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Sprengel an den Protestantismus in der Oberpfalz, in Pfalz-Neuburg und Sulzbach so wie in der Markgrafschaft Ansbach und dem Gebiete von Nürnberg verloren, oderdie mit den Grafschaften Grcisbach, Wolfstein, Pappenheim und der ReichsstadtWeißenburg vom Glauben der Väter abgefallen waren. Dazu kamen noch bei 14Klöster, welche das Loos der Säcularisation getroffen hatte. Was von der Diä-rese übrig geblieben, war rings von der Häresie umschlossen und vom Abfalle bedroht,mir Ausnahme des kleinen Theiles, der in Bayern lag; an manchen Orten warenKatholiken und Protestanten nicht zum Vortheile der Erstern gemischt. Betrachteteder Bischof den Zustand der Treugebliebenen, so fand er in seiner eigenen Haupt-stadt den Eifer für Religion und Tugend dem Erlöschen nahe und einen Klerus,dessen Mehrzahl noch hundert Jahre nachher ein Gcneralvicar von Eichstävt nur denblinden und lahmen Wächtern des Jsaias zu vergleichen wußte.
Eine Jugend, die Johann Christoph von einem seiner Räthe nur träg undmüßig, ohne Kenntniß und Sitte, frei und ausgelassen nennen lassen konnte, gabkeine Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Martin von Schau in berg hatte einige 4V Jahre vorher das Willibaldi-num nach dem Beschlusse des Concils von Trient gegründet. Mit Befriedigung liestman, daß die Tüchtigsten des damaligen Klerus auö ihm hervorgegangen. Alleinden ersten Lehrern, Männern von großer Gelehrsamkeit, waren andere mit wenigerWissen aber mehr Selbstsucht gefolgt, und die anfangs prachtvoll aufblühende Pflan-zung war unter den Nachfolgern Martins schnell dem Verfalle nahe gekommen.
Einzig auf Jngolstadt ruhte das Auge Johann Christophs mit Wohlgefallen.Die Jesuiten hatten es durch aufopfernde Anstrengung zu eiuem blühenden Gartengemacht, den Kathedern der Universität Leuchten der Wissenschaft, dem Volke Bei-spiele der Heiligkeit gegeben, welche bis heute noch im Andenken der Einwohner nichterloschen sind, f)
Konnten dieß die Jesuiten in Jngolstadt, so konnten sie es für daS ganzeBiöthum. Geistliche und weltliche Fürsten hatten sich ihrer Hilfe bedient und warenmit ihnen zufrieden, der Bischof hatte bei ihnen zu Dillingen und Jngolstadt seineStudien gemacht, als Propst von Ellwangen ihren Eifer schätzen gelernt — jetztsollten sie in seine Diöcese einziehen, Lehrer für seine Jugend, Missionäre für seinVolk seyn, -i-r)
Unter beständigen Schwierigkeiten von Seite eines durch Vorurtheile befangenenCapitels baute er ihnen Kirche, Collcgium und Gymnasium, die Väter eröffnetenihre Schulen uud Congrcgationen, und bald fehlte nichts mehr, was die Jesuiten aneinem Orte zu besitzen gewohnt sind, an welchem ihre Thätigkeit eine vorzüglicheseyn soll.
Ihre Mission sollte auf der Kanzel uud in den Beichtstühlen der Domkirchebeginnen. Es war nothwendig, daß Johann Christoph vorging, um Erfolge zuerhalten. Falsche Gerüchte über die Jesuiten hielten das Volk von ihnen ferne, manscheute sie, man floh sie. Da trat eines Tages im Angesichts seines Gefolges undvor den Augen der staunenden Menge der Bischof in der Domkirche zu einem derVäter in den Beichtstuhl, um der Erste zu seyn, der in Eichstädt einem Jesuiten seinSündenbekenntniß ablegte. Der Weg war gebahnt; — was er seinen Fürsten undBischof thun sah, thut nach ihm der Dechant des Capitels, nach diesem der Weih-bischof, nach ihnen Männer deS höchsten Ranges, zuletzt Büßer aller Slände, 350an der Zahl. Mit dieser That — eS war ein heiliger Kunstgriff bischöflicher Liebe— war die Mission in Eichstädt eröffnet. Das Wort deS Predigers auf der Kanzel