Ausgabe 
11 (19.10.1851) 42
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Der Missionär blieb an jedem Orte so lange, bis Alle im Beichtstuhle befriedigtwaren (er allein hörte 1174 Generalbeichten), meist acht Tage hindurch. Ein neueskatholisches Leben erwachte in der ganzen Gegend; viele, die durch den Einfluß derprotestantischen Umgebung im Glauben lau geworden, fühlten sich neu gestärkt undzeigten freudigen Muthes überall ihr katholisches Bekenntniß, die Dienstboten verlie-ßen ihre dem Glauben nachtheiligen Dienste bei lutherischen Herrschaften, Tänze undnächtliche Zusammenkünfte wurden aufgehoben, öffentlich große Feindschaften, selbstunter ganzen Gemeinden, ausgesöhnt. Ein Fall wird als besonders merkwürdig her-vorgehoben. Jemand hatte für das schnöde Geld eines lutherischen Predigers denGlauben abgeschworen und sich sogar bereit finden lassen, dem Prädicanten eine hei-lige Hostie von der Communion zu bringen. Der, um das Dogma der Katholikenzu prüfen, durchsticht die Hostie beim Anblick des alsbald erscheinenden BlutcSgeräth die unglückliche Person in Verzweiflung, die sie durch Laster aller Art zuersticken sucht. Die göttliche Erbarmung, von welcher sie den Missionär sprechenhörte, brachte sie als reuige Büßerin zu dessen Füßen zurück.

Nicht minder herrlich waren die Missionen von 1733 in Aurach, Rauenzell,Stcinbach, Neustetten , Lellenfeld, AlmannSdorf, Mündling, Flohheim, Kronheim,Weinberg, Veilsaurach, Theilnberg, Elbcrsroth und Großenried, welche wieder inRaitcnbuch schlössen. *)

In derselben Weise wie in den letztgenannten beiden Jahren wurden 1742und 1752 und je das folgende Jahr in den bezeichneten Theilen des BislhumsMissionen abgehalten. Von da bis zur Aufhebung des Jesuitenordens vereinzeltsich die Geschichte der Missionen, und ihre einzige Quelle sind die noch an mehrerenOrten stehenden Missionskreuze mit ihren Ablaßtafcln im Zusammenhalte mit der nochim Munde des Volkes lebenden Ueberlieferung. So nennt MegeSheim 1763, Eschcn-bach 1765, Wemding 1767, Kastl 1769; Dietfurr und andere haben selbst nurmehr das Andenken an die zerstörten Missionökreuze erhalten. ^)

Auö dem, was bisher erzählt wurde, ist man bereits im Stande, die Form zuerkennen, in welcher die Missionen veranstaltet wurden. Blickt man auf jene zurück,welche die Wiederkehr eines Gebietes zur Kirche beabsichtigten, so liegt die Art undWeise derselben schon in der Natur der Sache ausgesprochen. Man hat den Empfanggelesen, welcher den Missionen an einzelnen Orten zu Theil wurde, ihre ununterbro-chene Thätigkeit im christlichen Unterrichte, in Predigten und Christenlehren; einebestimmte Form hatte nur jener Act, durch welchen die Missionäre die wiederbckehrtePfarrei dem vom Bischöfe neu aufgestellten Seelsorger übergaben, sobald sie daselbstihre Mission aufhoben. War die Mission bestimmt, das religiöse Leben einer Gemeindezu erneuern, so boten sich entweder die Missionäre selbst dem Seelsorger an, wennsie sür dieß Bisthnm die allgemeine Erlaubniß des Ordinariates erhalten, oder siewurden besonders hiezu berufen. Im ersten Falle trugen die Missionäre die Kostenihrer Verpflegung, im andern entweder die Kirche allein, oder die Herrschaft, dieKirche, die Gemeinde und ihr Seelsorger zusammen. Nahte die Zeit der Mission,so wurde sie, im Falle sie für einen größern Bezirk galt, von allen Kanzeln des-selben mit der Bulle Jnnoccnz XIII. verkündet, und die Gläubigen zur Theilnahme

den gehaltenen Missionen vorhanden sind oder solche noch verborgen liegen, so wolle man diese Auf-zählung der einzelnen Orte mit dem Wunsche entschuldigen, hicdurch Veranlassung zu weiteren Nach-forschungen oder wenigstens einen kleinen Zug sür die Pfarrgcschichtc zu geben.

l1i5tor. Loll. S, >I. IZM, »nn. 1730-33.

In Ermanglung anderer Urkunden können für diese Angabe nur einige Aetenstüeke derPfarrei Escheubach, welche eine weitere Ausdehnung der Missionen im Kapitel Oinbau im I. 1743und 52 bestätigen, sodann die Inschrift des Missionskrcuzcs in Ammcrbach bei Meinung von 1742und die Angabe eines im Misstonslrcuzc ;u Hrrricden vcrschlrsscn gewesenen Pcrgameutblattes vom. Juni 1753 als Belege genannt werden.

) Nach eingesandten Mittheilungen.