Ausgabe 
11 (2.11.1851) 44
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Zeitalter jämmerlicher Dummheit und elender Verkommenheit gebrandmarkt werde».ES vcrhausete und verwirthschastete alle Schätze der Vergangenheit, die der Dreißig-jährige Krieg noch gelassen, so viel eS konnte. Was mußten die ehrwürdigen Dome,die schönen StiftS- und Klosterkirchen sich gefallen lassen! Man verschwendete enormeSummen, um sie mit dem Gewände der Aufklärung zu verunstalten. Wie vieleherrliche Altäre, wie viele Gemälde u. s. w. sind da vernichtet oder verschleudert!Am besten sind noch viele schöne altkatholische Kirchen bei den Protestanten wegge-kommen. Diese ließen dieselben, wie sie waren, weil ihr Rationalismus kein Gelbfür Kirchen und kirchliche Zwecke hatte. Da kam die große Säkularisation und mitihr der Gräuel der Verwüstung. Die Kirchen der aufgehobenen Stifter und Abteienmit ihren herrlichen Kreuzgängen verfielen oder wurden abgebrochen, um neuegradlinige und rechtwinkelige Straßen zu gewinnen. Die K.Uhedralen wurden mit-unter Magazine, und würden vielleicht nie wieder Kirchen geworden seyn, wennnicht über der menschlichen Thorheit in der Weltgeschichte die göttliche Fürsehungstände. Der Kölner Dom hat sollen demolirt werden, um einen großen Platz zugewinnen, die wunderherrliche Apostelkirche in Köln ist schon fast ein Schutthaufengewesen, zum baldigen Abbrüche bestimmt; die'zierliche und kühne Lambertikirche inMünster hat dem Erdboden gleich gemacht werden sollen, um eine große Straße aufdaS Schloß anlegen zu können.

Da kommt mit dem Untergänge Napoleons die Zeit deS Friedens; aber nochnicht gleich eine bessere Zeit für die christliche Kunst. Viel Gold, enorme Summensind in den Friedensjahren für neue Kirchen, neue Paläste, neue Straßen, neueStadtviertel ausgegeben. Aber was für Kirchen, waS für Thürme, was für Paläste!Und wie dauerhaft!.', DaS berühmteSich setzen" wurde da besonders bei neuenKirchen, Pfarrhäusern und Schulen Mode. Bei einer neuen Kirche hat der Bienen-korb, genannt Thurm, die Freundlichkeit gehabt, und drückte daS Portal ein undsetzte sich «IS Schutthaufen. Viele dieser neuen Kirchen eignen sich ganz vorzüglichzu Casernen, Magazinen und Pferdeställen; in andern lautet das Predigen wie derChorgesang gewisser griechischer Secten im Oriente. Bei den Altären und Kanzelnder alten und neuen Kirchen waren vorzüglich die natürlichen Farben verhaßt. Weißund Gold war die Losung, obschon noch kein Mensch weiße Eichen gesehen, obschondaS Weiß nach einem oder zwei Wintern schmutziges Grau wurde. Dieses Jllumi-niren hat unserer Provinz seit 1815 wahrscheinlich so viel Geld gekostet, daß einegothische Kirche wie Maria-Hilf in der Au zu München sich dafür baue ließe.Auch haben noch viele schöne gothische Kunstwerke in den letzten dreißig Jahren sichallerlei Mäntel und Kleistereien müssen gefallen lassen.

Endlich ist die Zeit umgeschlagen, und wie eS mit den Herzen und Geisterngothischer wurde, ist's auch mit den Augen wieder gothischer geworden. Die christ-lichen Maler und Künstler in Düsseldorf, München, Frankfurt haben an dieser Um-wandlung großen Antheil. Die religiösen Bilder haben besonders Propaganda unterdem Volke gemacht, während bedeutende Meister und Gelehrte in der gebildeten Weltden Vernichtungskrieg gegen den verjährten schlechten Geschmack eröffneten, und mitimmer größern Erfolgen fortsetzten. Die ältern Künstler und Gelehrten haben zahl-reiche Schüler und Jünger, welche für die Verbreitung des altchristlichen und altdeut-schen Geschmackes rastlos thätig sind. Der fromme Bischof von Münster steht unterden Kennern und Beförderern der christlichen Kunst in erster Reihe. Die PiuSvereineder Katholiken deutscher Nation haben die Gründung eines großen katholischen deut-schen KunstvereinS beschlossen, von dem ehrwürdigen Bischöfe von Münster das Pro-tektorat dcö Vereins erbeten und dreien edlen Männern aus Preußen , Oesterreichund Bayern die Gründung übertragen. Bald werden gewiß die meisten deutsche»Diocesen Diöcesankunstvereine mit reicher Betheiligung des Klerus, des Adels undder Bürger besitzen, als individuellen Ausbau des großen katholischen deutschen Kunst-vereinS. Für unsere Diöcese ist ein solcher Berein auf der letzten Generalversamm-lung der PiuSvereine zu Dortmund am 3. d. MtS. beschlossen und dem Centralver-