug geduldet. Am 15. März 1820 gegen die Mittagsstunde entschlief er in sanfterRuhe, freudig seinen Herrn und Erlöser erwartend. Er war 63 Jahre und wenigeMonate alt.
Sein Leichenbegängniß war ein Triumphzug der Liebe; Arme und Reiche, Vor-nehme und Niedrige, Geistliche unv Laien drängten sich herzu, ihrem Wohlthäter,ihrem Vater und Führer aus dem Wege des Heils, ihrem Freunde die letzte Ehre zuerweisen.
Die Leiche ward nach Maria-Enzersdorf, zwei Stunden von Wien , gebrachtund daselbst beigesetzt. Ein Krenz nnd Stein mit der Inschrift: Hio jaeot k. I>.möns Uaris llotldausr, LonZreZationig 8. 8. Rvclempwri8 Vioanus (Fsneralis. Odütclie Mrtü 1320 bezeichnet die Ruhestätte deS Verblichenen.
Hoffbauer hatte, um hier die Worte deS PsalmensängcrS anzuwenden, seinganzes Leben hindurch ausgesäet in Thränen; hienieden sollte er die Früchte seinerAussaat nicht einärndten, nicht die vollen Garben freudig mit den Augen deö Leibeserblicken: jenseits aber, wo keine Trauer und kein Schmerz mehr ist, wird es ihmsicherlich vergönnt seyn, die Früchte seines Schweißes und seiner Thränen und Mühenin Deutschland reifen zu sehen; und jeder neue Erfolg des Wirkens seiner geistlichenNachkommenschaft in nnsern Gauen, jeder Sieg der Gnade, durch ihre Missionöthätig-keit errungen, — wird neue volle Garben ihm in die Arme legen, die er vordem Throne Dessen aufopfern kann, der ihn einst ausgesandt, daß er hingehe undFrucht bringe.
Am 15. März 1820 war er gestorben und schon der 30. April desselben Jahreöbrachte eine kaiserliche Anordnung, wonach die Errichtung eines Nedemptoristcncolle-giums in Wien alsbald in Ausführung gebracht werden sollte. „P. Hoffbaner kannbeten!" rief der fromme Fürsterzbischof von Wien freudig aus bei dieser Nachricht.Neben dem Hanse in Wien , welches nunmehr rasch ins Leben trat, wurden baldnoch mehrere in Oesterreich und späterhin das zu Altötting in Bayern gegründet. —Die Stürme der letzlvergangencn Jahre haben zwar Manches wieder zerstört, waöangepflanzt, Vieles niedergerissen, was zum Heile der Seelen aufgebaut war; aberder unsichtbare Wächter der heiligen Kirche hat diese Stürme gleichwohl so gelenkt,daß sie, während sie die Feuerstätten apostolischer Thätigkeit und Liebe in EinemLande auslöschen wollten, nur die Funken von denselben hinüberbrausen konnten in