Eilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Angslmrger PostSeitung.
IS. October ÄI. 1851.
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Geschichte der Missionen in der Diöeese Eichstädt.
(Fortsetzung.)
Man hatte die Hoffnungen keineswegs verhehlt, die man an die Vermählungdes Herzogs mit Magdalena von Bayern knüpfte, welcher Johann Christoph, derBischof von Eichstädt, den Segen der Kirche gegeben. Diese Freude wurde zumvollen Jubel, als Wolsgang Wilhelm 1615 zur Regierung gelangt, die Ausübungder katholischen Religion in seinem Herzogthum freigab. Jesuiten waren am Hofe,es bedürfte nichts als sie vermehren und ihnen das Land zur Bekehrung anweisen.Bergen, Joshosen, Berckheim und Unterstall waren die ersten Pfarreien, welche siedem Bischof von Eichstädt wieder zustellten. Von Eichstädt selbst aus wurdeMonheim in Angriff genommen. DaS Städtchen hatte einige Zeit hindurch vergessen,einst durch das Grab und die Wunder der heiligen Walburga verherrlicht wordenzu seyn. Sitz von fünf Prävicanten, schien der Platz nicht so bald geräumt werdenzu wollen. Die Zahl der Katholiken, die eS meist nur dem Namen nach waren,belief sich auf 83. Jene Prediger hatten einige Jahre zuvor zu viel Muth gegendie Leichname von Mönchen gezeigt, die man zufällig gefunden, um nicht wenigstensder Absicht nach einen gleichen gegen die Jesuiten zu beweisen. Allein das Volk hatteseine katholischen Traditionen nicht völlig verloren, es erwachte das Andenken an diegroße Schutzheilige der Stadt, man konnte d?m Worte dieser Jesuiten nicht wider-stehen, welche ohne nach dem Bekenntnisse zu fragen Allen Liebe erzeigten, Feind-schaften versöhnten, Streitigkeiten beilegten. Man eilte in Haufen in die Arme deralten Kirche zurück. Nach einem Jahre zählte Eichstädt wieder 17 Pfarreien mehr,Ammerfeld, Bayerfeld, Buchdorf , Dagmersheim u. s. w. Die protestantischen Pre-diger schienen sich durch die Tochter ihres Seniors vertreten zu lassen. Die Jesuiten haben gestanden, an ihr eine Gegnerin gefunden zu haben. Eines Tages schwur sie,deS Kampfes müde, den Irrthum ab. Die Prediger konnten mit 20 Anhängern dieStadt verlassen, nachdem bei 7l)l)0 ihrer ehemaligen Untergebenen katholisch gewor-den. Die Jesuiten hoben ihre Missionsstation hier auf, als die Pfarreien allewieder vom WeltkleruS besetzt werden konnten.
Am andern Ende des HerzogthumS waren mittlerweile andere Jesuiten in dieDiöeese eingedrungen und hatten zu Velburg Missionen eröffnet. Die Stadt war dieletzte, die den Protestantismus angenommen hatte. Deßhalb besaß ihre Kirche nochdas katholische Gepräge, die Altäre ihren Schmuck, die Sacristei ihren reichen katho-
") Kretser Lpigt. cleZiost ack 5oanr>. Llirist.") Cramer, heil, und gotts. Eichst. S. 3LS. '-") Kröpf I. c. tom. IV. p. 127. Cramer a. a. O.