Ausgabe 
11 (26.10.1851) 43
Seite
341
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

341

der Nachhut befanden sich zwei Elephanten. Der Märtyrer trug seine Ketten mitLeichtigkeit, betete unaufhörlich und ging leichten und schnellen Schrittes seinemTriumphe entgegen. Der Zudrang der Menge war überaus groß; die überwiegendeMehrzahl der Heiden war von Bewunderung ergriffen; eS fehlte jedoch auch nichtan solchen, die Lästerungen auSstießen und den Blutzeugen verhöhnten. Als man andem verhängnißvollen Orte angelangt war, kniete der Märtyrer nieder, betete nocheinmal inbrünstig, warf sein Oberkleid ab und entblößte den Hals, indem er denHemckragen zurücklegte. Den Nachrichter, der ihm die Hände auf den Rücken band,bat er, sich zu beeilen.Nein, nein," rief der commandirende Mandarin,wartedu auf das Zeichen, daS mit der Cymbcl gegeben wird, und führe den Streich erstbeim dritten Schalle derselben."

DaS Signal wurde gegeben. Die Hand des Nachrichters zitterte. Dreimalmußte er den Hieb führen, und dann erst das Haupt vom Rumpfe mit dem Messerlostrennen.

In Cochinchina herrscht die Sitte, daß daS Volk, welches einer Erecution bei-wohnt, nach der Beendigung derselben schleunigst nach allen Richtungen auseinanderflieht. Dießmal fand das Gegentheil statt. Obwohl die Mehrzahl der Anwesen-den aus Heiden bestand, da in Son-Tay nicht viele Christen leben, so drängten sichdoch Alle eifrigst, um einige Tropfen deS verspritzten BluteS zu sammeln, einigerFragmente von den Kleidungsstücken deö enthaupteten Dieners Christi habhaft zuwerden. Ein untergeordneter Mandarin, ein Heide, hatte vor der Hinrichtung einweißes Seidenkleid und ein Stück weißer Leinwand zu den Füßen SchöfflerS gewor-fen, um dessen Blut aufzufangen. Der Märtyrer, glaubend, daß ein Christ ihmdiese Gegenstände zugeworfen habe, nahm sie auf, rollte sie zusammen und legte siean seine Brust. AIS der commandirende Mandarin hievon in Kenntniß gesetzt wurde,ließ er seinen Unterbeamten prügeln, was diesen jedoch nicht verhinderte, sich ganzglücklich mit den kostbaren Reliquien zu entfernen. Die Christen durften den Leib desHerrn Schöffler mit sich fortnehmen; sein in den Fluß geworfenes Haupt ist bis jetztnoch nicht aufgefunden worden.

Der Melchiorfonb.

Unter diesem Namen finden wir eine Stiftung im österreichisch-breSlauer BiS-thumSantheil, durch welche der materiellen Noth der Cooperatoren daselbst abgeholfenwerden soll. Dieser Fond ist betitelt nach seinem Stifter, dem hochwürdigsten Cardi-nalpriester und Fürstbischof von BrcSlau, Melchior v. Diepenbrok. Hochderselbehat den österreichischen BiSthumSaiuheil im Jahre 1346 visitirt und in allen Decana-ten daS heil. Sacrament der Firmung gespendet. Mit dem ihm eigenen Scharfblickedurchblickte er alle Mängel und Gebrechen des Antheils, unier welchen ihm dieschlechte materielle Lage der Cooperatoren nicht entging; weil da, besonders bei denallgestifteren Pfarren, nur 40 bis 60 fl. C.-M. der gewöhnliche JahreSgehalt beträgt.Dieser Gehalt ist wohl in andern Diöcesen nicht viel größer, aber eS gibt wenigstensStipendien und die kleine Stola, welche den Cooperatoren in andern Ländern daSLeben erträglich machen. In österreichisch Schlesien, wo die Mehrzahl der Stationenparitätisch ist, sind diese Nebengaben stets unbedeutend oder außer Gebrauch gewesen.Anfangs bestand dieser Fond aus 10.000 fl. C.-M. in 4 procentigen StaatSobligatio-nen, wovon die Zinsen zu gleichen Theilen in daS teschner und neisser Commissariatan jene bei altgestifteten Pfarreien angestellten Cooperatoren vertheilt werden follten,welche einen geringen Gehalt beziehen und sich zugleich durch einen moralischen Cha-rakter auszeichnen. Später gelangten Se. Eminenz zu der richtigeren Ueberzeugung,daß in Schlesien beinahe alle Cooperatoren zwar karg aber gleich gestellt find, unddaß oft die auS dem ReligionSfonde dotirten, im Gebirge oder auf partätischen Sta-tionen arbeitenden HilfSpriester einem fühlbaren Mangel in materieller Beziehung aus-gesetzt sind, weil die geringere Besoldung auf den altgestifteten Pfarren theils in