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von ihr wissen, kein Zweifel obwalten. Der Ernst und die Ausdauer aber, mit dersie für die Kirche gewirkt hat, der biebei hervortretende, alle ihre Lebensthätigkeitbedingende Grnndzug, auS dem dieses hervorgegangen ist, und der in Maria'Shöchsten zeitlichen Lebensbeziehungen seinen Widerschein fand, veranlaßt u»S zu einerBemerkung, die als Abschweifung gelten mag, für diejenigen aber, welche dieselbezu würdigen wissen, dennoch nicht anßer Beziehung zn der Erzherzogin Thun undWirken steht; zugleich, waS kaum wird angestritten werden können, die österreichischeBedeutung dieser seltenen Fran zn einer weltgeschichtlichen erhebt.
Unser Herr selbst stellt seine unauflösliche Verbindung mit den »ich« atomistischzusammengehäuften, sondern einen GesammtorganismuS bildenden Gläulngeu, dielebenquellende Einigung mit seiner Kirche, unter den mystischen GesichtSvunct der Ver-schmelzung alles Empfindens, WollenSundAnstrebcnScineSBräntigamS und seiner Braut.Der Apostel da»» vergleicht jedes Erlauen deS Christen, jede Sonderstellung, in derdaS Individuum von diesem Organismus sich trennen will, dem Treubruch gegenden Gemahl. Man könnte jenes nnd dieses für so anmuthige als tiefgcdachte Bilderhalten. Aber beide sind mehr als bloße Bilder; sie sind prophetische Worte, welche,sortlausend durch die Geschichte, in die Thatsachen hinübcrtreten; so Christus alsseine Apostel sprachen damit eine von dem Mysterium umhüllte allgemeine Wahrheitaus, welcher zwei durchaus abgekehrte Richtungen zu gleichmäßig bekräftigendemZeugniß dienen müssen. Denn wie, hinab von der heiligen Helena, der bayerischenRegintrude, der fränkischen Emma, ClotildenS Enkelin, welche den Angelsachsen, derpolnischen Dobrowka, Miccislavs Gemahlin, welche diesem Slavenstamm das Evan-gelium brachte, durch Frauen, die in der zeitlich'ehelichen Vcrbiudung das Abbildder ewig-geistigen geehrt habe», jene mystische Verbindung gefestigt und dem Bräu-tigam die Braut mackelloser e»tgege»gesührt worden ist, also ist durch solche, die i»unreinem Gelüste der zeitlich-ehelichen Verbindung Hohn gesprochen haben, auch jeneewig-geistige zerrüttet oder vollends gelöst worden. Hicfür hat von der Lncilla derDonatiften, der byzantinischen Tänzerin, wie der römischen Buhlerin Theodor«, derAnna Boleyn und jener Pompadour, welche in Frankreich der Kirche den erstenStoß versetzt hat, bis weit hinab in die Zeiten, selbst hinüberstreifend in die nnsrigen,die Geschichte für rückwärts gewendete Prophctien gesorgt.
Zu denjenigen Frauen nun, in welchen das Mysterium iu ihrer ehelichen Ver-bindung nach seiner realen, in ihrer kirchlichen nach seiner ideale« Seite sich darge-stellt hat, darf mit dem vollesten Recht die Erzherzogin Maria gezählt werden. Die-selbe Treue und Hingebung, welche sie mit dem Gemahl verband, einigte sie auchmit der Kirche; und wie durch das späler folgende Sacrament ihr leibliches Daseynan jenen, so war durch die vorangegangenen der Tause und Firmung ihr geistigesLeben an diese hingegeben. In der Kirche geboren, durch die Kirche erzogen, mitund in der Kirche und durch die Kirche ihren LebenSlauf vollführend, konnte MariaAnsprüche an ihr Wollen und an ihr Thu» (außer dem Gemahl) mir der Kircheeinräumen; mußte ihr, waS zu deren Beschränkung oder Benachtheiligung wollteunternommen werden, als Frevel erscheinen, weltliches Ansehen und fürstliche Machtihr einzig dazu anvertraut seyn, um dieselbe» zu desseu Abwehr einzusetzen. Ihrervollesten Ueberzeugung »ach (uud dieselbe spricht sich bei jeder Veranlassung aus)galt ihr dieses nicht als Recht, sondern als oberste und geheiligteste VerpflichtungdeS Regenten; als eine Verpflichtung, welcher derselbe aus ganz andern als bloßmenschlichen und zeitlichen Rücksichten treulichst Genüge zu thun habe. Eine solcheVerpflichtung ist auch von denjenigen Fürsten , welche das Ankämpfen gegen die Kirchezur eigenen Sache gemacht hatten, zu jener Zeit nicht minder in Ansprnch genommen,nirgends bei ihrer Partei angezweiselt worden. Hatten sie hiesür giltigere und unan-tastbare Gründe als Maria und diejenigen Regenten alle, welche dem Sinn der Erz-herzogin gemäß handelten? Ist es wirklich ein Gewinn, daß ein solches Walten —über daS Anerkennen wollen wir ganz hinwegscben --- in .jetziger Zeit nicht mehrkann, vielleicht sogar nicht dürfte begriffen werden?