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besonders meinen lieben Professoren, den P. P, Solimani, della Rovere, Boco-biancha, Provenziali, Pecci und Socci, und unserm ausgezeichneten, ehe-mals Alumnen, jetzigen P. Schrader verdanken; denn nichts haben sie unterlassen,um mich zu belehren. Der Zutritt zu ihnen stand und steht mir jederzeit offen, undwaS ich in wissenschaftlicher Beziehung nur wünschen mag, das gewähren sie mir."
(W. K.-Z.) _^
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Franzöfische Nonnen in Gaboon,
ander afrikanischen Küste in Oberguinea.
Den Missionären, erzählt ein Reisender in einem an das „Univerö" gerichtetenSchreiben, die das so schwere Werk der Verbreitung deS Christenthums im König-reich Gaboon treiben und fördern, sind französische Nonnen aus dem Kloster laUisöricvräö clv csstres zur Hilfe und zum Beistände gekommen. Bei ihrer Ankunftdaselbst wurden sie jedoch von der Bevölkerung mit einem Grade von Achtung undZuvorkommenheit empfangen, den sie nicht im entferntesten zu ahnen vermocht hatten.
Eine kurze Schiloerung der daselbst herrschenden Sitten wirb einen klarernBegriff von-der Lebensstellung der frommen Nonnen gewähren.
Die Häuptlinge haben außer ihrer gesetzmüßigen Frau noch eine große AnzahlConcubinen. Die legilime Gattin stammt gewöhnlich von einer Familie auS der vor-nehmen Welt, wie sie sich ausdrücken, her; der Vater anerkennt nur die von dieserin die Welt gesetzten Kinder; sie ist eS, welche den Oberbefehl über die andern Frauenführt, die zur Bearbeitung der Felder verwendet werden. Da diese kleinen Sultanenicht reich genug sind, um einen Harem zu halten und ihn von Eunuchen bewachenzu lassen, so pflegen sie hinsichtlich der häufigen Verklungen ihrer Weiber ein Augezuzudrücken. Keuschheit und Monogamie sind für sie gänzlich unfaßbare Begriffe.Die Schwierigkeit, ihnen Geschmack an einer geregelten Lebensweise einzuflößen, stelltsich als das größte Hinderniß ihrer Bekehrung zum Christenthum entgegen, das sienichts desto weniger lieben und verehren. Als ein merkwürdiger Umstand muß ihreAnsicht hervorgehoben werden, daß nämlich nur die Weißen zu beten verstünden, daßdiesen allein die Mittel bekannt wären, daS höchste Wesen günstig für sich zu stim-men und ihre Bitten bis zu ihm gelangen zu lassen; daß sie aber, als Stiefkinderder Schöpfung, Opfer und Spielzeuge bösartiger Gottheiten wären, die durch Gebetund Thränen nicht erweicht werden könnten; daß diese Gottheiten aber auch vonihren Anhängern nicht jene Strenge und Reinheit der Sitten heischten, welche derGott der Christen von seinen Anbetern fordere. Wenn Unglücksfälle über sie herein-brechen und Krankheiten ihre Familien heimsuchen, so schleppen sie, obwohl sie vonNatur auS sonst eben nicht grausam sind, einen Sklaven an einen abgelegenen Ort,töbten ihn unier mysteriösen Ceremonien und furchtbaren Martern, lassen den Leich-nam unbegraben liegen und glauben so die feindlichen Gottheiten versöhnen zu können.Sie vermögen eS nicht zn fassen, daß ein schwaches, ihrer Ansicht nach jeder mora-lischen Energie ermangelndes Geschlecht Pflichten üben könne, die ihnen erdrückenderscheinen, daß eS sich zu einer Tugcndhöhe zu erheben vermöge, die sie für unzu-gänglich halten. Wenn man ihnen daher früher von Nonnen erzählte, welche, angeregtdurch die inbrünstige Liebe zu ihrem Gott, einzig und allein unter die ausschließ-liche Obhut ihrer Tugend gestellt, ein keusches Leben führten, ohne von Jemandemüberwacht zu werden, so betrachteten sie eine solche Mittheilung als Fabel; als eSihnen aber in ihrem eigenen Lande, wo die luftig gebauten Behausungen jedem Blickevon Außen fast ungehinderten Zugang gestatten, ein Leichtes wurde, sich von derWahrheil der seit lange gemachten Mittheilung zu überzeugen, da konnten sie sichdeS Gefühles der Bewunderung nicht erwehren.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
VcrlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.