Eilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Aygsburger poiiMung.
23. März 12. ^851.
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Hirtenbriefe deutscher Bischöfe.
Vom hochwürdigsten Bischöfe von Trier .
„Mit Deiner immer wachenden Güte sey Du, o Herr, der treue Hüter DeinerFamilie, damit sie, weil sich ihre Hoffnung auf Deine himmlische Gnade alleinstützet, nun auch unter Deinem Schutze stete Sicherheit finde!" Also flehet die heiligeKirche an dem heutigen Tage zu Gott um Schutz und Erbarmen für die ganze großeFamilie der Gläubigen hienieden und dieses ihr Gebet selbst ist eine ernste Mahnungau jede einzelne Familie, sich täglich dem Schutze Gottes zu empfehlen, und einzigvon Seiner Gnade und von Seinem Segen alles Glück oeS Lebeus zu erwarte».Und wahrlich, es thut Noth in unsern Tagen, auf diese Mahnung der Kirche zu hor-chen, wo die gegründetsten Klagen immer lauter und allgemeiner sich vernehmen lassen.
Woher die traurige Zerrüttung des Hauswesens, der Verfall so vieler Familien,die Klagen über unglücklichen Ehestand, über mißrathene Kinder, über Noth undElend aller Art, über täglichen Unfrieden im Hause? Das Alles rührt zum großenTheile daher, daß man deS Herrn, seines Gottes vergessen, daß man den lebendigenGlauben an Ihn und den Gehorsam gegen Seinen heiligen Willen verlassen hat.Denn nur durch Gottesfurcht kann eine christliche Familie eine glückliche und gesegnetewerden und bleiben; sie allein lehrt die Eheleute in Liebe und Treue leben und sichwechselseitig heiligen; sie auch allein gibt Weisheit und Kraft, die Kinder recht zuerziehen, der Familie vorzustehen und alles Widerwärtige in diesem Leben standhaftund gottvertraucnd zu ertragen.
Treffend entwirft ein Schriftsteller der ersten Jahrhunderte das Bild einersolchen christlichen Ehe und Haushaltung: „Zwei Gläubige, verbunden zu einerHoffnung, zu gleichem Dienste. Sie sind in Wahrheit zwei in einem Fleische,ein Leib und ein Geist. Gemeinschaftlich ist ihr Gebet, gemeinschaftlich ihr Fasten;sie belehren, ermähnen und unterstützen sich wechselseitig. Miteinander sind sie in derKirche Gottes, miteinander am Tische des Herrn, vereint in Nöthen, in Leid undFreude. Sie verhehlen einander nichts, und keiner ist dem Andern beschwerlich.Frei besuchen sie die Kranken, Pflegen die Armen, geben Almosen ohne Zwang.Ohne Zwang besuchen sie das heilige Opfer, üben die tägliche Andacht ohne Hinder-niß und oft bezeichnen sie sich mit dem Kreuze und unter ihnen verstummt das Tisch-gebet nicht; wetteifernd singen sie Psalmen und Lobgesänge. Solches schauet undhöret Christus und freuet sich; solchen sendet Er Seinen Geist. Wo Zwei sind,.daist auch Er, und wo Er ist, da ist nicht der Arge" (IsrtuII. 1. 2. sä uxor.). Dasist die heilige Lebens- und Liebesgemeinschaft in Christo, durch die Religion geläu-tert und geheiligt, getragen von gegenseitiger Achtung, Treue und milder Nachficht,und darum dauerhaft und wohlgefällig vor Gott .
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