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Da sein Entschluß hier bekannt geworden, so versammelten sich am Charsamstags-Abend schon frühzeitig zahlreiche Katholiken und Protestanten in der katholischen Kirche .Gegen 7'/z Uhr trat Herr v. Florencourt ein in Begleitung von zwei angesehenenMilgliedern der hiesigen katholischen Gemeinde. Am Tausbrunucn, wo Herr PastorBrocken im kirchlichen Ornat ihn erwartete, begehrte er, bedingungsweise, nämlichfür den Fall, wenn er nicht recht getauft sey, die heilige Taufe zu empfangen.Dieselbe wurde ihm ertheilt; an der tiefen Stille, welche während dessen in der gan-zen Kirche herrschte, bemerkte man den großen Eindruck, welchen die feierlichen Cere-monieen, unter denen unsere Kirche die heilige Taufe spendet, auf alle Anwesendenmachten. Dann trat Herr v. Florencourt vor den Altar, wo Herr Pastor Brockenin einer ergreisenden Rede auseinandersetzte, welch' ein großes Glück ihm durch dieAufnahme in die katholische Kirche , die allein im Besitze der wahren Lehre Christiund der wahren Sacramente sey, zu Theil werde. Hier kniere Herr v. Florencourtvor der Communionbank und las, während zwei Chorknaben ihm mit Lichtern zurSeite standen, deutlich und mit scharfer Betonung das tridentinische Glaubenöbekennt-niß ab uns wurde dann, nachdem er feierlich gelobt hatte, als ein treuer Sohn derheiligen katholischen Kirche leben und sterben zu wollen, in die Gemeinschaft der hei-ligen Kirche aufgenommen. Viele von den Anwesenden haben sich während dieserFeierlichkeit die hellen Thränen auö den Augen gewischt. Man kann denken, daßdiese öffentliche und feierliche Conversion dieses ausgezeichneten, in ganz Deutschland rühmlichst bekannten Mannes sowohl hier, als in ganz Mecklenburg auf Protestantenwie Katholiken einen tiefen Eindruck gemacht hat.
DaS „Jonrnal de Brurelles" enthält einen längern Aufsatz über die Lage derKatholiken in den Niederlanden , dem wir Folgendes entnehmen: „Die holländischenProtestanten sind heute noch, was sie stets gewesen: übermächtig an Zahl undDespoten im Regieren. Ihre Unduldsamkeit und ihr Fanatismus kennen keine Grän-zen. Gesetze, Verwaltung und Presse, ja Alles wird auf die Beine gebracht; ihrenganzen Einfluß machen sie geltend, um auch die letzte Spur des Katholicismus zuvernichten. Zu diesem Ende haben sie eine vollständige Propaganda organisirt, undwenn nicht selbst die rasfinirtesten Verfolgungspläne im Kampfe gegen die Kircheohnmächtig wären, so müßte man für eine Zukunft der Katholiken in Holland dieHoffnung aufgeben. So viel die Protestanten unter sich auch uneinig und getheiltseyn mögen: wenn es gilt, die Rechte und die Freiheit der Katholiken zu bekämpfen,dann scheinen Uneinigkeit und ehrgeizige Eifersucht unter ihnen verschwunden zu seyn,ja im Hasse gegen den Katholicismus sind Alle unter sich einig. Da gibt es keine Radi-cale, keine Ultraconservative, keine konstitutionelle mehr, der gemeinschaftliche Haßfüllt auf einmal die Kluft, die sie kurz vorher noch trennte; ein Versöhnungöfest wirdgefeiert, um dem Gegner zu Leibe zu gehen. Die Presse folgt derselben Fahne.Die dem Glauben der Väter getreu geblieben sind, werden täglich mit den ungerech-testen und den schmählichsten Verleumdungen überschüttet. Bei jeder Gelegenheit wirddas Phantom der „klericalen Herrschast," der „katholischen Theokratie" und der„JesuitiSmus" zu Markt getragen, und erstaunt fragt der Leser: „Wie ist es möglich,daß man ein solches Unwesen doch dnloet?" Obgleich zwei Fünftel der gesammte»Bevölkerung der katholischen Kirche angehören, so sind dennoch die Katholiken vonder Verwaltung des Landes strenge ausgeschlossen; die Protestanten regieren ohneControle, in den Gemeindebehörden wie im Rathe deS Königs, in den Elementar-schulen wie auf den Kathedern der Hochschulen sind sie ausschließlich die Meister.Mit einem Worte: die Katholiken werden als Heloten behandelt. Und dennoch nenntman sie „Unterdrücker".
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Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er-