Ausgabe 
11 (23.3.1851) 12
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die erste Rücksicht genommen, sondern sie gelten auch in der Familie als Miterlösetc,als Brüder und Schwestern in Christo und sind geachtet und geliebt von allen Glie-dern der Familie; nicht nur wird Sorge getragen für gerechte und dillige Behandlungderselben in zeitlichen Dingen, sondern sie finden auch an dem Hausherrn einen Vater,der für ihr ewiges Heil wachet nnd sorget, und an der Hausfrau eine Mutter, dieliebevoll in jeder Noth und Gefahr ihnen hilfreich zur Seite steht. Darum dienen sieauch gern und gehorchen mit aufrichtigem Herzen in Christo, nicht etwa bloß alsAugendiener, um den Menschen zu gefallen, sondern als Diener Christi, die denWillen Gottes von Herzen thun, wohl wissend, daß Jeder sür daS Gute, das er thut,vom Herrn belohnt wird (Koloss. 3, 2226).

Man darf aber ja nicht wähnen, müsse eine so durch Religion und Gottes-furcht beglückte Familie ohne häusliches Leiden und Kreuz seyn. Mit dem menschlichenLeben und mit dem christlichen vor Allem sind harte Prüfungen und Leideu unzertrenn-lich verbunden; doch im vertrauenden Aufblicke zu Gott, der sie auf diesem Wegeläutern und für den Himmel vorbereiten will, erträgt die christliche Familie Alles inLiebe und Geduld, und beflissen, die Einigkeit deS Geistes zu erhalten durch daS Banddes Friedens (Koloss. 3, 1213). Eben die gottesfürchtigcn Familien werden oftbesonders schwer vom Herrn heimgesucht; denn also pflegt der himmlische Vater dieGerechten durch Leiden zu prüfen, zu reinigen, in der Tugend zu befestigen nnv zurVollkommenheit zu führen, wie wir eS in dem Hause des frommen Dulders Hiob und deS gerechten Tobias sehen.

ES kommt Armuth und schwere Sorge für daS Auskommen, aber der Gerechtehat mit Pauluö gelernt, sich mit dem, was er hat, zu begnügen, und weiß sich inDemüthigung und Ueberfluß zu schicken (Phil. 4, 1112). Er wirft seine Sorgenauf den Herrn, der wird für ihn sorgen (I.Petr. 5, 7), und selbst beim Verlustealler irdischen Güter spricht er unbeirrt in seinem Glauben und Gottvertrauen mitdem Hartgcprüsten des alten Bundes:Der Herr hat es gegeben, der Herr hat eSgenommen, der Name des Herrn sey gepriesen!" (Hiob 1, 21.) Es kommt Verlustder lieben Angehörigen:Wie der Wille im Himmel ist, so soll es geschehen!"(I.Macchab. 3, 6V.) Es kommt Krankheit und harte Bedrängnis; von Seite böserMenschen; aber der Gottesfürchtigc verzagt nicht, denn er weiß, daß wir durch vieleTrübsale in daS Reich Gottes eingehen müssen, daß Alle, welche in Christo ein gott-seliges Leben führen wollen, Verfolgung zu leiden haben, daß Denen, die Gott lieben,Alles zum Besten gereicht. Und darum auch hebt er, gestützt auf seinen Glauben undgeleitet von seiner Gottesfurcht, unter den harten Schlägen, die ihn treffen, vertrauens-voll seinen Blick nach oben und tröstet sich mit deik Apostel Paulus:Allenthalbenleiden wir Trübsal, aber wir werden nicht beängstigt; wir gerathen in Noth, aberwir kommen nicht um. Wir werden verfolgt, aber nicht verlassen; wir werden nieder-geworfen, aber wir gehen nicht zu Grunde" (2. Kor. 4, 81V).

Wie herrlich bestätigt sich hiernach in dem Leben der christlichen Familie die Wahr-heit der apostolischen Lehre:Die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nützlich; denn siehat die Verheißung dieses und des zukünftigen LebenS" (1. Timoth. 4, 8), Deutlichernoch werden wir aber diese Wahrheit einschen, wenn wir den Zustand eines Hausesbetrachten, in welchem Glauben und Gottesfurcht wenig gelten oder wo überhaupt dieseGrundlagen deS zeitlichen und ewigen Heiles fehlen. Wie wird es bei der Schwach-heit und Unbeständigkeit deS menschlichen Herzens, bei der Verschiedenheit der Charaktere,Neigungen und Gewohnheiten ohne tiefgegründete Religiosität und Gottesfurcht möglichseyn, auf die Dauer jene Liebe und Treue, jene heil. Liebesgemeinschast zu bewahren,welche auf Christus gegründet seyn und in Ihm Krast und Bestand gewinnen muß,zur wechselseitigen Heiligung und zur treuen Erfüllung der großen und ernsten Pflichtendes ehelichen Standes? Wo der Gott der Liebe und des Friedens nicht im Hauseherrscht, da werden bald Unfriede, Abneigung, Eifersucht und bittere Zwietracht um dieHerrschast streiten, und statt des Ertragens, des VcrzeihenS und der Aufopferung imHinblicke auf Gottes heiliges Gesetz zeigt die Geschichte deS Tageö nichts als traurige