Ausgabe 
11 (28.9.1851) 39
Seite
306
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nachsagen lassen, wir aber wollen uns vorzüglich in Dingen, welche unser Seelen-heil betreffen, davor hüten. Wir wünschen des Jubiläumsablasses theilhaftig zu wer-den und indem wir diese Kirche zum Gebete besuchen, erklären wir öffentlich unsernEntschluß, die Bedingungen zu erfüllen, unter welchen die Kirche unS die Nachlassungder zeitlichen Strafen verkündet. Wir wissen, daß die Kirche nicht minder die Hüterindes Gesetzes der Heiligkeit als die AuSspenderin der Erbarmungen Gottes ist; wirwissen, daß, wenn die Ablaßverkündigung für uns Früchte des Heiles tragen soll,unsere guten Vorsätze wahr und treu seyn und sich in Werken des Glaubens und derLiebe bewähren müssen. Wohlan! so laßt unS nicht auf halbem Wege stehen bleiben,sondern im Vertrauen auf Ihn, durch welchen wir Alles vermögen, das gut Begon-nene zu gutem Ende führen. Dieser Tag, Geliebte im Herrn, sey für uns ein Tagder Erneuerung: denn er sey der Tag, an welchem wir vom Schlafe aufstehen, umauf dem Pfade, welchen daS Wort des Herrn unS vorzeichnet, mit der Gesinnungwahrer Christen zu wandeln. Eines thut Noth, sprach der Herr, als Maria zuseinen Füßen Worte des Lebens suchte, und eine einzige Forderung stellt er an unS:Sohn, spricht er, gib mir dein Herz! Die Antheilnahme^ welche wir nur zu oft anGeld und Gut, an Gunst und Achtung der Menschen, an flüchtige Vergnügungen,vielleicht an sündige, befleckte Genüsse verschwendeten, wollen wir unserm gnadenreichenGotte und seinem heiligen Gesetze mit dem Eifer eines guten Kindes zuwenden.Dann ist uns wahrhaft Erneuerung geworden.

So wollen wir denn auf die Bedeutung des menschlichen Lebens einen Blickder Betrachtung werfen; wir wollen insbesondere die Zeit, in welcher zu leben unsgeordnet ist, prüfend ins Auge fassen und uns ermuntern, ungehemmt von der »geisti-gen Ermattung, von der Kraftlosigkeit zum Guten, deren Beispiele zum Schlummereinladen, uns mit dem Eifer der treuen Diener Gottes zu gürten und der Ankunftdes Herrn mit brennenden Lampen zu harren.

Als MoseS, bevor er auf den Berg Nebo stieg und starb, den Kindern Israelsdas Gesetz des Herrn noch einmal vorhielt, sprach er zu ihnen:Der Herr läßt euchVersuchung erfahren, damit eS offenbar werde, ob ihr ihn liebet?" Dadurch ist dieBedeutung des menschlichen Lebens kurz und treffend bezeichnet. Wir sind nach Got-tes Ebenbilde, wir sind, um Gott zu lieben und ihm allein zu dienen, geschaffen.Dieß weiß, so weit das Christenthum seine Lichtkreise zieht, jeder Schulknabe und derWeiseste der Weisen vermag nichts Höheres als in den Sinn dieses großen Wortestiefer einzudringen. Weil wir aber ein Ebenbild Dessen sind, welcher sprach: ESwerde Licht! und eS ward Licht, so sollen wir auch mitwirken, damit sein heiligsterWille erfüllt und das Reich der Geister, in welchem seine Herrlichkeit und Liebe sichabspiegelt, vollendet werde ringsumher um seinen ewigen Thron. Die Gestirne,welche in unermeßlichen Kreisen über unsern Häuptern dahinziehen, gehorchen willen-los dem allmächtigen Willen, welcher sie ins Daseyn rief; der geschaffene Geist sollmit der Gnade des Herrn freithätig mitwirken, damit er zu der ihm bestimmten Voll-kommenheit gelange und in der Geisterwelt den Platz einnehme, welchen die Huld desAllerbarmers ihm beschicken hat. Die Liebe ist eine freie Gabe und Der, welcherdem Herrn sie darzubringen geschaffen ist, soll beweisen, daß er sie mit freiem Ent-schlüsse darbringe. Darum war den Engeln eine Zeit der Prüfung geordnet undnicht Alle blieben getreu; es fiel der glänzende Lucifer, eS fielen seine Genossen undihre Stätte ward im Himmel nicht mehr gefunden. Darum ist auch den Menscheneine Zeit der Prüfung geordnet und unS, deren Stammvater am Baume der Er-kenntniß von dem Herrn abtrünnig ward, ist eine Erde, über welche der Fluch derSünde sich verbreitet hat, zum Schauplatze des Prüfungslebens angewiesen.

«Ich selbst werde dein übergroßer Lohn seyn, sprach der Herr zu dem Vaterder Gläubigen." Die Liebe Gottes ist wie die Bestimmung und Pflicht, so auch dieSeligkeit des Menschen. Wenn der geschaffene Geist den Hocherhabenen, Hochheili-gen nach dem Maaße der ihm zugetheilten Fähigkeit schaut und in getreuer Liebe mitihm vereinigt ist, so spannt die Sehnsucht ihren Bogen ab: denn er hat Alles, waö