Ausgabe 
11 (28.9.1851) 39
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in verborgenen Winkeln: denn, wie unS allen aus dem Psalme bekannt ist, sprachschon damals der Gottlose in seinem Herzen: ES ist kein Gott. Haben wir AergereS,haben wir auch nur all das Arge erlebt, welches Israel in den Tagen seines großenKöniges sah? Aber wenn der Hagel einige Strecken verwüstet, so ist damit nochnicht gesagt, daß das Jahr unfruchtbar sey; vielleicht bringt eS sogar Wein und Obstund Korn in seltener Fülle hervor. Wir müssen nicht nur nach den Beispielen desLasters, sondern auch nach den Beispielen der Tugend fragen. Gräuelthaten, welchealle Bande der sittlichen Ordnung verhöhnen, sind ein furchtbares Zeugniß des Ab-grundeö, in welchen der Mensch, der seinen eigenen Lüften dienet, versinken kann.Doch wenn er dadurch zum Gegenstande des verschuldeten Abscheues wird, wenneinzelnen Beispielen wilden Frevels viele und herrliche Beweise sittlicher Kraft zurSeite stehen, wenn den wüthenden Leidenschaften gegenüber der Eifer für Gott undsein Reich sich mächtig waltend erhebt, so ist die Zeit gar mäht so schlimm und segen-los. Lasset es wachsen bis zum Tage der Ernte, spricht der Herr. Daß eh' dergroße Tag der Ernte kömmt, das Unkraut gänzlich ausgerottet werde, können wirnicht hoffen, wir müssen zufrieden seyn, wenn daS Unkraut nicht zu hindern vermag,daß der Weizen in vollen, reichen Aehren aufsprosse. Allein kann unsere Zeit sichDessen rühmen?

Daß wir an grellen AuSbrüchen des Frevels keinen Mangel haben, weiß Jeder- .mann. Dennoch sind scharf ausgeprägte, kühn zugreifende Leidenschaften seltenergeworden. Der heiße Durst nach Sinnengenuß und Befriedigung der Eitelkeit, derbittere Neid gegen Alle, welche haben, was man zu haben begehrt, herrschte niemalsüber so viele Gemüther wie eben jetzt; aber wenn eS von Worten zu Thaten kommensoll, so gibt sich eine scheue, furchtsame Berechnung kund. Die Männer des Um-sturzes sind ungemein verwegen, wo sie wenig oder gar keinen Widerstand besorgen;sie stacheln sich mit bluttriefenden Redensarten zu gan^ entsetzlichen Unthaten auf undwürden sie ohne Zweifel verüben, wofern sie nur wüßten, daß für sie selbst keineGefahr dabei sey. Sie möchten es gerne bis zum tobenden Wahnsinn bringen undbringen es meistens nur bis zu Fieberträumen. Das Böse ist an Kraft und Ent-schlossenheit arm geworden. Aber mit Beschämung müssen wir eS bekennen, nochärmer an Kraft und Entschlossenheit ist das Gute geworden.

(Schluß folgt.)

Die Mission in Laupheim . *)

(Vom 31. August bis 14. September 1351.)

ES liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzenUnd das Erhab'ne in den Staub zu zieh'u.

Längst schon hatte ich gewünscht, einer Mission anzuwohnen, aber immer hattensich der Erfüllung dieses Wunsches die verschiedensten Hindernisse in den Weg gestellt.Endlich, als die Misston in Laupheim begann, sollte eS mir vergönnt seyn, meinenWunsch zu befriedigen. Alles, waö ich seither in den Blättern über die Missionengelesen, und von Freunden, die solchen beiwohnten, über sie gehört, ließ mich ahnen,daß die Missionen zu den großartigsten Erscheinungen unserer an Erhabenem so armen,an Erbärmlichkeiten leiver so reichen Zeit gehören müssen und die Lästerungen undSchmähungen der religionsfeindlichen Presse machten mir den großartigen Charakterder Missionen vollenvs zur Gewißheit, denn stets wurde daS wahrhaft Große undErhabene am meisten gelästert und mit den Waffen der Bosheit, mit Lüge und Ver-leumdung bekämpft.

Auf den Flügeln der Sehnsucht eilte ich daher hinauf in die Gauen Ober»schwabenS, nach Laupheim , dem einstigen Sitze der Freiherren von Weiden, wo dieP. P. Schlosser, Rover und ZeU das Werk der Mission begonnen hatten. Leider

-) D. Kr.