91
Wohnungen zügclt, seine Leidenschaften und Begierden beherrschen lehrt und dasselbevon jedem Unrechte und jeder Lieblosigkeit und von allem Unanständigen fern hält.Die Gottesfurcht ist für die Eltern selbst die Quelle wahrer Erziehungsrveisc. — Ausihr müssen sie schöpfen die rechte Anwendung von Milde und Ernst, das rechte Maaßim Lehren und Strafen, die rechte Geduld und Mäßigung, die rechte Wachsamkeitund die nothwendige Abwehr des gefährlichen Umgangs uuv der mannigfachen Fall-stricke der Verführung und des Verderbens, das im Finstern schleicht. Die Gottes-furcht allein auch lehrt die Eltern einsehen, wie keine Erziehung gedeihen kann, wiealles Lebren und Ermähnen, alles Hüten und Wachen vergeblich ist, wenn nicht dieEltern durch das eigene Beispiel, welches stärker und mächtiger als alle Worte wirkt, denKindern ein leuchtendes Vorbild sind der Frömmigkeit und des treuen Wandels vor Gott .
Betrachtet nur eine solche christliche Familie in ihrem häuslichen Leben. Da istvas Haus eine Kirche, wo Gottes Wort hoch in Ehren gehalten wird, als das Lichtauf dem dunkeln Lebenswege, als das Brod des Lebens, als fester Stab und mäch-tiger Schild in Noth und Versuchung. Es ist ein solches Haus eine Kirche, worinviel gebetet wird, worin die geringste Gabe alle Glieder der Familie zum Dankegegen Den vereint, Dessen Gnade wir unausgesetzt bedürfen, und ohne welche wirnichts für unser ewiges Heil zu thun im Stande sind, ja ohne welche selbst unsereMühen und Arbeiten für dieses Leben nicht gedeihen können. Durch Gebet wird ineiner solchen Familie die Arbeit geheiligt und wird zum Gottesdienste, indem Jederfreudig und im Hinblicke auf Gott seine Berufspflicht erfüllt, wohl wissend, daß esKeinem in Gottes großer Haushaltung gestattet ist, müßig zu gehen, und daß, wernicht arbeiten will, auch nicht zu esse» verdient.
Aber über den Sorgen und den Arbeiten für das tägliche Brod und inmittender pflichtgemäßen zeitlichen Geschäfte wird nimmer das erste und wichtigste aller Ge-schäfte vergessen: Suchet zuerst d,as Reich GotteS und seine Gerechtig-keit! (Matthäus 6, 33.)
Und wo vor Allem nach dem Reiche Gottes und nicht vorerst nach den Güternviescr Welt gestrebt wird, da schlägt, selbst bei geringem zeitlichen Segen, Ruhe undZufriedenheit ihre» Sitz auf; denn ein sicherer Schatz ist da für immer geborgen —Gottseligkeit mit Genügsamkeit (1. Timoth. 6, 6). Und mit diesem himm-lischen Schatze ist noch ein anderes unbeschreiblich großes Gut unzertrennlich verbun-den, nämlich vas christliche Mitleid und die Barmherzigkeit mit den Armen und Be-drängten. Der Arme hilft dem Armen am liebsten, und was in großen und reichenHäusern oft nicht gefunden wird, das findet sich in einer armen Hütte — zwei Schwe-stern, die eine heißt: Gebet, die andere: Es wird Euch gegeben (Luc. 6, 38).
Unter solchem Beispiel nun blühen die Kinder heran in Unschuld und FriedenGottes, und die heiligen Engel halten Wache über sie. Und wer sie sieht in demTempel, am Tische des Herrn, geziert mit heiterer Jugeudschöne, geschmückt mit Be-scheidenheit und Schamhaftigkeit, der preiset Gott und fühlt sich gedrungen, auszuru-fen: Wie schön ist ein keusches Geschlecht, unsterblich ist sein Andenken. Bei Gott und den Menschen ist es geehrt (Weish. 4, 1). Wahrlich, diese Jünglinge, dieseJungfrauen sind durch Gehorsam und Treue der Eltern Trost und Freude, sie sindim Alter durch Liebe und Dankbarkeit ihre Stütze. Und was der Priester beim Braut-segen den Eltern verkündet, das hat sich durch GotteS Gnade und Erbarmung erfüllet:Siehe, also wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet! Die Arbeit deinerHände wirst du genießen; selig bist du und glücklich. Deine Kinder sind wie Oel-bäumchen um deinen Tisch her. Gott segne dich von Sion aus und lasse dich schauenJerusalems Heil alle Tage deines Lebens! (Ps. 127.) .
An dem gottseligen Beispiele einer solchen christlichen Familie erbauen sich Alle,die mit derselben in Berührung kommen; eS ist ein leuchtendes und erwärmendes Lichtsür alle Hausgenossen. In solcher Umgebung finden wir heilige Dienstboten, die Got-teS Segen herbeiführen und bewahren helfen. Denn nicht nur wird bei der Wahlderselben auf die Tugend, als aus die vorzüglichste Eigenschaft eines guten Dienstboten,