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machte die Unwissenheit der Einwohner in religiösen Dingen, alte Irrthümer undeingerostetes Verderben verschwinden, die verachteten Gesetze der Kirche begannenwieder in ihre Rechte eingesetzt zu werden.
Die religiöse Wiedergeburt der Stadt nahm bei den Kindern ihren Anfang,welche ihrerseits die Missionäre ihrer Eltern wurden, und es macht Vergnügen, ein-zelne Züge des Eifers der jungen Apostel berichtet zu lesen. Stets haben die Jesuiten es verstanden, mit bewundcrnswerther Kunst die studirende Jugend an sich zu ziehen.Studirende waren es auch hier, die ihre Absichten beförderten. Mit Christenlehr-geschenken in der Tasche zogen sie an Feiertagen auf die umliegenden Dörfer, undhielten den Landleuten, Erwachsenen und Kincern, Christenlehre, wenn sie nach Artindischer Missionäre mit einem Glöckchen sich Zuhörer zusammengeschellt hatten. Sieführten den Vätern geheime Anhänger der neuen Lehre zu (360 Absolutionen in derStadt während fünf Jahre bezeugen, wie weit daS Nebel schon um sich gegriffen),um sie wieder in die Kirche auszunehmen oder ergraute Sünder, die sie zur Bußezu bereden wußten.") So verwundert man sich nicht, wenn man in den erstenfünf Jahren bei den Jesuiten in Eichstädt allein 36,000 Communicanten nachzählenkann und im Jubeljahre 1626 an allen Orten ihrer Missionen 17,966 Beichtenrechnet, die sie den Gläubigen abnahmen."*)
Jesuiten konnte man aber nicht bloß im Beichtstuhle und auf der Kanzel treffen,man begegnete ihnen auf den Straßen, um Almosen für die Armuth zu sammeln oderfür das Haus, das der Bischof den Waisen gekauft; man sah sie in die Gefängnissetreten, um an dem Orte der Schmach Verlorne Seelen zu suchen, sah sie bei einerSeuche an den gefahrvollen Stellen und hörte sie zum Empfange der letzten Oelungermähnen, deren Gebrauch in der Diöcese fast ganz erloschen, und die an einzelgenOrten seit 12 Jahren nicht mehr gespendet worden war; eine Erscheinung, die mannur etwas erklärlicher findet, wenn man die Predigten von vr. Eck gelesen hat, derdie Diöcese wohl kennen mußte. *"")
Es ist oben gesagt worden, was Eichstädt war, als Johann Christoph zurRegierung kam, jetzt konnte Gretser von ihm schreiben: Ilrlzs telix urks plena vec>,nutritis clivom. -j-)
War einmal der Mittelpunct der Diöcese befestigt, so mochte man daran gehen,nach Außen zu wirken. Und hier ist es, als sehe man einen kriegsgeübten FeldherrnSchlag auf Schlag einen wohldurchdachten Eroberungsplan ausführen, so stufenweiseist das Vordringen der Jesuiten , die jeden neubefestigten Punct des katholischen Thei-les der Diöcese zum Rückhalt nehmen, um den Protestantismus von allen Seiten zuumschlingen und ihm Seele um Seele, Land um Land zu entreißen.
In den ersten Jahren (1615 — 17) finden sich die Jesuiten von Eichstädt inden umliegenden Ortschaften Landeröhofen, Psintz, Pollenfeld , Roppertsbuch, Ochsen-seld und Schermfeld als Katecheten, anfänglich das Gleiche erfahrend, was ihnen zuEichstädt begegnet war. AIS die von Twlnstein den ersten Jesuiten sahen, ergriffensie wie vor einem Ungeheuer — man verzeihe einen Ausdruck, den die Jahrbuche?der Societät selbst in die Feder geben — angstvoll und furchtsam die Flucht, bis siekühner geworden, fleißig zum Unterrichte sich einfandcn. sf)
Während man jedoch die Väter noch in der Umgegend von Eichstädt beobachtet,haben sie schon Verstärkung an sich gezogen und eröffnen zu Berchein die erstegroße Mission im Bisthum. Der Erfolg der Predigt war jener des Apostels zuEvhesus; die Einwohner kamen und legten ihre häretischen Bücher zu den Füßen >der Jesuiten nieder, viele aus dem Städtchen und der Umgegend entsagten dem Jrr-
") Krops I. c. tow. IV. p. S4 — S9.") IZx lliswris LollsA. t^stoll. ws.
Predigten 4 Theil. Jngolst. tSZ4 Fol. 109. äcta Vi5itat. äe anno 1602.7) Dreiser Lärm, äeäicst sä 5osnnsm Lkristopkorum.-j-j-) Mstor. Loli. L^stett. sä »im. eit.