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than, ihrem Worte gehorsam, und zu jedem guten Werke bereit seyen." Und anseinen Schüler TimotheuS läßt er (1. Tim. 2, 1—3) das ernste Wort ergehen:„Vor allen Dingen ermähne ich nun, daß Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagun-gen geschehen für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeiten, aus daß wirein stilles und ruhiges Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn dießist gut, und Gott unsern Heilande wohlgefällig." Ja, der Heiland selbst gibt unSdas große Gebot (Matth . 22, 21): „Gebt dem Kaiser, was deS Kaisers ist, undGott, was GotteS ist."
Wie eS nun der katholischen Kirche durch den Beistand des heiligen Geistesgegeben ist, das gesammte Erbgut der göttlichen Offenbarungslehre unverfälscht zubewahren, um es, vom Irrthume unberührt, zum Gemeingute aller Menschen zumachen, so hat sie auch dieses Gebot zu allen Zeiten rein erhalten. Seit achtzehnhundert Jahren verkündet sie den Gläubigen das Wort des Herrn: „Gebt dem Kaiser,was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Seit achtzehnhundert Jahrenläßt sie die Mahnung des heiligen Petrus (1. Peir. 2, 17) immer von Neuemerschallen: „Fürchtet Gott ! ehret den König!" Und so lange Petrus in seinen Nach-folgern die Heerde Jesu Christi weiden wird, — bis hin anö Ende der Zeiten —wie eS bisher gewesen, so wird es auch fortan daS unausgesetzte Bemühen der heil.Kirche GotteS seyn, durch Verbreitung deS heiligen Glaubens und durch Förderungchristlichen Lebens mit der Furcht deS Herrn auch die Ehrfurcht gegen dessen Slell-Vertreter in die Herzen der Völker einzupflanzen, und eben dadurch, daß sie dieSeelen für den Himmel bildet, auch dem Fürsten treue Unterthanen, dem Staategute Bürger zu erziehen.
Soll aber die Treue, die Ehrerbietung und die Liebe, welche der Unterthanseinem Fürsten schuldet, fest und unerschütterlich seyn, soll sie Werth vor Gott haben,und auf den Namen und Adel einer christlichen Tugend Anspruch machen können, somuß sie nothwendig in Gott, und eben darum in der Kirche wurzeln. ES gibt ebenkeine wahre Tugend, die nicht aus Gott geboren ist, und daS Gebäude christlicherGerechtigkeit steht nimmer fest, wenn eS nicht auf dem Felsen der Kirche ruht. Seyddarum treu unserer heiligen katholischen Kirche! Dieß ist die inständigeErmahnung, die Wir, geliebteste Diöcesanen! aus der Tiefe des Herzens an euchrichten. Seyd treu der heiligen Kirche, die sich der Weltheiland zur Braut erwählt,seyd treu der jungfräulichen Mutter, die uns für Gott geboren hat; seyd treu derheiligen Führerin, die uns die Hand reicht, um durch die Jrrsale des ErdenlebenSan den Klippen des Irrthums und der Sünde vorüber uns glücklich in den Himmelzu geleiten. „Wer euch hört", spricht der Herr zu seinen Jüngern (Luc. 10, 16),«der hört mich , und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet,der verachtet Den, der mich gesandt hat." Und an einer andern Stelle (Matth . 13, 17):„Wer die Kirche nicht hört, der sey dir wie ein Heide und Zöllner." Und ein heiligerKirchenvater sagt: „Der hat Gott nicht zum Vater, der die Kirche nicht zur Mutterhat." Im Schooße der Kirche sprudelt eben jener Quell, welcher Licht und Wahr-heit ist, der Quell der heiligen Offenbarung, und alle Welt ist eingeladen, daS Lichtzu schauen, die Wahrheit zu vernehmen, die Großthaten GotteS kennen zu lernen undzu bewundern, und den Allbarmherzigen anzubeten, der so viel für unser Heil gethan.In ihrem Schooße ergießt sich der Strom der lebendigen Wasser, die ins ewigeLeben hiyüber fließen, und Alle, die nach Gott dürsten, sollen von diesen Wasserntrinken, und gesund und heilig und selig werden.
Wie fest aber die heilige Kirche Gottes steht, wer, der Augen hat, zu sehen,darf sagen, daS er dieses nicht klar und deutlich erkenne? Die Gedanken der Sterb-lichen sind veränderlich, die Meinungen der Menschen wechseln mit dem Tage, Irr-lehren in tausend Gestalten sind in der Zeit entstanden und mit der Zeit vorüber-gegangen; aber die Kirche ändert ihre Lehre nicht, und kann und darf ihre Lehre nichtändern, weil sie die Kirche deS ewigen und unveränderlichen GotteS ist; die Kircheist sich immer gleich, sie lehrt immer und zu allen Zeiten daS eine und dasselbe Wort