Ausgabe 
11 (16.3.1851) 11
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ganzen Ernste seiner Bedeutung von allen Menschen gewürdigt und heilig gehalten,zahllose Klagen, wie im Schooße der Familien, so im Bereiche deS öffentlichen Lebensmüßten bald verstummen, und die Segnungen, welche der Herr an die Erfüllungdieses Gebotes geknüpft hat, sich wie in Strömen über die Welt ergießen.

Aber gerade hier, Geliebteste! begegnen wir einem Gebrechen unserer Tage,dessen unglückselige Wirkungen wir nicht genug beklagen können. Denn, leider!können wir unS nicht verhelilen, daß eines der größten Uebel der Gegenwart dieMißachtung jener Pflichten, welche daö vierte Gebot auferlegt, der Mangel an jenerEhrfurcht, jenem Gehorsame und jener Liebe ist, die wir denjenigen schulden, welcheGott gesetzt hat, an unS seine Stelle zu vertreten; und während Eltern und Lehrerklagen, daß Erziehung und Unterricht mit jedem Tage schwerer werden, während diesteigende Verwilderung der Jugend einen bangen Blick in die Zukunft öffnet, ziehtder Geist einer neuen Weisheit, der Geist deS Unglaubens und deS Ungehorsams, vonLand zu Land, um den Völkern das größte Gut, daS Kleinod deS heiligen Glaubenszu rauben, um Gewalt an der öffentlichen Ordnung zu üben, um frevelnde Hand andie von Gott gesetzten heiligen Gewalten zu legen, um, wenn es möglich wäre, dieSäulen irdischer Wohlfahrt und ewigen Heiles, den Thron wie den Altar zu stürzen.

Zwar sind die trüberen Tage der jüngsten Vergangenheit, Dank dem Herrn!vorübergegangen, die Wetterwolken haben sich zertheilt und sind zum Theile dahin-gezogen, ein mehr freundlicher Sonneublick scheint eine friedlichere Zukunft zu ver-heißen, und daß der Herr der Allmacht und der Liebe unS den heiligen Frieden gebenund in seiner Gnade erhalten wolle, wir heben die Hände und beten zu Ihm.Der böse Geist der Zeit aber hört darum nicht auf, seine verbrecherischen Plane zuverfolgen; ist eS ihm unmöglich geworden, am offenen Tage zu wirken, so ist seineHand im Finstern thätig; während die Leute schliefen, sagt daö Evangelium (Matth .13, 25), kam der Feind, und säete Unkraut unter den Waizen, und wenn daöheilige Wort Jesu Christi :Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchungfallet" (Matth . 26, 41) zu allen Zeiten seine ernste Bedeutung hat, doppelt ernsterschallt eS jetzt, wo der Gang der Zeit die Geister prüft, und der Herr, um seineTenne zu reinigen, die Wnrfschaufel in Händen trägt, um die Spreu vom Waizenzu sondern.

In diesen Tagen der Prüfung, in so schwerer, verhängnißvoller Zeit waSsollt, was werdet da Ihr thun, (Beliebteste! Werdet ihr zur Rechten oder zur Linkengehen, den engen Weg, der zum Himmel führt, oder die breite Straße des Verder-bens betreten?

Folget nicht dem Geiste dieser Welt; sein Ursprung ist nicht auS Gott, seinStreben auf den Herrn der Ewigkeit nicht gerichtet, er ist der Sohn der Finsterniß,und daS Ende, daS er seinen Jüngern bereitet, ist Verderben, Tod und ewigerUntergang. Ihr aber seyd Schüler Jesu Cbristi, Kinder der heiligen katholischenKirche, ihr habt daS süße Joch, die Religion der Demuth, deS Gehorsams, derSelvstverläugnung auf eure Schultern genommen, ihr müßt den Herrn in seinenGesalbten ehren.

Seyd darum treu eurem Könige, nicht auS Furcht oder Zwang, sondernum des Gewissens willen, in Liebe, Ehrerbietung und Gehorsam; so verlangt eSGottes heiliges Wort, so ist eS der Wille deS Allerhöchsten. Denn so spricht Gott schon im alten Bunde (Sprichw. 8, l5. 16):Durch mich regieren die Könige,und beschließen das Rechte die Geber der Gesetze." Und das Buch der Weisheit(6, 4) sagt:Von Gott ist euch, o Könige! die Macht gegeben, und die Gewaltvom Allerhöchsten." Der heilige Paulus aber lehrt (Röm. 13, 1. 2):Ein jederunterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten, denn eS gibt keine Gewalt, außer vonGott; die aber da sind, die sind von Gott geordnet. Wer also der Obrigkeit wider-strebt, der widerstrebt der Anordnung Gottes, diejenigen aber, die ihr widerstreben,ziehen sich die Verdammniß zu." In seinem Briefe an seinen Schüler TituS (3, 1)schreibt er:Ermähne sie (die Christen), daß sie den Fürsten und Machthabern unter-