Ausgabe 
11 (23.3.1851) 12
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Der Mann ist deS Haupt des Weibes, wie Christus das Haupt Seiner Kircheist, die Er geliebt und für die Er Sich hingegeben hat, um sie zu heiligen. Undwie die Kirche Christo unterworfen ist, so auch ist das Weib dem Manne unterlhänig,wie dem Herrn (Ephes. 5, 3226).

Der Hausvater ist Christi Stellvertreter in der Familie und sein Wahlspruchist mit dem Gerechten des alten Bundes:Ich und meine Söhne und meine Brüder,wir wollen dem Gesetze unserer Väter gehorchen." (1. Macchab. 2, 19). Mittenunter dem Götzendienste der Eitelkeit, der Habsucht und der Weltlust, der in so vielenFamilien die wahre Gottesverehrung nicht aufkommen läßt, pflanzt «r die Fahne JesuChristi auf, zu welcher er geschworen, und bekennt Ihn laut vor den Menschen, undbetrachtet sich als Hüter und Wächter unsterblicher Seelen, die er für Christus undfür daS ewige Leben heranzuziehen und zu bewahren hat. Und in gleichem Geistewirkt im Innern des Hauses die Mutter in Liebe und Sorgfalt, mit ganzer Seelehält sie ihren hohen Beruf erfaßt, durch Milde und Ernst die zarten Herzen ihrerKinder zu bilden und sie vor Allem zur Gottseligkeit anzuleiten. Wie jede Kunstfrühe gelernt werden muß, so besonders die höchste Kunst und Wissenschaft, frommzu leben und selig zu sterben. Darum empfängt das Kind aus dem Munde derMutter die ersten Eindrücke der göttlichen Lehre; auf ihrem Schooße lernt es schonden Vater im Himmel kennen und den Er gesandt hat, Jesum Christum , und mitstammelnder Zunge Seinen hochheiligen Namen anrufen. Und diese religiösen Ein-drücke prägen sich meist für daö ganze Leben unauslöschlich dem kindlichen Herzen ein.So konnte der heilige Augustin, den seine Mutter frühe mit dem Kreuze bezeichnetund den Namen Jesus aussprechen gelehrt hatte, später lange Zeit keinen Geschmackan heidnischen Schriften finden, weil dieser Name nicht darin vorkam. Und ein from-mer und gelehrter Mann unseres Jahrhunderts spricht im hohen Alter noch voll Dankund Rührung:Ewig bleib' ich Dein Schuldner, geliebte Mutter! So oft mir DeinBlick, Deine Gebehrde, Dein stilles Wandeln vor Gott , Dein Leiden, Dein Schwei-gen, Dein Geben und Arbeiten, Deine segnende Hand, Dein stilles, stetes Gebetvor Augen trat, von den frühesten Jahren an ward das ewige Leben, das Gefühlder Religion mir gleichsam neu eingeboren, und dieses Gefühl konnte nachher keinBegriff, kein Zweifel, kein Reiz, kein entgegengesetztes Beispiel, kein Leiden, keinDruck, selbst keine Sünde todten. (Sailer.)

Der Mutter erste Sorge ist, dasz die Kinder Gott recht erkennen, recht liebenlernen, und da sie selbst mit aller Lehre und Ermahnung uicht ausreicht, so übergibtsie dieselben frühe in die mütterliche Hand der Kirche, damit sie am Busen dieserheiligen Mutter zur Frömmigkeit herangebildet werden und auf dem Pfade des Glau-bens ihre wankenden Schritte befestigen. Ist eS doch die Kirche, welche von Obenden Geist der Weisheit empfangen hat, zur Erleuchtung und wahren Bildung desMenschengeschlechts. Unsere Mutter, die Kirche, hat Milch sür die Kleinen und kräf-tigere Speise für die Starken. Sie führt die einen an der Hand, die andern trägtsie liebevoll auf den Armen, und für Alle hat sie heilsame Zucht und Lehre, Mildeund Ernst, Ermahnung, Beispiel und Trost.

Groß und heilig ist das Werk der Erziehung, und eS kann nur gelingen, wenndas HauS, die Kirche und die Schule in voller Eintracht daran arbeiten. KeineMenschcnweisheit wird ausreichen, wenn nicht Religion und Gottesfurcht mit denKindern aufwächst und groß wird lind sie durch das Leben begleitet. Erzieheteure Kinder in der Lehre und Zucht des Herrn (Ephes. 4, 6), mahnternstlich der Apostel- Alles andere Wissen ohne die Wissenschaft des ewigen Heils istwie Spreu zu achten, und darum werden gotteSfürchtige Eltern vor Allem gewissen-haft darauf sehen, daß ihre Kinder den nothwendigen Unterricht in dem Höchsten undWichtigsten, in der Lehre des Herrn nicht versäumen, welche allein den Weg zurWahrheit, zum Frieden und zur ewigen Seligkeit- zeigen kann.

Mit der Lehre aber verbinden sie auch die Zucht des Herrn, die den Geist desKindes zur Demuth und seinen Willen zum Gehorsam bildet, seine schlimmen Ange-

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