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auf unrechter Bahn lasse, nur bitte er hierüber um Muße und Verschwiegenheit vorseinem Vater, der ihm sonst alle Wege zur Bekehrung und zur Hcirath abschneidenwürde. Er machte sich mit Fleiß über die Werke des Canisius her und versicherte,daß dieser Schriftsteller am Meisten zu seiner Rückkehr zur katholischen Kirche beige-tragen habe.
Noch am Ende des Jahres 1612 entdeckte er seinem Vater Philipp Ludwig seineWünsche in Betreff der Heirath mit Magdalena. Dieser fand eine solche Verbindungsür sehr wünschenswert!), Fräulein Magvalena, äußerte er, habe in jeder Hinsicht sotreffliche Eigenschaften, daß sie geliebt zu werden verdiene, auch wisse er selbst, daßsie ihm gut sey und deßhalb andere Bewerber hintangchalten habe. Bei ihrem treff-lichen Verstände sey auch die Hoffnung zu ihrer Bekehrung nicht auszugeben.
Die Unterhandlungen wurden nun angeknüpft, hatten aber einen etwas lang-samen Gang, desto rascher entwickelte sich Wolfgang Wilhelms Bekehrung; denn erlegte am 19. Juli 16l3 ein förmliches Bekenntniß des katholischen Glaubens in derResidenz zu München ab, und faßte es in den rührendsten Worten eineS gläubigenund dankerfüllten Gemüthes ab. Die Heirath aber wurde beschleunigt.*)
(Fortsetzung folgt.)
Die Bauhütten des Mittelalters.
Von A. Rcichensperger.(Schluß.)
ES sey gestattet, als Beleg für daS früher im Allgemeinen Gesagte einigeAuszüge aus den verschiedenen Steinmetzen-Ordnungen, aus denen, beiläufig bemerkt,unsere wegen der „Organisation der Arbeit" so gar sehr verlegene Zeit sich mehr alsEine gute Lehre nehmen könnte, hier anzureihen.**) So heißt eS z. B. in denbereits erwähnten ältesten englischen Satzungen: „Die erste Pflicht ist die, daß duein treuer Mann gegen Gott, den glorreichen Baumeister Himmels und der Erde,seyn sollst, und weder Irrthum noch Ketzerei übest," so in den ältesten deutschen,den straßburger, von 1459: „daß echte Freundschaft, Einhelligkeit und Gehorsamkeitein Fundament alles Guten seye," und in den torgaucr Satzungen (§. 16): „Meisterund Gesellen sollen christliche Ordnung halten, sich einander beistehen, jeden Sonn-tag in die Hochmcsse und mindestens alle Jahre zu den heiligen Sacramenten gehen."Und man weiß, das Mittelalter kannte die Phrase im heutigen Sinne deS Wortesnicht. Jeder mußte eine Wochcnabgabe sür den Gottesdienst und die Pflege derkranken Brüder in die Büchse geben, aus welcher die Haupthütte stets eine Jahres-abgabe „als Zeichen der Gehorsame und brüderlicher Lieb" erhielt. In allen Hüttenwar Hochachtung des Alters und der Autorität oberstes Gesetz; eS wurde eine genaueAufsicht über die Sitten geführt, strenge Maaßregeln bestanden gegen Spiel, Trunk,Unzucht, Fluchen und Schwören. Den Gesellen war es z. B. untersagt, allein inSWirthshaus zu gehen, alle Vierteljahre (f. auerfurter Ordn, von 1574) wurden siebefragt, ob Haß oder Neid, oder sonst ein Laster unter ihnen wäre; ihre Streitig-keiten schlichtete der frei nach Verdienst gewählte Meister „nach Handwerköbrauch undSteinwerksrecht" alö Richter über Parlircr, Gesellen und Diener. Die Hauptfesteder Steinmetzen waren der Tag Johannis des TäuferS und der f. g. vier Gekrönten(vier Märtyrer vom Gewcrk aus der Zeit des Diocletian ), der speciellen Schutzpatroneder Genossenschaft. Ueberall hatte der Künstler, hier wie in der Malerei, nicht zu-nächst das Menschliche, sondern das Heilige, nicht daö Mittel, sondern den Zweckim Auge zu behalten. — Schon bei der Aufnahme der Lehrlinge verfuhr man mit
*) Dieses Hochzcitscst ist umständlich beschrieben in I'keoäori Ueurvri rclationilms kistoric.1613 und iu den Ncuburgcr Collcctanecn Blätter Jahrg. 1S4S.
'") Viel Treffliches über die Bauhütten findet sich in den „Kölner Dombricfcn" von I. Krcuscr,namentlich im vierten Sendschreiben, so wie in dem im Erscheinen begriffenen höchst empfehlenswerthcnWerke desselben Verfassers: „Der christliche Kirchcnbau." Bd. I. S. 32S u. folg.