Ausgabe 
11 (2.11.1851) 44
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352
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eine in Paderborn die Ausführung des Beschlusses im'engsten Anschlüsse an die vonHerrn A. RcichenSperger entworfenen Statuten übertragen. Im Seminare zu Köln werden von diesem ausgezeichneten Beförderer der christlichen Baukunst auf Veran-lassung des hohen Oberhirten deS ersten deutschen DomeS Norträge über die christlicheKunst gehalten; und bald werden gewiß auch diesem rühmlichen Vorgange die übri-gen deutschen Diöceseu folgen. Der KleruS stand bisher in dieser Hinsicht rathlosda. Große Studien auf dem Gebiete der christlichen Kunst machen erlaubt denwenigsten der mannigfaltige seelsorgliche Beruf, und große Reisen, um durch lebendigeAnschauung der Kunstschätze sich zu bilden, den wenigsten der Geldbeutel und die Zeit.

Was unS bei dieser glücklichen Verwandlung bisher noch fehlte, war eineigenes Organ für die christliche Kunst, zugäuglich für die Gebildeten allerStände. DasDomblatt", so viel Gutes eS auch gestiftet hat und noch stiftet, warzu enge und zu klein für den großen Zweck. Wo könnte aber ein solches Organwohl besser erscheinen alö in dem heiligen Köln , außer seinem hochberühmten Dometrotz aller Verwüstungen seit sechzig Jahren noch immer so reich an den schönstenKirchen der mittelalterlichen Baustyle, so reich an Kunstschätzen, so reich an Vereinenfür den Dom und die Reparatur der übrigen Kirchen?

Diesem Mangel hat in Verbindung mit gediegenen Männern gleicher Richtungabgeholfen ein christlicher rühmlich bekannter Maler in Köln , Fr. Baudri, Bruderdes hochwürdigsten WeihbischofeS und GeneralvicarS der Erzdiöcese. Die Verbreitungdieses Organs, das in Köln alle 14 Tage, einen großen Bogen stark, unter demTitel:Organ für christliche Kunst, herausgegeben und redigirt von Fr. Baudri,Maler", erscheint, ist auf der Generalversammlung in Dortmund auf das Dringendstevon vielen Seiten empfohlen. Hoffentlich wird diese Empfehlung reiche Früchte tragen,sowohl für die festere Begründung und Ausbreitung deS Unternehmens, als auch fürdie allseitige Förderung des christlichen Kunstsinnes.

Oberbayern .

AuS Aibling 23. Oktober wird dem Volksboten geschrieben: In Pang beiRosenheim haben sie gestern/ein schönes Fest gehabt: denn eS wurde die neuerbautePfarrkirche benedicirt, damit einstweilen im Winter darin Gottesdienst gehalten wer-den kann. Der Herr Pfarrer Rubenbauer von Rosenheim vollzog aus oberhirtlichemAuftrag unter Beistand benachbarter Geistlicher die Benediction, und als die Weihevollendet und die Kirchthüren geöffnet waren, ward alsbald die große herrliche Kirchemit Menschen überfüllt. Zu dem feierlichen Hochamt ertönte zum ersten Mal dietreffliche neue Orgel von dem bekannten Orgelbauer Wagner in Glon und eine schöneKirchenmusik, wobei auf dem Chor auch mehrere Rosenheimer freundlich mitwirkten.Vor anderthalb Jahren wurde der Pau dieser Kirche auf eifrigen Betrieb deS HerrnPfarrers Nißl begonnen zum Tbeil nach dem (natürlich großen) Muster der St.BonifaciuSkirche zu München im Basilikenstyl. Der Eifer, mit dem der Bau vomPfarrer und der ganzen Gemeinde geführt wurde, verdient alles Lob; sie haben sichhier ein schönes Denkmal ihrer Frömmigkeit gesetzt. Mit größler Bereitwilligkeit lei-steten alle Pfarrangehörigen Hand- und Spanndienste die ganze Zeit hindurch, undeS bestand ein eigener Ausschuß aug braven Männern, welche abwechselnd jedereinen Tag in der Woche unentgeltlich die Aufsicht führten und für HerbeischaffungdeS Materials sorgten. Holz und Lebensmittel für die Arbeiter wurde Alles vonden Leuten geschenkt, und man hörte nicht die geringste Klage über Belastung, ob-gleich die Leute im Ganzen nicht sehr vermöglich sind. Im nächsten Jahre wird mitGottes Hilfe die Kirche ganz vollendet und dann vom Herrn Erzbischof eingeweihtwerden. Man darf aber jetzt weit gehen, um auf dem Lande eine so schöne Kirchezu sehen, und gewiß wird kein Fremder durch Pang reisen, der nicht dieß lieblicheGotteshaus betrachtete.

Verantwortlicher Redacteur: L, Schön ch«u.

BerlagS.Jnhaber: F, S, Krem er.