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lischen Inhalt. Das Alles machte die Bekehrung leicht. Das Volk wollte wiederLichter auf dem Altare haben und seine Priester im Meßgewands sehen. Einzig dieHerren vom Rathe machten Miene zum Widerstand. Als aber ein Jesuit das KinddeS Bürgermeisters — der Chronist hat diesem mit dem Titel eines Consnls von Vel-burg gehuldigt — durch das Vertrauen auf Maria rettete, wozu er die Mutterermuthigte, machte die Freude darüber die Familie katholisch, und als sich derartigegünstige Einflüsse vermehrten, sahen Velburg und die benachbarten Pfarreien, Batz.Hausen, Daßwang, HermannSdorf und .7 andere ohne Bedauern das Lutherthum ihreGränzen verlassen. ")
Erschrecken wir nicht vor dem Kriegslärmen, der die nahegelegene Oberpfalzbewegt, eS ist nur ein Zeichen, daß neue Bekehrungen zu machen sind.
Die Schlacht bei Prag war vorüber, Churfürst Friedrich, der Herr des Lan-des, entflohen; nur Mansfeld rückte nach Neumarkt vor und bedrohte Bamberg ,Würzburg und Eichstädt, die Mitglieder der Liga. Tilly kommt heran, säubert dieOberpfalz und besetzt sie für Bayern. Seine Soldaten haben Jesuiten als Feldpre-diger, die nicht abgeneigt sind, das Gebiet zu bekehren. Sie finden die religiösenZustände in einer traurigen Verwirrung, alle protestantischen Confessionen bunt durch-einandergemengt und die Begriffe in einer Verwicklung, daß beim Anzüge Tilly'Sgegen Mansfeld daS gutmüthige Volk an das Gericht des Himmels appellirte, undum Sieg für jenen betete, der die wahre Religion bekenne. Mansfeld entwich, Neu-markt ergab sich freiwillig an Maximilian. Mit der bayerischen Besatzung kamendie Jesuiten dahin, willens über den Trümmern deS Protestantismus ihren Brüdern,die in Berching die Gränzen deS Fürstenthums Eichstädt bewachten, die Hände zureichen. Gelang ihnen dieß , so war eS ein um so größerer Triumph, als eben Neu-markt die Geburtsstadt eines ManneS war, der damals Deuschland mit Schmäh-schriften Wider sie überschwemmte. 5) Man räumte ihnen die Hofkirche und dasKirchlein vom heiligen Kreuz ein, von denen nur die letzte zum Gottesdienste geeignetwar, da calvinischer Vandalismus in der ersten Alles bis auf die Kanzel vernichtethatte. Die Väter eröffneten ihre Wirksamkeit mit einer Wohlthat, die einer Rettungder Stadt gleich kam. Ein unbedachtsamer Auflauf hatte ein übernachtendes Regi-ment zu Mord und Brand schon durch die Strassen vertheilt, Alles zitterte — daerscheint ein Jesuite und wendet das gezückte Schwert von den unglücklichen Bewoh-nern ab. Und als dennoch einige im Gefängnisse der Strafe gewärtig seyn sollten,als ihre Mitbürger vergebens um Gnade für sie flehen, — da öffnet ein Jesuitemit seinen Bitten die Thore und befreit die Gefangenen.
DaS war genug, den Vätern Liebe zu gewinnen; zu wenig, die Stadt katho-lisch zu machen, da innerhalb drei Jahren nur 33 Bekehrungen erfolgten. Mandarf die Schuld nicht dem bösen Willen des Volkes beimessen; die Oberpfalz gehörtenoch nicht dem Churfürsten Maximilian, es war möglich, der calvinischen Negierungwieder anheimzufallen, und dann stand nichts bevor, als wiederum das Ritual zuwechseln. AIS das erstere eingetreten, als ein Edict Maximilians von'1628 allenBewohnern die Annahme der katholischen Religion befahl, waren augenblicklich diecalvinischen Prediger abgedankt und alle Kirchen dem katholischen Cultus geöffnet.Es war ein denkwürdiger Tag, als die ganze Bürgerschaft der Stadt mit dreizehnumliegenden Pfarreien in der Pfarrkirche sich versammelte, im Angesichte des Aller-heiligsten feierlich den Irrthum abschwur, und die Lossprechung empfing. Die Jesuiten hatten jetzt ihr Tagwerk vollendet, sie hoben ihre Mission auf, während die Bittender Bürger sie noch zurückhalten wollten, und ihre Stelle nahmen Capuciner ein,die Bischof Johann Christoph 1620 in die Diöcese eingeführt hatte. 1"!-)
") Kröpf I. c. p. 132. Cramer a. a. O.
") Adlzreitcr Annal, Loic. p. III. üb. k. n. 13.
—) Casp. Schopp <8ciopi.)
5) Vcrgl. Nlceron'ö Nachricht, v. Gel. Bd. 19 S. 282 ff.7t) Kröpf I. c. p. 272 276. 427. sq.