Ausgabe 
11 (26.10.1851) 43
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dem väterlichen Antlitze blickt er auf seine geliebten Töchter, gleichsam um sie zubelohnen für ihre unverdrossene Sorgfalt, für ihr zuversichtliches Vertrauen, um seineFreude auszudrücken über den Sieg, welchen ihr Glaube feiert über daS Elend, daSdie Sünde unter den Menschen angerichtet, über den Tod, dem sie seinen Schreckennehmen. Wo ist auch ein Verzweifelnder, ein Gefühlloser, der nicht im Anblick einertreuen Schwester die längst verschwundenen Gefühle christlicher Liebe in sich wiedererwachen fühlt? Wo daS Elend am größten ist, da leuchtet die christliche Liebeam hellsten. (K. S. Bl.)

Mission in Dietfurt .

Eichstädt. Die Mission in Dietfurt (die erste in der Diöcese Eichstädt), wurdevom 23. bis 31. August von füns Redemptoristen-PatreS abgehalten. Wenn manso in das verrostete Alltagsleben hineinschaut und in die Versunkenheit gemeiner Lei-denschaften, die fast überall anzutreffen sind und alles höhere Streben und Sehnenerstickt zu haben scheinen: so möchte man, ohne deßhalb Mißtrauen auf die Kraft deSgöttlichen Wortes zu setzen, dennoch zweifeln, ob bei solchen Menschen und zwarin großer Anzahl innerhalb weniger Tage ein so gewaltiger Umschwung und einesolche Sinnesveränderung bewirkt werden könnte. Aber man komme nur und wohneeiner Mission bei und man wird die Wahrheit des kurz vorher noch Bezweifeltenbestätigen. Denn jene ewigen Wahrheiten, so furchtbar und zugleich so tröstlich fürdas menschliche Herz, die man zwar oft hört, aber auch nur hört, ohne Zusammen-hang, ohne lebendige Erfassung; diese werden hier von Männern, die selbst zuerst indie unterste Tiefe derselben hinabgestiegen und sich durch und durch haben davonerfüllen und begeistern lassen, wie in Schlachtordnung aufgestellt vorgetragen, undzwar in jenem so psychologischen Zusammenhang, den Einer der größten Kenner deSMenschenherzenS entdeckt habe. Der Sturm beginnt, sie folgen Schlag auf Schlag,eS wird dem noch widerstrebenden Herzen gleichsam nicht Zeit gelassen, die erhaltenenEindrücke zu verwischen, cS wird in die furchtbarste Alternative gestellt, alle Sophistik,jeder andere AuSweg abgeschnitten, und so wird der schlummerde Glaube wieder leben-dig, daS Herz, in das sich die Gnade von Oben niedersenkt, für daS Höhereempfänglich, eS sieht in dem vorgehaltenen Spiegel der ewigen Wahrheiten seineerhabene Bestimmung und zugleich den gräulichen Gegensatz des Lebens, und daherdie außerordentliche Erscheinung in der Mission, daß viele Tausende, besiegt von derWahrheit und der Gnade, zerknirscht an die Brust schlagen und von der Predigt indie Beichtstühle eilen, um sich mit Gott auszusöhnen. Wahrlich, die Beichtstühlewenn sie reden dürften, sie würden erzählen können von den Wirkungen und den Wun-dern der Gnade, welche die Mission hervorbringt.Es scheint," äußerte ein Beicht-vater,als ob eS in diesen Tagen die Gnaden vom Himmel regne, die von Gott andie Mission geknüpft seyn müssen." Selbst nach Außen hin tritt diese innere Umän-derung, der Proceß dieser geistigen Wiedergeburt in die Erscheinung, indem man einegewisse Ruhe und Zurückgezogenheit und stilles Nachdenken bemerkt, ein Zeichen, daßdie Seele mit jenen großen, ernsten Wahrheiten beschäftigt ist, die ihr jetzt, vielleichtdaS erstemal zum vollen Bewußtseyn kommen. Die Mission ist deßhalb für vieleHunderte der Wendepunct ihres Lebens und der Anfang zu einem besseren. Unge-mein groß ist daher auch die Liebe und die Anhänglichkeit deS Volkes (schon im wei-tern Sinn zu verstehen), an diese ehrwürdigen Väter, die ihm alle ihre Kräfte, Ge-sundheit und Leben weihen.

Betrachte ich die Theilnahme, den großen Eifer, mit welchem sich daS Volkselbst von weiter Entfernung zu den Predigten und den geistlichen Uebungen hin-zudrängte, so kann man mit Recht sagen, daß das Volk viel besser weiß, waS zuseinem Heile ist, als jene, die man gewöhnlich nicht mehr darunter versteht. Beson-ders groß wurde daS Zusammenströmen von allen Seiten gegen den Schluß derMissionen. Am letzten Tage, den 31. August, gab man die Menschenmasse auf 12,000