Ausgabe 
11 (19.10.1851) 42
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AlphonS Rodriguez, Coadjutor derselbe» Gesellschaft, und bereitete sich im Um-gange mit ihm vor zn seinem schweren Dienste und zu den Arbeite», für weiche ihnGott bestimmt hatte. Im Jahre 1610 führte ihn der Wille Gottes und der Befehlseiner Obern in das Königreich Neu-Granada, in Austral-Amerika, woselbster die Priesterweihe empfing und cie theologischen Studien beendete. Schon damalsbestand zu Carthagena, auf den Antillen, ein Handelsplatz, auf welchem Kaufleute,die öffentlich den schändlichen Ncgerhanvel trieben, jährlich an eilf- bis zwölstausendarme Sclaven, welche sie meist an den Küsten Afrikas geraubt hatten, wie elendVieh zum Verkauf zusammentrieben. Der ehrwürdige Peter, von Mitleib gegendie Unglücklichen gerührt, weihte ihnen sein Leben und, durch ein Gelübde an siegefesselt, war er während 4t) Jahren, durch unüberwindlichen Muth ausrecht gehal-ten, in Mitte unerhörter Schwierigkeiten und Entbehrungen, unablässig beschäftigt,«sie zu unterrichten und zu taufen. Solcherweise, allein mit seiner Liebe, gewann erfür Christus und für die Kirche eine so große Menge Schwarzer, daß man ihreZahl auf mehrere hunderttausend anschlägt.

Er beschränkte aber seine Sorgfalt nicht daraus, daß er Seelen der wahrenReligion zuführte; er beschäftigte sich auch mit den leiblichen Bedürfnissen. Wie hätteauch seine Frömmigkeit es sich versagen können, mit seiner Fürsorge diese unglück-lichen Geschöpfe zu umfangen, welche dem gräßlichsten Elend preisgegeben waren?Bei der Nachricht von jeder Landung eilte er herbei, schloß in seine Arme diese vorKurzem noch freien, jetzt durch Gewaltthat zur grausamsten Knechtschaft verurtheillenMenschen; er gewährte ihnen, wie er es nur immer vermochte, die nothwendigstenBedürfnisse. Den Nackten gab er Kleidung, den Hungernden Nahrung, den KrankenArznei, und befanden sich unter diesen letztern Pestkranke, so waren diese der beson-dere Gegenstand seiner zärtlichen Sorgfalt, ohne daß er dabei an sich gedacht hätte.Je mehr er bei solchen Geschwüren und Unsauberkciten mit Ekel gequält wurde, umso mehr vervielfältigte er, siegreich über sich selbst, diese Liebesdienste. Und als obdiese Arbeiten, welche er unermüdlich den Negern zuwendete, noch zu gering wären,widmete er sich außerdem den Einwohnern von Carthagena und Durchreisenden; ersuchte die Lasterhaften zur Ehrbarkeit und Mäßigkeit zurückzuführen, die Irrgläubigenzum wahren Glauben zu bringen, 'und die vom mahomedanischen Aberglauben Um-strickten der christlichen Freiheit theilhaft zu machen. Wenn er diesen mühevollenArbeiten bis spät in die Nacht obgelegen, so gönnte er nur den kleinsten Theil der-selben der Ruhe, und verharrte lange im Gebet zu Gott, in Verehrung und Anru-fung der heiligen Jungfrau und Gottesmutter und der Heiligen. So sehr durch-glühte ihn die göttliche Liebe, daß es schien, als ob er bei all' seinem Thun in Gott verzückt sey. Während er gegen die andern Menschen, besonders gegen rohe, sanftunv milo, war er gegen sich selbst hart und rauh und fügte zu den so vielen An-strengungen und Nachtwachen fortwährend Abtövtungen, wie er denn überhaupt vonJugend aus gewöhnt war, den Körper durch die strengste Lebensweise in Botmäßig-keit zu halten. Nach so vielem Tugendverdienst, und besonders reich an großenWerken der Liebe, starb der ehrwürdige Diener GottcS zu Carthagena heilig, wieer heilig gelebt, den 10. September 1654. Der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sichweit unv vie Sache ward vor Unsere ehrwürdigen Brüder, die Cardiuäle der heiligenrömischen Kirche von der ^angröMtio vituum, gebracht und, nachdem die Untersuchungwegen seiner Tugenden mit Sorgfalt geführt worden, erklärte Benedict XVI.,unser Vorfahrer, glorreichen Andenkens, nachdem er inbrünstig zu Gott gebetet, durchein Decret vom 24. September 1747, daß diese Tugenden heroische seyen. Nachdemsodann vor Uns, die Wir, ungeachtet Unserer Unwürvigkeit, zur Regierung der Kircheberufen worden, zwei Wunder, weiche der Fürbitte des ehrwürdigen Peter zuge-eignet wurden, bewiesen worden, haben Wir deren Wahrheit durch ein Decret vom27. August 1343 bestätiget. Endlich haben verflossenen Mai die um Uns versam-melten Cardinäle , nach Anhörung der Consultoren, einmüthig sich dahin ausgespro-chen, daß Wir, sofern Uns gut dünke, den genannten Diener Gottes in die Zahl