Ausgabe 
11 (28.9.1851) 39
Seite
309
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

309

war ich nicht so glücklich, der Misston von Anfang beiwohnen zu können, ich mußte,mich deßhalb über das, was ich versäumt hatte, mit Berichten begnügen.

Der Zweck der Misston ist bekanntlich kein anderer, als die Erneuerung undBelebung deö alten katholischen Glaubens. Die Kohlen, die in der Asche glühen,sollen angefacht werden zur hellen Flamme, welche die Sünde und die Lust der Weltverzehrt, der todte Glaube soll aus seinem Grabe erweckt und verwandelt werdenin einen durch Liebe thätigen Glauben.

Sehen wir, auf welche Weise die Misstonäre das Ziel zu erreichen suchen, daSsie sich gesteckt haben.

Die Dauer einer Misston ist gewöhnlich auf 14 Tage bestimmt, während dieserZeit werden täglich drei Predigten gehalten. Durch diese Vorträge sowohl als durchverschiedene ergreifende Feierlichkeiten, welche wir bald näher kennen lernen werden,suchen die Missionäre auf den Verstand und auf daS Gemüth gleichzeitig einzuwirken.

Die Mission beginnt mit einer Predigt über die Bestimmung des Menschen,welche zum Zwecke hat, dem Auge des Geistes klar zu machen, daß nicht die Erde,nicht die materiellen Genüsse das Ziel seyn dürfen, nach welchem der Mensch zu stre-ben hat, sondern daß sie nur daS Mittel zum Zwecke, zur Ausbildung für ein über-irdisches, göttliches Leben seyen. Hieran reihen sich dann die Predigten über dieSünde im Allgemeinen, über die vier letzten Dinge, Himmel, Hölle, Tod und Gerichtund über die sieben Todsünden und die Belehrungen über die Standespflichten. Inergreifender Weise werden jedem Stande, den Jünglingen, den Jungfrauen, denEheleuten, den Eltern, den Dienstboten und Dienstherrschaften:c. die besondern Pflich-ten ihres Standes eingeschärft.

Alles, was den Verstand aufklären und daS Herz erschüttern kann, wird inden Predigten über die Sünde zc. den Zuhörern zu Gemüthe geführt, bis die Gläu-bigen, aufgelöst in heiße Bußthränen, sich hinwerfen vor dem Richterstuhle GotteS,und seinem Stellvertreter auf Erden ein reumüthigeS Bekenntniß ihrer Sünden able-gen und ihm wahre aufrichtige Besserung versprechen. Gewöhnlich beweist sich beidiesen Missionen die Aufrichtigkeit der Reue auf mannigfache Weise, jahrelange Feind-schaften hören auf, unzufriedenen Eheleuten kehrt der häusliche Friede wieder, unge-rechtes Gut wird vielfach zurückerstattet, ärgerliche Verhältnisse zwischen Leuten ver-schiedenen Geschlechtes schwinden.

Wenn die Predigten über die Sünde und ihre Folgen vorüber sind, wenn derMensch ganz darniedergebeugt in den Staub durch das Bewußtseyn seiner Schuld vorGott sich gedemülhigt und am Thron seiner Barmherzigkeit um Gnade gefleht hat,dann beginnt mit der Predigt über die göttliche Barmherzigkeit eine gar schöne trost-reiche Seite der Misston, dann wird Alleö, was die katholische Religion Erhebendesund Tröstendes hat, vor den Augen der Gebeugten ausgebreitet, dann wird diekatholische Glaubenslehre als eine stärkende Arznei ihnen dargereicht.

Die Misston in Laupheim hatte, wie oben bemerkt, am 3l. August begonnen.Ich kam am 6. September Morgens frühzeitig genug an, um gleich der ersten Pre-digt beiwohnen zu können. Pater Roder predigte vor einer zahlreichen Versammlungin der Kirche über die Sünde deS Geizes und der Habsucht. Mit beißendem Spottegriff der Prediger dieses Hauptgebrechen der Zeit an, trefflich charakterisirte er seineWirkungen.Um Geld, sagte er unter Anderm, thun die Menschen heutzutageAlles, um Geld werden Meineide geschworen, um Geld zu gewinnen versäumt manden Gottesdienst und daS Gebet. Der Himmel fiele ein, wenn man nicht alle Sonn-tage arbeitete. DaS Kirchengehen, das Beten zc. bringt mir kein Geld in die Tasche,sagen unsere Philosophen im Bauernkittel, und darum muß eS wahr seyn. Ein ein-ziger Gulden, der verloren geht, erweckt mehr Thränen, als ein Dutzend Todsünden."

Die Predigt zerfiel in zwei Theile, im ersten Theile sprach der Redner von denGefahren der Habsucht, im zweiten von den Heilmitteln derselben, unter den letzternwurde namentlich der Ersatz deS ungerechten Gutes angeführt. Um unsere Leser überden wahren Werth dessen, was Ulmer Schnellpost, Beobachter und andere Lügen«