Ausgabe 
11 (26.10.1851) 43
Seite
337
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Eilster Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

26. October M ^lS. 1851.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounementsvreta4V kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluogcn bezogen werde» kaun.

Gin Wort über das Verhältniß der Erziehung in der Schule

zu der häuslichen.

* Man war, wie ein alter und wohlerfahrener Pädagog sagt, von jeher ganzreckt daran, wenn man den Schüler mit einem jungen Stamme verglich; beide nämlichtreffen sich in mehrfacher Beziehung: der junge Stamm läßt wegen der Zartheitseiner Bestandtheile eine leichte vielfache Gestaltung und Richtung zu, waS an einemerstarkten und groß gezogenen vergebens, oder wenigst nur mit großer Mühe ver-sucht wird. So der Schüler. Seine Seele nimmt auS dem Grunde ihrer Weichheitlieber die Eindrücke des bildenden Erziehers auf als die deö Erwachsenen, di-' schongewissermaßen in eine bleibende Form gebracht ist. Der junge Stamm bedarf sorg-fältiger Pflege, wenn er in seinem Wachsthum? gedeihen und gegen schädliche Ein-wirkungen gesichert seyn soll: auch der Zögling muß unter wachsame Hut gestelltwerden, wenn sein Geist gesuud und gut heranreifen, sein Herz durch keine feindlicheNähe gesäbrdet werden soll. Der junge Stamm, den man der Früchte wegen pflanzt,wird die Erwartung des Pflanzers erst dann erfüllen, wenn er durch ein Pfropfreisedlerer Art verbessert, und der Schüler der Hoffnung seines Vaters und seiner Mutter,des Vaterlandes und der Kirche erst dann entsprechen, wenn seine Natur, die, sichselbst überlassen, verwildern würde, durch wahre christliche Bildung und Unterrichtveredelt ist.

Wie eS aber thöricht wäre, den Stamm veredeln wollen, ohne die Bedingungenzu achten, unter welchen Veredlung mvg!ich ist, eben so wäre eS thöricht, Veredlung,gute Gesittung dem Schüler zumulhen, ohne sich in die Forderungen zu sügen, diezu dem Ende unerläßlich sind; denn thörich. 'f eS, den Zweck wollen, ohne dieMittel zum Zwecke zu gebrauchen.

Wenn die Anwendung deS eben Gesagten auf den Elementarschüler gemachtwird, ergibt sich von selbst, daß Erziehung und'Unter richt die beabfichteteVeredlung, die gute Gesittung und Bildung, gewissenhafte Ueberwachung aber diePflege ist, welche diese Veredlung, gute Gesittung und Bildung vollenden soll.

Wenn der junge Stamm, wie bereits gesagt, wegen der Zartheit seiner Bestand-theile eine leichte und vielfache Richtung zuläßt, was an einem erstarkten und groß-gezogenen vergebens oder nur mit großer Mühe versucht wird: so nimmt die Seeledes Kindes ans dem Grunde ihrer Weichheit lieber die Eindrücke deS bildenden Er-ziehers auf, als die des Erwachsenen, die schon gewissermaßen in eine bleibendeForm gebracht ist.

Demnach liegt eS also in dem Berufe der häuslichen Erziehung deS gotteS-fürchtigen Vaters und der frommen Mutter, die erste Hand der Erziehung an dennoch jungen und weichen Stamm, an ihr zartes Kind anzulegen, demselben, so zu