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ermuntert; galt sie, wie früher meist der Fall war, für jede einzelne Pfarrei, sohatte die Verkündigung in jeder Pfarrkirche besonders zu geschehen.
Daö Uebrige besagt die Erzählung, welche die Hand eines eifrigen Pfarrersbei einer dieser Gelegenheiten niedergeschrieben hat. Als das Herannahen der Missio-näre gemeldet wurde, führte der Seelsorger sein Volk in Procession, das Missions-kreuz an der Spitze, unter dem Geläute der Glocken denselben entgegen. Woher,ihr Männer, sprach er zu ihnen, und wohin? Ihr seyd Fremdlinge und unbekannt,eure ungewohnte Kleidung, das Kreuz auf eurer Brust, den Rosenkranz in euermGürtel, der Stab in euern Händen, waS sollen sie uns deuten? Wie BethlehemsAclteste den Propheten Samuel, fragen auch wir euch: Ist friedfertig euer Eintritt?(1. Kön. 16, 4.) Ja, ihr antwortet mit den Propheten: Friedfertig ist unsere An-kunft; wir kommen, k>em Herrn Opfer zu bringen, darum heiligt euch und folgetuns zum Opfer! Ihr kommt, uns Friede zu bringen mit Gott, mit unS, mit unsernNächsten. Wohl, dann stehen die Thore dieser Stadt, die Thüren unserer Häuser,die Thüren unseres Herzens euch offen. Ergreift dieses Kreuz, die FriedenSsahneJesu Christi , traget sie uns vor, um uns zum Tempel deS Friedens zu führen.
Den Rosenkranz betend zog man jetzt der Pfarrkirche zu, wo das Allerheiligsteausgesetzt und nach der Anrufung des heiligen Geistes der Segen ertheilt wurde.Der Missionär hielt die Eingangspredigt, womit der erste Tag sich schloß. AmMorgen des andern TageS war die erste Ermahnungsrcde, darauf die Missionsmcsse,welcher die Bußpredigt folgte. Der Nachmittag ward zur Christenlehre und zweitenPredigt verwendet. Erst am dritten Tage begann die Beicht, am vierten die ersteund am achten Tage die zweite allgemeine Commnnion. Während der Woche wurdeeine Processio» zu einer nahegelegenen Kirche oder Capelle mit feierlichem GotteS-dienste veranstaltet. Den Schluß bildete d e Abschiedsrede des Missionärs vom Volke,in dessen Namen der Pfarrer mit einer Anrede der Dankbarkeit erwiderte, worauf derambrosianische Lobgesang und der sakramentale Segen die Mission beendete. Es warein Abschied, sagt der Berichterstatter, wie der Abschied des Apostels von EphesuS (Apostelgesch. 20, 37), als sich ein großes Weinen und Schluchzen erhob, als dieAnwesenden dem Paulus um den Hals fielen und ihn küßten und am meisten ihnendaS Wort schwer war, sie würden sein Angesicht nimmer sehen. ES schien, alskonnte man von den Missionären sich nicht mehr trennen; aber sie schieden, weil siegesandt waren, auch andern Städten das Reich GotteS zu verkünden.*)
DaS Volk ist bis heute den Jesuiten dankbar für die geistlichen Wohlthatengeblieben, die eö von ihnen erhalten hat, und erinnert sich der Erzählungen seinerVorältern von „den Bußpredigern" und ihrem heiligen Eifer; oder wenn man inPfarreien deS BiSthums, die oft wie ein Eiland inmitten einer protestantischen Um-gebung sich befinden, betagte Männer fragt, so kann man erfahren, daß ihnen ihreGroßältcrn von Missionären geredet und ihnen gesagt haben, wie von diesen derlutherische Glaube vertrieben wurde.
Man kann eS dann begreifen, welche Aufregung im Volke damals entstand,als die Nachricht verlautete, der Orden der Jesuiten sey aufgehoben. Nach langenund widrigen Verhandlungen mit Rom entschloß sich endlich Fürstbischof RaimundAnton, die betreffenden Bullen am 14. Mai 1774 den Jesuiten zu publiciren, ineiner Proclamation an das Volk aber, von dem man einen Aufstand befürchtete, denFortbestand des Kollegiums als Wel!priesterhaus zu sichern. Unter den Namender Jesuiten , welche sich erklärten, im Kollegium verbleiben zu wollen, findet sichP. Wilhelm Hausen als bischöflicher Missionär unterzeichnet. Ein Brief von ihmgibt die Bürgschaft, daß er noch 1773 eine Mission in Eschenbach hielt, deren gün-stige Erfolge das Pfanbuch daselbst bestätigt. In der Schutzengelkirche von Eichstärt
») Aus den Acten der Stadtpfarrei Eschcnbach,
*') Aus einer von hoher Hand gütigst niitgcthelltcn Abschrift der betreffenden geistlichen Raths-protocollc.