Ausgabe 
11 (1.6.1851) 22
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sich alle Lobeserhebungen verbeten, und wollte auf seinem Grabe, in der von ihmerbauten Michaelskirche nur folgende Inschrift:Ich fürchte mich wegen meiner Ver-gehungen und erröthe vor Dir, o Herr, wenn Du kommen wirst zu richten. Ver-damme mich nicht!"

Sein letzter Wille zeugte noch von seiner Milde. So vermachte er dem Geor-gianischen Klerikal-Seminar tausend Gulden, und sein ganzes übriges Vermögen zurHälfte seinem Sohne Albert, zur andern Hälfte den Armen, woraus mau sehen kann,daß er diese wie seine Kinder hielt.

Bei seinem Leichenbegängnisse befanden sich seine Sohne Maximilian und Albertmit ihren Frauen, Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg nebst seiner GemahlinMagdalena, Franz, Bischof von Osnabrück, Veit Adam, Bischof von Freising , derdas Leichenbegängniß hielt, eine zahlreiche Geistlichkeit, der Hof, der Magistrat undeine zahllose Menge Volkes, das laut weinte.

So war, in kurzen Zügen geschildert, das Leben und Ende zweier Fürstenper-sonen und der Eltern unserer Herzogin Magdalena beschaffen, geschmückt mit denTugenden der Heiligen, wenn ihnen auch nicht dieselbe Verehrung zu Theil wurde.

Magdalenens Geburt und Jugendjahre.

Unsere Herzogin Magdalena, deren Leben wir jetzt schildern wollen, war, alsdas Jüngste unter zehn ihrer fürstlichen Geschwisterte, geboren zu München im Jahre1587, am 4. Juli, als am Feste des heiligen Bischofs Ulrich, zwischen vier und fünfUhr morgens, an einem Sonnabende. An eben diesem Tage erhielt sie in der Capelleder neuen Residenz durch den Probst zu Unser lieben Frau, Dr. Lauter, die heiligeTaufe und den Namen der heiligen Büßerin Magdalena; wobei ihre GroßmutterAnna, die Gemahlin Herzog Albrechts von Bayern , und Herzog Philipp, Bischofvon Regcnsburg, die Pathenstcllcn übernommen hatten. Ihre frommen Eltern theiltenselbst die Sorge der Erziehung und Bildung ihrer Tochter Magdalena, uud da sieschon von der Natur mit seltenen Geistesgaben versehen war, so konnten die elterlichenBemühungen nicht anders, als von einem glücklichen Erfolge gekrönt seyn. Magdalenamachte sich wirklich auch bald die schönen religiösen und moralischen Tugenden ihrerEltern eigen und wurde das leibhafte Ebenbild derselben.

Ihre Andacht, ihr GebetSeifer, ihre Lernbegierde war von der Art, daß Jeder-mann darüber staunte. Von einem Kinde, das von Furcht und Liebe Gottes erfülltist, läßt sich nun nichts richtiger erwarten als die strengste Pflichterfüllung gegendie Eltern und so gewann sie auch durch ihre Liebe, Ehrfurchr und Folgsamkeit dieHerzen ihrer Eltern. Jeder Wink, jedeö Wort derselben war für sie ein unverletz-bares Gebot. Voll Offenherzigkeit und Vertrauen nahte sie sich denselben uud getrautesich nichts zu unternehmen, ohne ihren Rath oder Genehmigung darüber eingeholt zuhaben. Eben so war sie gegen ihre Lehrmeister, und kein Verweis konnte ihre kind-liche Liebe zu ihnen schwächen.

Als sie zu etwas reifern Jahren und mit ihnen an Gottseligkeit heranwuchs,so hegte sie den frommen Wunsch, vom Getümmel der Welt sich zurückzuziehen, umGott ungestört in einem Kloster als seine Braut dienen zu können. Doch ihrenTugenden, ihrer Herzensgüte war ein größeres Feld bcschieden, wo sie im hellstenGlänze strahlen sollten. Die Hand der Vorsehung, der Wunsch ihrer Eltern, derRalh ihres Beichtvaters und die Hoffnung, vielleicht das Wohl eines ganzen Landesbefördern zu können, brachten sie von ihrem Vorhaben ab und auf.eine andere Lauf-bahn, um das Licht, welches sie in stiller Verborgenheit angezündet hatte, auch Andernleuchten zu lassen. Wirklich sollte diese Hoffnung auch bald in Erfüllung gehen.Ungeachtet ihres bescheidenen Wesens, konnte sie den aufmerksamen Blicken der Hof-welt nicht entgehen und in kurzer Zeit warben mehrere um ihre Hand, darunter einköniglicher Prinz aus Polen . Auch der bekannte Bischof Melchior Clcsel hatte imNamen des Erzherzogs Mathias von Oesterreich um sie geworben.

*) StumpfWerbung des Erzherzogs Mathias von Oesterreich um die bayerische PrinzessinMagdalena" in der Zeitschrift für Bayern 1816 I. 1L9. S.