Ausgabe 
11 (5.10.1851) 40
Seite
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Ein Trau:».

Einem Kranken, der seiner baldigen Auflösung entgegensieht, kommen allerleiGedanken, bald im Wachen, bald im Traum. Ein solcher Kranker, der aber seinHerz bei weitem noch nicht von den Banden und Sclavenketten dieser Welt losge-rissen hatte, träumte in einer Nacht, der Heiland JesuS Christus klopfe an seinemHerzen an und bitte um Einlaß.

So sanftmüthig aber auch Jesus anklopfte, fand sich der Kranke doch nichtbewogen, Ihm aufzuthun, sondern antwortete kalt:er habe der Gäste in seinemHerzen schon genug, und könne den Heiland nicht brauchen, da er für Ihn keinenPlatz mehr habe."

Da antwortete Jesus betrübt:Wer sind denn diese Gäste?" Und es entgeg.nete ihm der Kranke:ES sind dieß der Hochmuth, die Unkeuschheit, der Neid, derZorn, die' Trägheit und noch andere gute Freunde und Freundinnen, die schon solange in Treue mit mir verbunden sind."

Da sagte ihm JesuS , er solle diese Gesellschaft aus seinem Herzen hinauSweisen,damit Er darin Platz finde; es müßten aber alle hinaus, damit Er allein sein Herzin Besitz nehme.

Vergeblicher Anspruch. Der Kranke meinte, er könne doch seine besten Freundenicht so behandeln. Und der Heiland seufzte und ging betrübt von bannen.

* 5 *

Die zweite Nacht aber hatte der Kranke einen ähnlichen und doch ganz andernTraum. Es träumte ihm, daß er von dieser Erde geschieden sey und vor der Him-melspforte stehe, gar dringend Einlaß begehrend.

Allein JesuS erschien an der Himmelspforte und sprach:daS kann nicht seyn;ich habe schon viele Gäste, und kann dich nicht brauchen, da ich keinen Platz mehrfür dich habe."

Ach!" sagte der Kranke:Wer sind denn deine Gäste?" Worauf er vomHeiland die Antwort empfing:die allerseligste Jungfrau Maria, die vielen Gerech-ten deS alten Bundes und die zahllosen Heiligen, Märtyrer und Bekenner deS neuenBundes, und noch andere gute Freunde und Freundinnen, die schon so lange inTreue mit mir verbunden sind."

Da begehrte der Kranke: JesuS solle doch diese Gäste aus dem Himmel Hin-auSweisen, damit er darin Platz nähme.

Vergeblicher Anspruch. Der Heiland gab ihm zu bedenken:Ich kann dochmeine besten Freunde nicht so behandeln!" Und der Kranke wich betrübt von derHimmelSthür.

Als er aber erwachte aus diesem Traum, erkannte er die furchtbare Wahrheitdesselben, that von Stund an aufrichtige Buße und starb eines höchst auferbaulichen,gottseligen TodeS. (K. S. Bl.)

Der Rosenkranz «nb seine Bedeutung.*)

Ueber den Rosenkranz, dessen Verehrer durch Seine Heiligkeit den jetzt regieren-den Papst PiuS IX. unlängst wieder mit neuen Ablässen begnadiget wurden, sindin verschiedenen Zeiten mehr oder minder umfangreiche Schriften verfaßt worden.DaS Schriftchen, daS wir hiemit zur Anzeige bringen, sucht in möglichster KürzeAlles anzudeuten, was für einen Verehrer deS Rosenkranzes von Bedeutung seyn kann.Namentlich wird das Ave Maria nach allen Seiten hin zu erklären gesucht, undkein Verehrer der Rosenkranzandacht wird in dieser Beziehung die kleine Schrift ohneGewinn lesen.

") Augsburg , Druck de» F. C. Kremer'schen Buchdrucker«'.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Juhaber: F. «. «,»m»?.