Ausgabe 
11 (16.11.1851) 46
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heit sich darbot, religiöse Grundsätze entwickelt, so vaß mit den Fortschritten in denprofanen Wissenschaften die Jugend auch stets in der Wissenschaft des Heils weiterfortschritt, und die Vorschriften des Instituts machten eS jedem Lehrer znm Gesetze,den Studirenden vor allein die tiefste Ehrfurcht gegen Gott beizubringen, seineLektionen mithin stetö mit Gott und also mit Gebet anzufangen und mit Gebet zuendigen; die Andacht der Jünglinge immer mehr zu entflammen und alle seine Schü.ler durch einen klaren, ihren Begriffen angemessene» Unterricht in allen Wahrheitenund Vorschriften der Religion zu unterweisen. Der heilige Jgnatins machte deßwegendie Religion zur Grundlage der Erziehung, weil die Erfahrung ihn gelehrt hatte,daß da, wo jene großen Reizmittel zur Tugend, welche die Religion darbietet, ver-nachläßigt werden, die Menschen durch jede gesellschaftliche Verbindung nur nochschlechter.werden, und diese Gefahr offenbar noch ungleich mehr bei der Jugend zubefürchten ist, da diese, weil ohne Erfahrung, leichter von ihren aufkeimenden bösenNeigungen lnngerissen wird, und alsdann, »m ihre Verirrnugen durch fremdes Bei«spiel zu decken oder zu beschönigen, auch stets andere auf gleiche Abwege hinzuziehensich bestrebe. Allen Regeln, welche er denen von seinem Ordcn gibt, welche zu demUnterrichte der Jugend bestimmt sind, liegt diese große Idee zum Grunde; sie ist es,welche er vorzüglich der Aufmerksamkeit der Professoren, der Wachsamkeit der Prä-fecten, der väterlichen Sorgfalt der Reciorcn und der Aussicht ver Provincialenempfiehlt. Alle diese trefflichen Ideen findet man in dem daS ganze ErziehuugS- undLehrsystem enthaltenden Buche linlio slmlwmmoch um Vieles erweitert. Hier wirdden Lehrern zum Gesetze gemacht, die Anlagen ihrer Schüler genau zu erforschen,die aufkeimeuden bösen Neigungen durch stete Beschäftigung zu entkräften, die jugend-lichen Gemüther zu einem edlen Wetteifer zu entzünden, den Kleinmüthigen undFurchtsamen Muth einzuflößen, aber auch den Anmaßungen des Stolzes uud desEigendünkels kräftig zn begegnen. Alle in den Schulen übliche ehrenvolle Auszeich-nungen sollen daher ohne alle andere Rücksicht ganz allein dem Verdienste znerkanntwerden, nnd mögen diese auch in kleinlichen Dingen bestehen, ja kindisch erscheinen:für Kinder und Knaben hat Kleines die nämliche Wichtigkeit, als Großes für Er-wachsene hat. Ließe man dem Kinde die Wahl zwischen einem Bilde und einemOrdensbande, cS würde sicherlich dieses liegen lassen und nach jenem greifen. Ineiner und derselben Classe wnrden die Schulen in Abtheilungen getheilt, welche inihren wissenschaftlichen Arbeiten und andern Schulübungen wetteiferten, sich gegen-seitig gleichsam zum Kampfe herausfordernd. Alljährlich fand eine mit vielen Feier-lichkeiten verbundene Vertheilung der Prämien statt. Dem jugendlichen Ehrgeiz, deraber stetö in den Schranken gehalten wurde, ward hiedurck eine zweckmäßige Rich-tung gegeben, das Studiren durch den Reiz der Belohnungen versüßt. Mag eSwahr seyn?DaS Gute sollst du lieben und thun lernen des Guten selbst wegen,"mag eine Prämienvcnheilnng manche Schattenseite darbieten, so ist eS von der andernSeite doch nicht zu läugnen, daß hiedurch dem jugendlichen Ebrtriebe eine zweckmä>ßige Richtung gegeben, das Studiren durch de» Reiz der Belohnungen versüßt wird,und die Fortschritte der Schüler in den Wissenschaften befördert werden.

(Schluß folgt.)

Die Frauen in der Kirche.

In dem jüngst erschienenen dritten Bande von HurterS Ferdinand !I. findenwir folgende Stelle über die Erzherzogin Maria (Mutter Ferdinand II.): Daß beidemjenigen vorzüglich, was im Grunde damals als Erstes und Bedeutsamstes gelten,neben welchem alles Andere in den Hintergrund treten mußte, in der Frage: welchereligiöse Gestaltung daS Land anzunehmen habe? dann bei dem unauSgleichbarenWiderspruch, der in dieser Beziehung fortdauerte, Maria als handelnd, wirkend,abwehrend «intrat, dafür liegen genügsame Zeugnisse vor. In welchem Sinne diesesgeschehen sey und einzig habe geschehen können, hierüber kann nach Allem, waS wir