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und seines SohneS Jesu Christi beizubringen, in ihnen Abscheu gegen alles Böse,gegen die Sünde zu erwecken; sie mit der Würde als Kinder Gottes bekannt zumachen, sie hinzuweisen auf die hehre Erbschaft, die ihnen als Kindern GotteS jenseitsharre. Wenn die häusliche Erziehung während der Zeitläufte der Schule daS Kindnicht außer Acht läßt, seine geistigen und körperlichen Kräfte in Angriff nimmt, sie,wenn auch nur im geringern Maaße, zur Gewinnung deS täglichen Brodes verwen-det, sie von frühester Jugend an Fleiß und Sparsamkeit gewöhnt, sie allen unnützenAufwand verschmähen, alles verschwenderische Wesen verachten lehrt, allen Egoismus,alle Arroganz, alle Brutalität in dem Candidaten für daS kirchliche und bürgerlicheLeben verbannt: so kommt dieser häuslichen Erziehung die Kirche und Schule freund-lich entgegen, dieselbe kräftigst unterstützend, indem beide die ihnen anvertrauten Kin-der in den nothwendigen und gemeinnützigen Gegenständen deS LebenS, als im Lesen,Schreiben, Rechnen, in der Geographie, Naturkunde, Oeconomie und Geschichteunterrichten; weisen ihnen in schönen Beispielen auS dem Leben oder auS der Ge-schichte nach, zu welchem Glücke und Segen Arbeitsliebe, Fleiß und Sparsamkeit,praktische Kenntnisse und kluge Verwendung der Zeit führen; wie unglücklich aberMangel an Lebenskenntniffen, Arbeitsscheue, Genußsucht, eitler Aufwand, Verschwen-dung und Unmäßigkeit machen. Endlich suchen beide in ihren Zöglingen alles roheWesen zu verbannen, hingegen feine Sitte und Urbanität zu förvern; gegenseitigesWohlwollen, Verträglichkeit und Friedfertigkeit zu wecken und zu erhalten, nach demchristlichen Principe: „AlleS, waS du nicht willst, daß man dir thue, thue aucheinem Andern nicht: und Alles, was du willst, daß man dir thue, thue auch einemAndern!"
Aus dem bisher Gesagten ergibt sich nun ganz klar, daß daS Verhältniß, inwelchem die Erziehung der Schule zu der häuslichen steht, ein sehr inniges, in Liebethätiges, auf die Realisirung eines und desselben Zweckes gerichtetes sey. In welcherFamilie, in welchem Hause, in welcher Gemeinde dieses innige, in Liebe thätigeVerhältniß richtig aufgefaßt und mit vereinter Kraft auf die Realisirung des Einenhohen Endzweckes hinangestrebt wird, da muß daS große Werk gelingen: es werdenaus diesem Dualismus von Kräften brauchbare Menschen, edle Bürger, würdigeGlieder der Kirche und künftige Erben des Himmels hervorgehen. Wo sich aberdieser Dualismus von Kräften feindlich einander gegenübersteht, da erscheinen wohlverzogene, aber keine erzogene Menschen, Geißeln für die Gemeinden, aber keinegute Familienväter und Mütter, Scheusale der Menschheit, aber keine Bürger deSReiches Gottes.
Soll demnach das Werk der Erziehung und deS Unterrichtes in einer Gemeindegelingen und von scgenreichen Folgen seyn: so muß zwischen der häuslichen und derSchulerziehung der schönste Einklang, die freundlichste Concordia seyn. Und dieseConcordia soll sich zwischen Eltern, Lehrern und Seelsorgern, zwischen diesen dreiPotenzen dadurch bethätigen, daß die Eltern die erste Hand an das große Tagewerkder Erziehung ihrer Kinder legen, sie in der Furcht deS Herrn unterrichten, ihreGeisteskräfte frühe wecken, dem Erwachen des Bösen frühe genug und energisch ent-gegentreten; hingegen die Keime deS Guten nähren und durch ihr Wort und Beispielbestmöglich fördern. Treten dann die Kinder in das zweite Stadium der Erziehungein, treten sie von dem heimatlichen Herde in die öffentliche Schule: so erkennen inden öffentlichen Lehrern und Erziehern, in den Lehrerinnen und Erzieherinnen, in denSeelsorgern die Eltern die sichtbaren Schntzgeister ihrer Kinder, die da im AuftrageGotteS , im Namen der Kirche, im Interesse der Gemeinden und deS ganzen Vater-landes dieselben aus den Händen der Eltern empfangen, um zu vollenden, waS diesebereits angefangen haben. Nie stellen sich die Eltern jenen feindselig gegenüber,die da den Beruf haben, mit den Eltern vereint ihre Kinder zu erziehen und zuunterrichten. Beherziget wohl, liebe Eltern, daß in dem Grade, in welchem ihr daSAnsehen deS öffentlichen LchrerS und Erziehers, deS Seelsorgers durch Schmähenoder Lästern untergrabet, ihr den eigenen Boden, auf dem ihr stehet, unterwühlet,