Ausgabe 
11 (21.9.1851) 38
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sollten wir gar nichts entdecken, wofür wir der göttlichen Gerechtigkeit ein Opfer derGenugthuung schuldig wären? Groß ist die Zahl der geistig Blinden. Sie sind vonaller Begierltchkeit deS Fleisches voll, wie die Fäulniß von Würmern, sie lassen demStachel ihrer Zunge freien Lauf, wo eS sich um Gewinn und Fortkommen handelt,scheuen die Falschheit, Trug und Ränke nicht; sie setzen die Gebote der Kirche mitGleichgiltigkeit bei Seite oder verhöhnen sie sogar mit Frechheit, und dennoch wennsie, weil sie gute Christen sind, nach einem langen Jahre vielleicht wieder einmaldem Sacramente der Buße nahen, so wissen sie kaum, waS sie bekennen sollen: sieklagen sich kurzabgebrochen in allgemeinen Ausdrücken einiger UnVollkommenheiten an,wie sie auch der treueste Diener GotteS in den Tiefen seines Herzens findet: dennfreilich, sie haben keine Thüren erbrochen, keinen Straßenraub begangen, Niemandenermordet und keine Feuersbrunst angelegt. Wie, sollten auch wir den Schaarendieser kläglich Bethörten uns beigesellen? Nein, daS sey ferne!

Großer Gott, dessen Blick in die Geheimnisse der Herzen dringt, verleihe, daßwir unS selbst erkennen, so wie wir von dir erkannt werden! Verleihe« daß wir AlleS,waS wir thun und wollen und gethan und gewollt haben, so schauen, wie wir eSschauen werden, wenn eS am Tage des Gerichtes hüllenlos daliegt vor den Augender versammelten Welt! Herr der Heerschaaren neige dich nieder zu unS und laßdaS Vorbild der Heiligkeit, welches du unS gegeben, mächtig in unserer Seele leuch-ten, damit wir unserer Ohnmacht und Sünde vollkommen und mit tiefer Beschämunginne werden! Gott der Huld und Gnade, der du deinen eingebornen Sohn für unShingegeben hast, erwecke in unS daS flammende Verlangen, für alle Uebertretungenund Versäumnisse deiner Gerechtigkeit ein Opfer der Genugthuung darzubringen inVereinigung mit dem großen Versöhnungsopfer, auf welchem allein unsere Kraft undHoffnung ruht! Lehre in dieser JubiläumSzeit unS nicht mit dem Munde, sondernmit dem Herzen sprechen: Vater ich habe gesündigt vor dir und dem Himmel undbin nicht mehr würdig, dein Kind zu heißen! Vater der Barmherzigkeit, erschaffe inunS ein Herz voll der Zerknirschung und Demuth und laß unS Verzeihung, laß unSvolle Erneuerung finden, wie der Verlorne Sohn sie gefunden hat! Amen.

Die Londoner Industrieausstellung.

Die große Industrieausstellung zu London gibt allen periodischen Blättern soviele Veranlassung zu interessanten Besprechungen, daß wohl auch vom katholischenStandpuncte aus derselben einige Berücksichtigung gewidmet werden kann. Wennauch die katholischen Sonntagöblätter wenig mit der Industrie sich zu beschäftigenhaben, so liegt doch die Kunst und der Geist, der sich in den Bestrebungen der Ge-genwart kund gibt, in dem Kreise ihrer Aufgaben.

Die große Weltausstellung zu London zeigt in einer alle Beschauer hinreißendenFülle und Vollendung den Triumph deS menschlichen Geistes über die sinnliche Natur.ES offenbart sich da, mit welcher Kraft und Ausdauer der menschliche Geist eS ver-steht, sich alle Elemente dienstbar zu machen, und nicht nur die erhabensten Kräfteder Natur sich zu unterwerfen, sondern auch die kleinsten und unbedeutendsten Gegen-stände der Schöpfung zur wohlthätigsten Wirksamkeit zu erheben. Dessenohngeachtetsieht man darin auch eine gewisse Sklaverei deS menschlichen Geistes.Im SchweißedeS Angesichtes sollst du dein Brod verdienen," dieser Gedanke befällt uns bei jedemeinzelnen der ausgestellten Gegenstände. Sie sind daS Ergebniß eines unbeschreib-lichen Fleißes, einer lebenslänglichen Mühe und Anstrengung. Viele Sorgen, Thrä-nen und Opfer waren nöthig, um Kunstwerke von solcher Vollendung darzustellen.Und wenn man nun diese industrielle Herrlichkeit als daS höchste Ziel menschlicherBestrebungen hinstellt, so ist die Sclaverei deS Geistes, die materielle Versunkenheitunserer Zeit in der ganzen Einseitigkeit ausgesprochen. Wohl sind daS große Wohl-thäter der Menschheit, welche durch Fleiß und Ausdauer, durch Erfindungen und