Ausgabe 
11 (26.10.1851) 43
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und dabei die Realisirung, die Lösung der wichtigsten Aufgabe, die der Erziehungvereitelt, was früher oder später an euern armen Kindern, die euer Herzblut sind,schrecklich und noch schrecklicher an euch selbst sich rächen dürfte!

Wir aber, die wir die Aufgabe der öffentlichen Erziehung und deS öffentlichenUnterrichtes zu lösen und zu leiten haben, wollen die Worte deS berühmten ThomasMoruS , die er an GonelluS, den Miterzieher seiner Kinder richtete, als allgemeineErziehungSnorm gesprochen, wie auS dem Munde jeglichen VaterS und jeglicherMutter unserer Kinder hinnehmen!

Meine Kinder sollen sich nie versteigen auf die steilen Höhen der Eitelkeit unddeS Stolzes, sondern im niedern Pfade der Demuth und Sittsamkeit ruhig wandelnlernen; sollen bei dem Anblicke deS Goldes nie in Erstaunen gerathen, nie darüberseufzen, daß ihnen Dinge mangeln, die man nur aus Irrthum an Andern hochachtenkann, sollen sich nie für höher achten, wenn ihnen äußerliche Zierde gegeben, niefür geringer, wenn sie ihnen genommen wird; sollen zwar die Gestalt, die ihnen dieNatur gegeben, nicht durch Unreinlichkeit zerstören, aber auch nicht durch niedereKünste erheben wollen; sollen unter allen Dingen der Tugend die erste, und denwahren ausgebreiteten Kenntnissen, die man Wissenschaft nennt, die zweite Stelleeinräumen; sollen selbst unter Wissenschaft und Wissenschaft unterscheiden, und jeneoben ansetzen, die sie lehrt, fromm gegen Gott, liebevoll gegen alle Menschen,und für sich sittsam und christlich demüthig seyn."

I. M. R.

Ein Märtyrer in China.

DaSUniverS" bringt mehrere Details über die grausame Hinrichtung eines29jährigen Missionärs, deS Abb6 Schöffler aus Mittelbronn, der in Son-Tay, inCochinchina, am i. Mai geköpft wurde, nachdem er, vier Jahre hindurch bei derMission zu Tonkin verwendet, den furchtbarsten Gefahren, Beschwerden und Müh,seligkeiten Trotz geboten hatte und auch von der Pest ergriffen worden war, der ersich rücksichtslos aussetzte, um den von dieser Seuche Ergriffenen die religiösen Trö-stungen zu bringen. Kurz vor seinem tragischen Ende war er mit acht eingebornenPriestern in den nordwestlichen Theil deS Königreiches, in einen unermeßlichen Distriktentsendet worden, um den zerstreut dort lebenden 15,000 Heiden das Wort Gotteszu bringen. Gleich nach seiner Ankunft daselbst wurde er den Mandarinen verrathen,die ihm eifrigst nachspüren und ihn endlich ergreifen ließen. Man schleppte ihn durchganz Tonkin bis zur Hauptstadt des Landes, wo er zum Tode verurtheilt wurde,den er, wie gesagt, am l. Mai 'rl'tt.

Zwei Regimenter Trabanten mußten auf den Befehl deö GroßmandarinS andiesem Tage ausrücken; Pferde und Elephanten wurden in Bereitschaft gehalten.Man befürchtete nämlich einen Versuch von Seite der christlichen Bevölkerung, ihrenMissionär gewaltsam in Freiheit zu setzen, und schüchterte dieselbe durch die erwähn-ten militärischen Maaßregeln ein. Während viele Bewohner der S'adt auS allenClassen und Ständen tief betrübt waren, strahlte das Angesicht Schöfflerö in hoherFreudigkeit.

Die Erecution wurde außerhalb der Stadt vorgenommen. Vor dem Märtyrertrug ein Soldat eine Standarte mit nachstehender Inschrift:

Trotz deS strengen, gegen die Religion Jesu erlassenen Verbotes hat HerrAugustin, europäischer Priester, eS gewagt, heimlich Hieher zu kommen, um dieseReligion zu.lebren und daS Volk zu verführen. Nach seiner Verhaftung hat er Alleswahrheitsgemäß eingestanden. Sein Verbrechen ist erwiesen. Der Kopf deS HerrnAugustin soll daher abgeschlagen und in den Fluß geworfen werden. Im viertenJahre der Regierung Tu-DiuS, am ersten Tage deS dritten Mondeö."

Schössier zur Seite zogen acht Soldaten mit gezückten Schwertern. An derSpitze deö Zuges marschirten hundert mit Flinten und Lanzen bewaffnete Krieger; in