Gilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojheitung.
5. Oktober ^O. 1851.
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Geschichte der Missionen in der Diöcese Eichstädt.
(Ans den kath. Bl. a. Franken.)
DaS BiSthum Eichstädt hat wiederum begonnen eine Geschichte der Missionen zuhaben. Wenn der Himmel unsere Hoffnungen begünstigt, so werden Tage reichen Segensin die Jahrbücher der Diöcese eingetragen werden können. Eichstädt erhielt übrigensnicht jetzt erst eine Geschichte der Missionen, man kann sagen, daß eS von Anfangan eine solche besitzt. DaS Andenken an die Vergangenheit mit dem Anblick derGegenwart zu vereinen — Gott zur Ehre, zum Danke für. Alles, soll der Zweck dernachstehenden Darstellung seyn.
Eichstädts Geschichte beginnt mit einer Misston. S. Willibald vom heiligenBonifaciuS gesendet, pflanzt als einfacher Priester das MissionSkreuz über dem Kirch-lein der heiligen Jungfrau auf und verkündet daS Evangelium den christlichen Bewoh-nern der Umgegend mit jener Liebe, welche die Nonne von Heidcnheim, seine ZuHö-rerin, in so zarten Bildern zu beschreiben*) gewußt hat.
Seitdem der Stuhl des Abtes von „Eistat" zum bischöfliche» Sitze von Eichstädtgeworden, ist wohl kein MissionSorden an der Diöcese vorübergegangen, ohne in ihrseine Fußstapfen zurückzulassen. Den Söhnen deS heiligen Dominicus gab BischofReimboto schon 1279 ein Kloster in seiner Hauptstadt,**) die FranciScaner hattenin Wemding eine ihrer ersten Niederlassungen in Deutschland begründet.**") AlsJohannes CapistranuS , der begeisterte Prediger, seine Missionsreisen durchDeuschland machte, versäumte er nicht, nach Eichstädt zu ziehen, dessen Bischof Jo-hann III. sein Freund war, und einige seiner Dienste der Diöcese zu widmen, wasihm der Bischof dadurch vergalt, daß er beim heiligen Stuhle seine Heiligsprechungbetreiben half, f) Indeß hat kein Orden sich mehr Verdienste um daS BiSthumerworben als die Jesuiten ; ihren Missionen hatte man die Wiedergeburt der Diöcesezu verdanken.
WaS S. Willibald gepflanzt, seine Nachfolger gepflegt, — daS schien die Re-formation vernichten zu wollen, welche im Laufe von hundert Jahren die schönstenTheile der Diöcese dem alten Glauben entriß.
AIS Johann Christoph v. Westerstetten 1613 auf den bischöfl. Stuhlvon Eichstädt erhoben war, zählte er 200 Pfarreien mit 200,000 Seelen, die sein
-) Näheres in der Denkschrift zur Itten Säcularfeier der Diöcese von Titl. Herrn DomvropstDavid P»pv S. 1S4.
") Strauß Besch. Eichst, in HirschingS Archiv Bd. II. S. L49.
V. ?etri Suevia üceles. p. 89t.5) ^m. Kennsnn. tust. 5. Lspist. P. 403. 694.