Ausgabe 
11 (9.3.1851) 10
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andere Länder, die der Erwärmung bedürsttg, damit sie zündeten und allmälig auchhier dasselbe göttliche Feuer eine oder die andere Stätte finden möchte, wo es auflo-dere zur Belebung des Glaubens, zur Entflammung der heiligen Liebe in den Herzender Völker. __

Blumen ans dem Schriftgarten des heiligen Bernardus.

(Fortsetzung.)204. Verbindlichkeit gegen Gott .

Willst du wissen, zu was und wem du verbunden seyest? Erstens verdankst duJesu Christi dein ganzes Leben, weil Er sein Leben für daS deine einsetzte und bitterePeinen ertrug, damit du die ewigen nicht ertragen dürfest. Würden auf mich über-tragen das Leben aller Kinder Avams und alle Tage der Zeit und alle Arbeiten derMenschen, die waren, sind und seyn werden: so wäre dieß nichts im Vergleiche mitjenem Leibe, der sichtbar und wunderbar ist durch himmlische Macht in seiner Em-pfängniß von der Jungfrau in Gegenwart des heiligen Geistes, durch die Unschuldseines Lebens, durch die Ausflüsse seiner Lehre, durch den Glanz seiner Wunder unddurch die Offenbarungen seiner Geheimnisse. Wie also der Himmel über die Erdeerhaben ist, so jenes Leben über das unsere, welches Er jedoch für das unsere einge-setzt hat. Wie das NichlS zu Etwaö keinen Vergleich gestaltet, so steht auch unserLeben in keinem Verhältniß zu seinem Leben, da nichts vortrefflicher ist, als daS seine,und nichts elender, als das unsere. Wenn ich Ihm also gebe, was ich kann, ist esnicht wie ein Stern gegen die Sonne, wie ein Tropfen gegen einen Fluß, wie einStein gegen einen Berg, wie ein Körnlein gegen einen Haufen?

Aber bin ich denn allein ein Schuldner, dem ich kaum etwas vergelten kann?Meine vergangenen Sünden fordern von mir mein zukünftiges Leben, damit ich wür-dige Früchte der Buße bringe, und überdenke alle meine Jahre inder Bitterkeit meiner Seele. Und wer ist dazu tüchtig? Ich habe gesündigetüber die Zahl des Sandes am Meere, meine Sünden haben sich vervielfältiget, undich bin nicht werlh, die Höhe deö Himmels anzuschauen, wegen der Menge meinerMissethaten: ich bin umgeben von Unglück, dessen keine Zahl ist. Was aber ohneZahl ist, wie werde ich dieses zählen können? Wie werde ich Genugthuung leisten,da auch der letzte Heller muß bezahlt werden? Aber die Sünden, wer merketsie! Und wenn er auch noch so sehr die Sünde bereut, und noch so sehr sich abtödtetund abmagert um deines Namens, nicht des Verdienstes der Buße willen, so sprichtdoch der Gerechte:Sey gnädig meiner Sünde: denn ihrer ist viel."Wenn du also Alles, waS du weißt, was du hast, und was du kannst, auf dieseeinzige Sache verwendest, ist es etwaö oder ist es für etwas zu rechnen?

WaS wirst du sagen, wenn ich dir den Dritten zeige, dem du Schuldner bist,der nicht weniger streng, aber in der That das Leben in Anspruch nimmt? Ich glaube,daß auch du ein Verlangen habest nach jener Herrlichkeit, die kein Auge uoch gesehen,kein Ohr noch gehört har, und in keines Menschen Herz noch gekommen ist, nach demReiche aller Zeiten, nach den ewigen Erbschaften. Ich glaube, du möchtest den EngelnGotteS gleich seyn, und ans den Straßen deS himmlischen Sion horchen auf die Ge-sänge der Engel, und sehen, was das sagen wolle:Damit Gott Alles inAllem sey." Sollst dn nicht, um dieses zu kaufen, dich selbst ganz und Alleshergeben, waS immer und wo immer du es aufbringen kannst? Und wenn du auchAlles gethan hättest, so halte ich doch dafür, daß die Leiden dieser Zeitoder deö Leibes nicht zu vergleichen sind mit der zukünftigen Herrlich-keit, die an unS offenbar werden wird.

WaS wirst du endlich sagen, wenn ich dir den Vierten vorführe, dem duverbindlich bist, und der haben will, daß das Recht der Oberherrschast Ihm die obigendrei abtreten? Siehe wer steht vor der Thüre, der Himmel und Erde erschaffen hat.Er ist auch dein Schöpfer, und du bist sein Geschöpf. Du bist der Knecht, Er der