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bewegen, der Mäßigkeitsbruderschaft beizutreten und die Verpflichtungen der-selben fest und heilig zu halten.7) Die Vergünstigung, daß alle Messen, welche in der BruderschaftSkirche desOrtS gelesen werden, dieselbe Wirkung haben sollen, als wenn sie an einemPrivilegium Altare celebrirt würden.Dieses hat Se. Heiligkeit beschlossen, festgesetzt und bewilliget, ohne daß irgendEtwas dagegen seyn könne.
Gegeben zu Rom im Secretariat der erwähnten heiligen Congrcgation derBischöfe und Ordensgeistlichen, am 23. Juli 1851.
(I.. 8.) Jos. AlphonS, Cardinal. Orioli, Präfect.
Zeit und Ewigkeit.
Die Zeit.
In jener Zeit, da es auf Erden noch weise Männer gab, welche die Spracheder Thiere und Blumen verstanden, wandelte ein persischer Magier, welcher dieserSprache kundig war, an einem schönen Sommerabend in einem lieblichen Lustgarten.Rachdenkend ging er eben bei einem Rosenstocke vorbei und hörte da ein verworrenes,leises Zwitschern von allerlei zarten Stimmchen, als ob in einem Neste eine Mengejunger Vögel pippten. Er trat näher, und siehe, ein Theil der Blätter des Rosen-strauches war mit Blattläusen besetzt, welche emsig hin- und herliefen und eben ineinem Streite begriffen waren. Der Magier horchte aufmerksam, konnte aber langenichts verstehen, bis endlich die ganze Versammlung schwieg und nur ein Einzigersprach. ES schien ein Greis, der schon mehrere Tage alt war und im Ansehen beiden Uebrigen stand. Er sprach mit ernster Stimme: Der Streit, den ihr angehoben,ob nämlich dieses Weltgebäude, daS wir bewohnen und das wir Rosenstock heißen,von Ewigkeit her bestehe, kann von euch, die ihr so unerfahren seyd, nicht entschie-den werden. Höret mich an, der ich schon einige Mal die Sonne untergehen sahund schon mehrere Generationen überlebte. Offenbar ist dieser Rosenstock ewig undwird auch ewig dauern, obwohl vielleicht einzelne Blätter mit der Zeit zu Grundegehen könnten. Aber die Versammlung hörte nicht auf diese Worte; der Eine fingan seine schönen Fühlhörner zu putzen, der Andere erzählte, wie er schon großeReisen gemacht und einmal bis an daS äußerste Ende der Welt (unten an dem Rosen-stock) gekommen sey, und wie er auf dem Wege große Gebirge (er meinte die Dornen)angetroffen. Ein Anderer wußte viel zu erzählen von einem Kriege, den daS Volkder Blattläuse gegen einige geflügelte Riesen, welche man Goldfliegen nannte, geführt,wieder Andere hatten erstaunlich viel mit Erziehung und Pflege der Jungen zu thunund jammerten, wie die Jugend in dieser bösen Zeit so ausgeartet sey. Anderehatten sich bei einem Thautropfen zusammengesetzt und sangen und tranken um dieWette. Plötzlich schnurrte ein Hummel vorbei, da erschrocken sie anfangs, hattenaber nachher lange von diesem Abenteuer zu erzählen. Die Alten erzählten von derGeschichte früherer Zeiten, wie einmal ein ganzes Rosenblatt herabgefallen und einandermal eine ganze Völkerschaft geflügelter Blattläuse ausgewandert sey; ferner, wieeinmal ein großer Held, Namens BlattlauSlöwe, daS ganze Blatt, auf dem siewohnten, erobert und die Bewohner ermordet habe u. s w. Andere stellten tiefsinnigeForschungen an und beklatschten eben die Ansicht eines ihrer größten Gelehrten, wel-cher aus der täglichen Abnahme des Mondes berechnet hatte, daß derselbe nun inzehn Tagen, welche er Jahrhunderte nannte, nothwendig ganz und auf immer ver-schwinden müsse.
Am eifrigsten disputirten sie über die Gottheit, indem einige die aus dem Stockeprangende Rose, andere dagegen einen prächtigen Goldkäfer, der oft auf der Rosesaß, dafür hielten. Darin kamen alle überein, daß sowohl die Rose als der Gold-käfer ewig und höchst wohlthätig seyen, weil sie den Blattläusen so große Weisheit