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Keiner aber war so glücklich ihre Hand zu erlangen, als der damalige jungeErbprinz von Neuburg, Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm . Es war dieß hiemit eine höchstwunderbare Fügung der göttlichen Vorsehung, daß Magdalena von ihrem früher gefaß-ten Entschlüsse abkam und ihre Hand diesem Fürsten reichte, besonders wenn man dieFolgen erwägt, die es hatte, daß sie die Gemahlin dieses Fürsten wurde. Wie unsdie Geschichte vielfältig beurkundet, bediente sich Gott oft ausgezeichneter Frauen alsWerkzeuge, ganzen Völkern daS Licht der Wahrheit zu bringen, und so war es auchhier der Fall. Es können zwar Frauen nicht als Prediger das Evangelium verkün-den, aber durch ihre Tugenden, durch Beispiele und Belehrung in häuslichen Kreisenkönnen sie die Menschen für die Wahrheit gewinnen; und dieß um so mehr, je höherdie Stufe ist, die sie in der menschlichen Gesellschaft einnehmen. So können Fürsten-frauen die Herzen ihrer Gatten lenken und in ihnen als künftigen Herrschern guteRegenten heranbilden. So diente auch Magdalena gleich einer Clothilde dazu, alskünftige Regentin eines Landes, in dem die neue Lehre bereits als die alleingeltendeeingeführt war, das Heil des wahren Glaubens demselben zu bringen.
Wolfgang Wilhelm Pfalz graf von Neuburg und Herzog
Der Mann, der nun so glücklich war, die Hand einer so tugendhaften Jungfrau,wie Magdalena war, zu erlangen, war wie schon erwähnt Wolfgang Wilhelm ,Pfalzgraf und Erbprinz von Neuburg . Er war geboren den 29. October 1573 inNeuburg . Die herrlichen Anlagen seines Geistes und Gemüthes brachten den Prinzenschon frühzeitig bei einer sorgfältigen Erziehung seines Vaters auf eine hohe Stufevon Kenntnissen, besonders auch in Sprachen, indem er sich in sechs verschiedenen,lateinisch, spanisch, französisch, italienisch und englisch , mündlich und schriftlich gleichfertig auszudrücken wußte. So mit den schönsten Kenntnissen ausgerüstet, begab sichder junge Prinz auf Reisen und benützte die Gelegenheit, um seine erworbenen Kennt-nisse und Grundsätze durch Erfahrung und Beobachtung in der großen Schule deööffentlichen Lebens zu bereichern. Er besuchte deßhalb die vorzüglichsten Fürstenhöfevon Europa, war bei der Krönung Christian IV. von Dänemark, bei Heinrich IV. von Frankreich und durchreiste später Spanien, Italien und Deutschland . Seinmajestätisches Aussehen, sein feuriger durchdringender Blick, noch mehr aber seineausgebreiteten Kenntnisse, sein bescheidenes musterhaftes Betragen gewannen ihm anallen Höfen Liebe, Bewunderung und Verehrung. Nach seiner Zurückkunft ließ derVaier den 24jährigen an Erfahrung und Kenntnissen so reichen Jüngling an allenRegierungsgeschäften Theil nehmen; ja er theilte sogar die Regentschaft mit ihm undWolfgang Wilhelm legte bei mehrern Geschäftsreisen z. B. au den Hof Kaiser Ru-dolph II. als auch bey andern wichtigen Verhandlungen die auffallendsten Probenseiner Einsicht, Klugheit und Geschäftsgewandlheit ab.
Nach dem Wunsche seiner Eltern sollte er sich nun vermählen und warb umdie Hand der brandenburgischen Prinzessin Anna, allein der Plan wurde zernichtetund nun suchte er am Hofe zu München , was er am brandenburgischen nicht mehrerlangen wollte.
Er begab sich deßhalb im Jahre 16l2 nach München und eröffnete den Wunschsich mit der Prinzessin Magdalena zu verbinden. Der Herzog Maximilian nahm denWunsch gut auf, denn sie waren ja Jugendfreunde, indem er oft von Jngolstadtans nach Neuburg gekommen war, fügte aber bei, daß er sich noch mit seinem Vaterdarüber unterreden müsse. Beide schrieben nun an den Pfalzgrafen , daß die Heiralhkeinen Anstand habe, und nur in Betreff der ReligionSverschiedenhcit noch einiges imWege stehe. Sie luden ihn daher ein, nach München zu kommen und sich hierüberzu besprechen. Wolfgang Wilhelm kam und die Unterredung begann, und betraf dieReligion zunächst. Der Pfalzgraf that, nachdem noch einige Unterredungen gehaltenworden waren, endlich den AuSspruch, daß die Wahrheit der katholischen Religionauf sehr einleuchtenden Gründen beruhe und er wolle Gott anflehen, daß er ihn nicht