Ausgabe 
11 (18.5.1851) 20
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Christe» auf. Freilich, was kann hier ein Einziger thun? und Missionär Gawronskisteht ganz allein und ohne Nachahmer. Aber man muß die kleine, gebückte, unan-sehnliche, ja demüthige Gestalt nur einmal aus dem Predigerstuhle sehen! seine imgewöhnlichen Leben gedämpfte Stimme herab von der Kanzel hören! Man traut deneigenen Ohren nicht. Ein begeisterter Prophet steht verklärt vor uns, seine Stimmedringt wie der Donner tief ergreifend in daö tiefinnerste Wesen, und die Zuhörer,ersaßt von einer unsichtbaren unwiderstehlichen Gewalt, horchen mit feuchtem Blickdem lebendig gewordenen Worte. Nie werde ich vergessen, welchen Eindruck seinePredigten anf mich gemacht, nie den ich am Antlitz der Umstehenden sah! Nur werdieses sah und an sich erlebte, kann die Wirkungen dieses Mannes so vereinzelter auch dasteht begreifen. Ich habe ihn im Jahre 1849 im Franciscanerklosterin Lemberg, wo er die Wintermonate zuzubringen pflegt, besucht; die ganze Einfach'heit und Bedürfnißlosigkeit, die er auf seinen Reisen zur Schau trägt, fand ich inseiner Zelle wieder. In Ermanglung eines Stuhles setzten wir unS auf Bücher, dieüberall herumlagen und außer dem Unentbehrlichsten das einzige Ameublement aus-machten. Man glaube aber ja nicht, darin die gewöhnliche Folge der Armuth zusehen. Freilich hat er nichts, weil er Alles Bedürftigen gibt, aber zum Geben hater immer und oft auch viel, weil durch seine Hcu,de der Reichthum der Armuth Trostund Linderung zuschickt. Ich selbst bat ihn, als er meinen Landsitz verließ, für denReligionsunterricht, den er täglich durch zwei Stunden meinen Kindern ertheilte, einkleines Reisegeld wenigstens und das Bettgewand, das er benützte, für seine Gebirgs-reisen ein nothwendiger Artikel, anzunehmen. Er gab meinen Bitten nach, aber erbrauchte weder das eine noch das andere für sich. Nur um mir wohlgefällig zu seyn,ließ er daö Bettgewand während seines Hierseyns bei Tage auf dem Bette, gebrauchteeS aber bei Nacht nicht, er verschenkte eS an eine arme, einst wohlhabende Familie,und mit dem Gelde that er dasselbe.

Und ein Fanatiker ist dieser Mann nicht. Er besitzt ein tiefes und gründlichesWissen und nicht in der kirchlichen Dogmatik allein. Das Buch des Lebens ist vorseinen Augen aufgeihan, und er versteht es, darin zu lesen. Ich habe Nächte mitihm durchgewacht, ich bin reiner, geläuterter geworden. Ich wußte nicht, ob eSSokrates, ob Plato ober ein Priester des Herrn ist, aber ich wußte, daß ich michin der Nähe eines höhern Wesens befinde.

Die Tage, die er in meinem Hause zubrachte, sind wie ein Lichtpunct in meinemDenken, den eine wohlthätige aber außerordentliche Erscheinung zurückgelassen, unddiese gebrochene Gestalt steht hochaufgerichtet und ruhig, in die Wolken reichend, vormeinem geistigen Auge, von dem sie manchen trüben Wahn verscheuchte.

Gawronski gehört keinem Kloster, keiner Kongregation, keiner Körperschaft an,er ist einfach ein Priester und zwar ohne irgend eine feste Stellung, waö man gewöhn-lich so zu nennen pflegt. Seine außerordentliche Erscheinung, die wohl an die erstenChristen erinnert, hat ihm ein uubegränzteS Vertrauen der Kirche, der Regierung unddie Herzen Aller, die ihn kennen, für immer gewonnen.

Franz v. Florenconrt.

Schwerin , 29. April. Die am 19. d. M. hier erfolgte Rückkehr deSHerrn Franz v. Flore ncourt zur katholischen Kirche ist bereits durch dieöffentlichen Blätter gemeldet. Wir lassen einige nähere Mittheilungen über diesesfür alle Katholiken höchst erfreuliche Ereigniß und insbesondere über den feierlichenAct der Aufnahme hier folgen. Herr v, Florcncourt, durch sein allbekanntes Strebenfür Recht und Wahrheit schon seit Jahren zur katholischen Kirche hingedrängt, gelangtein diesem Frühjahre zur völligen Ueberzeugung von der Wahrheil der katholischen Lehre. Hier in Mecklenburg , auf dem Gute eines Freundes, bereitete er sich einigeZeit zu seiner Rückkehr in die katholische Kirche vor, und entschloß sich, am heiligenCharsamötag in der hiesigen katholischen Kirche sein Glaubensbekenntnis; abzulegen.