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Während Neumarkt durch Jesuiten von München bekehrt wurde, brachten dievon Amberg innerhalb eines Jahres Kastel, Pfaffenhosen, Lauterhofen , Gnadenbergund die Umgebung zum Bisthum Eichstädt zurück. *)
Das Datum dieser Bekehrung 1623 erinnert, daß von Pfalz Neuburg nochdie Rückkehr jener Gebiete erübrigte, in denen die appanagirten Brüder WolsgangWilhelms rcsidirten. Zwölf Jahre waren vergangen und Niemand hatte Gebrauchvon dem Edicte von 1615 gemacht, durch welches die katholische Religion freigegebenwar. Jetzt wurde die Annahme der letztem befohlen. Der eine dieser Gebietstheile,die Aemter Heideck, Hippoltstein und Allersberg gehörten ganz zur Döcese Eichstädt,von dem andern, dem Fürstenthum Sulzbach, zählten dahin Neukirchen, Edelsfelden,Eschenfeld, Eylwang und Jllschwang.
Jesuiten aus dem Kollegium von Amberg unternahmen die Wiederherstellungder katholischen Religion in den letztgenannten Orten, andere eröffneten Mitte Novem-bers 1627 zu Hippoltstein und Heideck eine Mission. Sie fingen bei den Landpfar-reien an und fanden wenig Schwierigkeiten. Nacheinander waren die PfarreienLaibstatt, Liebenstatt, Walting, Schloßberg, Albertshausen, Bergen, Zell , Heuberg,Meckenhausen, Jarsdorf, Lehen, Ebenried und Allersberg mit ihren Filialen gewon-nen. **) Am zehnten Tage ging es in die Kirche der Vorstadt von Hippoltstein ,gleich darauf in die Pfarrkirche. Bei dem Widerstand der Bürger mußte die Thüremit Gewalt gesprengt werden. Zur NachtSzeit warf man den Jesuiten mehrmal dieFenster ein und Soldaten mußten zuletzt das Missionshaus bewachen. Heideck warden Vätern nicht geneigter als die Nachbarstadt. Offene Lästerung empfing sie hier,Alles hatte Drohungen für sie, mitten unter der Predigt schrie man auf, um zuinterpelliren; die Jesuiten duldeten und schwiegen. Der Hof von Hippoltstein unddie Nähe Nürnbergs waren die Ursache des Widerstandes. Nach einem halben Jahreentschied den Kampf der drei Jesuiten und der drei Prediger zu Hippoltstein — mandenkt unwillkürlich an die Horatier und Curatier — eine öffentliche Disputation, inwelcher der Superintendent einem Jesuiten erlag. Mit dem Prediger, der seit 35Jahren seine Aussprüche auf der Kanzel als Orakel verehren ließ, sank das Vertrauender Bürger, nach drei Jahren waren sie katholisch. Man bedauerte den PfalzgrafenFriedrich, der stets den Jesuiten geneigt war, daß seine fanatische Gemahlin SophieAgnes ihn von ihren Predigten zurückhielt. Hcideck zählte damals 535 Katholiken,nach einigen Jahren erklärten die Bürger, lieber den Tod als den Abfall von derKirche zu wollen. Die Bekehrung war um so aufrichtiger und dauerhafter, je weni-ger Fürstenbefeble ihre Quelle gewesen. Heideck und Hippoltstein blieben stän-dige Missionen der Jesuiten und die Bücher der umliegenden Pfarreien beweisen, daßsie für Stadt und Land die Hirten waren, bis der Krieg sie verdrängte.
Die Eroberungen, welche die Jesuiten dem Protestantismus abnahmen, konntenals eben so viele Siege des Bischofs Johann Christoph betrachtet werden; da er eswar. der ihnen den Weg in die Diöcese gebahnt, legten sie dankbar zu seinen Füßendie Früchte ihrer Missionen nieder.
In einem gewissen Sinne ging der Bischof selbst auf Mission, in wie ferne erseine Gewalt als Fürst dazu benutzte, mehrere ehemals katholische Theile seinem Bis-thum wieder einzuverleiben. Mit dem Restitutionsedicte Kaiser Ferdinands in derHand erwirkte er die Zurückgabe der Kirche von Buchenheim und Göllersreuth, derPfarreien Cronheim und Oberschranningen, 5) nöthigte Weißenburg, die Reichspflegeüber Petersbuch, Kahlvorf, Bihurg, Mengen, Heiligenkreuz und Rohrbach, tt) diees zum Verderben der katholischen Religion benützt hatte, an ihn herauszugeben, und
") Adlzrcltcr ps. III. lib. 13. n. S7.
Nach einem Vcrzeichniß bei Meiern Acta psc. ^VeslM. tom. III. P. 164.Kröpf I, c. r>. 42S, sq.j-) Meiern ^cta Lxoc. p, >>V. tom. II. p. 170.tt) Falkenstein Loä. 6ipl. LM, p. 371.