311
gegenseitig zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten. Die ganze Kirche war inThränen aufgelöst, über eine halbe Stunde lang hörte man fortwährend lautesSchluchzen, tief ergriffen ging die fromme Versammlung auseinander und gewiß bliebdie schöne ächt christliche Feierlichkeit nicht ohne gute Folgen.
Und solchen Thatsachen gegenüber, die gewiß besser sprechen als alle Worte,gibt eS Boshafte genug, welche fortwährend behaupten, die Jesuiten predigen Into-leranz, Haß und Verachtung. Wie grundlos diese Verdächtigungen sind, mag amBesten durch einige Stellen aus der Predigt des Pater Roder über die Nothwendig-keit der Kirche bewiesen werden. Nachdem der Redner nachgewiesen, daß daö Chri-stenthum ohne Kirche nicht denkbar ist, nachdem er mit beißender Satyre die Hohl-heit des Satzes: Auf die Religion kommt nichts an, alle Religionen sind gleich,charakterisirt, fährt er fort: „Ich achte und ehre einen Jeden, welcher eine Ueberzeu-gung hat, wenn auch eine irrige. Denn Irrthum ist des Menschen Looö, und wereine Ueberzeugung hat, thut, was er kann, steht nur materiell im Irrthum, formell,vor Gott , steht er nicht im Irrthum, weil er nicht irren will, weil er für seinen Irr-thum nichts kann. Einen Jeden solchen werde ich achten, denn er erfüllt seine mensch-liche Bestimmung." Und am Schlüsse der Rede sagte der Prediger weiter: „Hoffent-lich wird Niemand sagen, man müsse alle diejenigen, welche unsere Ueberzeugungnicht theilen, hassen. Es gibt aber Leute, welche eine andere Ueberzeugung nichtneben sich sehen können, ohne die Träger derselben zu hassen. Das Gesetz des Herrn,jeden Menschen ohne Unterschied zu lieben, steht in seiner Kraft. Daraus, daß ichdenke, eS irre Jemand, folgt nicht, daß ich ihn hassen muß. Ich meine im Gegen-theil, die Liebe könne sehr gut neben der Ueberzeugung bestehen, daß Andere irren.Ich halte einen für irrend mit dem Verstände, der Haß aber ist Sache des HerzenS.Irren ist menschlich. Schlecht macht nur das Herz." Und solchen klaren Wortengegenüber, welche gesprochen wurden vor mehr als 12,000 Personen, die alle dieWahrheit derselben bezeugen können, wagt man fort und fort die Lüge: Die Jesuiten predigen Haß und Verachtung gegen Andersgläubige.
Ich sage, die Missionäre haben diese Behauptungen der religionsseindlichenPresse mit Wort und That Lügen gestraft, sie haben sich gerächt, wie eS Christengeziemt, denn sowohl am Schlüsse der Versöhnungsrcde, als in ihren Abschieds-predigten haben sie ihre Zuhörer aufgefordert zu beten für die Verfolger und Ver-leumder der Missionäre.
Der Versöhnungsfeier folgte noch'am Freitag die feierliche Abbitte vor demAllerheiligsten und am Samstag die Erneuerung der Taufgelübde. Am Sonntag den14. am Feste der Kreuzerhöhung fand die herrliche Schlußfeier der Mission mit Er-richtung eines Missionskreuzes statt, das in feierlicher Procession an den Ort getra-gen wurde, wo eS errichtet werden sollte. Es ist etwas schönes um so eine Procession.Da zieht sie hin, die streitende Kirche, voraus das Kreuz, das Zeichen, in dem siesiegen wird, und die Fahnen und die Bilder der Heiligen, der mit Sieg gekröntenStreiter; da zieht sie hin, wie auf dem Wege zum Himmel; die Waffe, mit der siekämpft, ist das Gebet, darum betet sie unablässig zum Herrn der Heerschaaren umSieg im schweren Streite. ES war ein schöner Anblick, wie die Procession sich durchdie schwarze Menschenmasse durchzog, die heute wohl aus zwanzig Tausenden bestand,wie eine Perlenschnur schlangen sich die Kränze der vielen Jungfrauen, welche andem frommen Zuge Theil nahmen, durch den Knäuel. Pater Roder hielt, nachdemdas Kreuz errichtet war, die Abschiedspredigt, bei welcher die Thränen der vielenTausende, welche sie hörten, reichlich flößen. Nach der Predigt bewegte sich die Pro-cession in die Kirche zurück, wo ein feierliches „Großer Gott wir loben dich", in dasalle Anwesenden einstimmten, den Schluß der Mission bildete. DaS MissionSkreuzsteht vor einer Capelle zwischen zwei Bäumen. Um diese Capelle, so wie um dasanstoßende MeßnerhäuSchen herum schlingt sich eine eiserne Kette, die einst ein Fuhr-mann gelobte, welcher nah dieser Capelle in der Nacht mit seinem Wagen im Sumpfestecken blieb und nimmer heraus konnte, bis ihm auf sein brünstiges Gebet unerwartet«