Ausgabe 
11 (5.10.1851) 40
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schon ihr AeußereS, daß sie nicht wissen, waS sie thun: denn sie beobachten im HausedeS Herrn nicht einmal die Gesetze des äußern AnstandcS, welche ihnen sonst überallheilig sind und wenn die Erhebung der Hostie verkündet, daß der Sohn Gottes unterder Gestalt des Brodes gegenwärtig ist, so halten sie es für zu viel das Knie zubeugen und nicken höchstens ein wenig mit dem Kopfe. Das Gebet ist ihnen fremdgeworden, kömmt es hoch, so tönen einige Formeln in verstümmelten Lauten aufihren Lippen: was eS aber sey, sich die ewigen Wahrheiten in frommer Sammlungzu vergegenwärtigen und auf daS eigene Thun und Streben anzuwenden, das istihnen ein völlig unbekanntes Ding. Vergessen und verloren sind alle Anlässe, welcheder Tag dem Christen darbietet, um das zeitliche an das ewige Leben anzuknüpfen.Von Morgen- und Abendgebet ist keine Rede mehr, vor und nach dem Tische sichdankbar des Allmächtigen zu erinnern, wäre altväterisch und gemein. Die Glockentönen dreimal des Tages und sprechen zu dem Christen: Gedenke Dessen, welcherfür dich KnechtSgestalt angenommen hat. DeS Morgens hört man sie nicht. Mittagsund AbendS denkt man dabei höchstens: Es ist nun zwölf Uhr, es ist sieben oderacht Uhr. So wird die Seele kalt und leer und was man von dem Christenthumsallenfalls noch in der Erinnerung behalten hat, gleicht einer erloschenen Fackel, welchedie Nacht nicht mehr zu erhellen vermag. Gewohnheit, Scheu vor dem UrtheileAnderer, unzusammenhängende Regungen des Gewissens können solche Leute in demGeleise der Rechtlichkeit und des äußern AnstandcS erhalten; doch wenn außerordent-liche Ereignisse die Schranken der herkömmlichen Ordnung durchbrechen, und derMensch auf sich selbst stehen muß, so ist auch auf ihre äußere Rechtlichkeit wenigzu bauen; die Meisten suchen sich mit dem Frevel so gut als möglich abzufinden nndwürden ihm gerne Religion, Sittlichkeit uud Thron preisgeben, wofern sie selbst nurin Sicherheit leben oder auch gelegentlich ein Stück deS Schiffbruches an sich reißenkönnten.

So ist die Welt rings um uns her und wie sind wir? Wir haben durch Got-tes Gnade das Kleinod des Glaubens bewahrt, wir bekennen Alles, was der HerrunS geoffenbaret hat und die katholische Kirche , geleitet vom heiligen Geist, unS zuglauben vorstellet:Doch waS nützt es, meine Brüder, wenn Jemand sagt, er habeden Glauben, er hat aber die Werke nicht? Wird der Glaube ihn selig machen kön-nen?" Der Glaube, welcher zum Heile führt, ist kein Wähnen und Meinen, auchkein bloßes Nichtläugnen, Geltenlassen; er ist eine lebendige und Leben bringendeUeberzeugung. In ihrem Lichte wird uns der Zusammenhang zwischen Zeit undEwigkeit klar unv eben darum fühlen wir uns auch mächtig getrieben, Alles, waswir in der Zeit verlangen und vollbringen, nach dem Maaßstabe der Ewigkeit zumessen. Durch den Glauben berühren wir den Himmel und der Himmel sendet einenFunken seines Lichtes in unser Herz. Jene Ankündigung der höhcrn Welt, welchejedem Menschen im Gewissen gegeben ist, wird zu einer Macht, die unser Inneresbeherrscht; wir fühlen uns nickt nur aufgefordert, das Böse zu meiden, sondernmächtig tritt auch das Verlangen hervor, daß Gott an unS und durch uns verherr-licht werde. Lebt in uns Etwas von diesem heiligen Verlangen? Dem Landmann istviel daran gelegen, daß Feld und Garten Frucht bringe zur rechten Zeit. Deßwegenist Alles, was der Ernte Gedeihen verspricht oder Schaden droht, für ihn ein Gegen-stand der lebhaftesten Theilnahme; er wünscht daS Wetter so zu haben, wie es fürdie Früchte nützlich, nicht so, wie es znm Spazierengehen gut ist. Traurig blickt erzu dem blauen, freundlichen Himmel empor, wenn vie Wiesen und Felder dnrstenund der erquickende Regen nicht kommen will. Und wenn die Wolken sich dunklerund dunkler zusammenziehen nnd der Donner rollt und die Tropfen niederrieseln, soist sein Herz von Frende erfüllt. Doch wenn das reife Getreide schon der Sichelharrt oder bereits in Garben gebunden auf dem Felde liegt nnd jetzt die Wolken sichthürmen und ihre Wasser niedcrgicßcn, so wird ihm bange. Er zählt die Stunden,die Minuten des Regens und froh begrüßt er die Sonne, welche ihren Strahl durchdie zertheilten Wolken sendet. Wenn es wahr ist, daß Gott unser Herz verlangt, so