Ausgabe 
11 (9.11.1851) 45
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Tag und Nacht die leibliche Pflege und sog den Kranken sogar die Pestbeulen aus,um sie vom Tode zu erretten. Am 10. September hauchte er seine heilige Seele aus.Papst PiuS hat ihn bei seiner Heiligsprechung als denMohren-Apostel" (^laurorumapostolus) mit besonderem Vorzuge bezeichnet, und ein in der PeterSkirche am Tageder Heiligsprechung ausgestelltes Gemälde enthielt eine Darstellung von seiner aposto-lischen Wirksamkeit unter den Sklaven.

DaS Kirchengebet zu Ehren deS heiligen Petrus Claver lautet also:O Gott,der du den heiligen Petrus, deinen Bekenner, damit die armen Sklaven zur Erkennt-niß deines Namens gelangen möchten, mit wunderbarer Selbstverläugnung undaußerordentlicher Liebe ausgerüstet hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, daß wirnicht daS Unsrige, sondern daS, waS Jesu Christi ist, suchen, unsere Nebenmenschenim Werke und in der Wahrheit lieben mögen."

Die Franzofen.

I^'vnivers urtheilt über Frankreich :ES ist der Ruhm der geistreichsten Nationder Welt, daß fünfunddreißig Millionen Menschen sich von einigen Tausend Narrenoder Schlingeln fortwährend ruiniren, berauben und mordbrennen lassen. Hiermitsoll aber nicht gesagt seyn, daß man nur ein Absolutist, ein Feind der Republik ,der Tribüne und der Presse zu seyn brauche, um auch ein wirklicher Gegner derRevolution zu seyn. Keineswegs, sonst wären Richelieu, Ludwig XIV. , Friedrich II.,Joseph II. , Napoleon und mehrere Czaren ausgezeichnete Vorbilder. Denn sie allehaben daS Geistige dem Zeitlichen geopfert, die Gerechtigkeit und die Moral demköniglichen, nationalen oder ministeriellen Ehrgeize untergeordnet, und die Kirche,die einzige Macht, die noch Kraft besitzt, von den Völkern die göttliche Zuchtrutheabzulenken, erdrückt. Diese Potentaten haben trotz ihres Talentes die Welt zurRevolution gedrängt Denn wenn die Erde einmal vom Throne des heiligen PetruSlosgetrennt ist, diesem einzigen, von Gott hienieden für immer befestigten Stützpuncte,so ist sie nur noch eine schwebende Kugel, welche der Teufel nach Gutdünken hin undher bewegt. Um mit der Revolution wahrhast zu brechen, und ihr furchtbarer Feindzu werden, muß man zu allererst die Bedingungen der religiösen Dauerhaftigkeiterkennen, lieben und zu erfüllen suchen. Ist das geschehen, dann sind die Regie-rungSformen eine untergeordnete Frage; sie ändern sich und müssen sich ändern jenach den Zeituniständen und den Oerllichkeiten. Man kann Republikaner uud dochein eben so muthiger Reactionär seyn, als wäre man Monarchist. In Frankreich besonders, wo in Folge der Erniedrigung des lehrenden Körpers, des Adels undder Würden die Demokratie zur Herrschaft gelangt ist, und aus Mangel an erha-benen Elementen regiert, wo man nicht genug weiß, daß die Institutionen nichtmonarchisch seyn können, wo der König nur ein Strohmann zum Unterzeichnen ist,gezwungen, die Handlungen eines Parlaments, eines zum Herrschen untauglichenHerrschers auf sich zu nehmen; in Frankreich , wo man zu ignoriren scheint, daßdaS Wesentliche der Mensch ist, und nicht die Institution, hier sollten sich dieGegner der Revolution weniger um StaatSformen, als um die Erziehung der Men-schen kümmern. ES ist ohne Zweifel wesentlich, zu verhindern, daß daS Vaterlandnicht in Brand gesteckt werde, und seine Bürger sich untereinander erwürgen.Daraus folgt die Nothwendigkeit einer starken Regierung, die jede verbrecherischePropaganda unterdrückt, um für die öffeutliche Erziehung die nothwendige Zeit zugewinnen."

Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen.

Berlags-Jnhabcr: F , E, Kremer.