Ausgabe 
11 (16.11.1851) 46
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Wie Maria die Stellung eines katholischen Landesherr» in Beziehung zu derKirche, wie sie die Gegner von dieser als Gegner von jenem sich dachte, das könnenwir am besten einem Briefe an ihre Tochter Anna entnehmen, in welchem sie ausVeranlassung der ihrem Gemahl durch seinen Oheim, den Herzog von Södcrmann-land, bereiteten Widerwärtigkeiten den Gedanken freien Lauf läßt.Sie für ihrePerson wollte," schreibt sie,ihren Kopf nicht eher auf ein Kissen legen, ehe sie die-jenigen Alle, welche solcher Sachen Schuld trugen, zu Paaren getrieben hätte; dießselbst auf die Gefahr hin, daß hievurch Schweden für sie verloren ginge. Dahin,um thun zu müssen, was Jene wollten, würde sie es niemals kommen lassen; Freundund Feind würde sie um Hilfe ansprechen. Wäre sie Konig von Polen , so müßte ihr Erstes seyn, Friede mit dem MoScowiter zu schließen, hierauf denselben gegenSchweden zu Hilfe zu rufen." Sind wir in unserer bildungöstolzen Zerfahrenheitund Abschwächung entwöhnt, einen solchen festen Willen, einen so kräftigen Muth,eine solche großartige Opserfähigkeit da, wo eS sich um Glaube und um Kronenhandelt, an Männern zu verehren, wie würden die Zeitgenosse«, welche in Fürstinnenhöchstens noch Hausfrauen in etwas ausgebreiteterem Kreise erkennen möchten, erstdann in Entsetzen gerathen, wenn mit derartiger Entschlossenheit eine solche unterihnen aufträte?

Ein Nothruf aus Mecklenburg .

DaS in der Postzeitung erwähnte merkwürdige Actenstück, welches vom Nord-deutschen Corrcspond enten gebracht wird, vom Organe der Altlutheraner,lautet wie folgt:

Wir sind Lutheraner nach Geburt und Erziehung, und es ist wahrlich nichtunser sündig Gelüsten, zu scheiden von Dem, was Gott uns gegeben hat. Wirwollen kein äußerliches Gut gewinnen, kein eigenes Interesse bei unserm Ucbertritteverfolgen: aber können wir länger in einer Kirche bleibe», in der es so aussiehtwie in der lutherischen, wo nichts ist als Uneinigkeit, Schwäche und Werfall?Wir gründen angeblich unsern Glauben auf die Bibel und verwerfen Alles, wasgegen dieselbe streitet. Daö ist recht schön; aber bekanntlich ist die Bibel ein Buchvoll vieler Dunkelheiten und Schwierigkeiten. Man sagt nun freilich, diese kommendaher, daß der vollkommene Gott uns unvollkommenen Menschen immer in elwaöunbegreislich bleiben muß, wo er sich uns offenbart, und wir verwerfen deßhalb auchdie Schrift keiucswcges, wo wir sie nicht verstehen. Aber muß doch für dasMeiste eine Auslegung sich finden lassen, die man begreifen kann, und muß dochbestimmt werden können, welche Anslegung richtig ist. Eine solche feste, bestimmteAuslegung aber, wie sie die katholische Kirche har, fehlt uns in der lutherischen.Nicht bloß, daß unsere Theologen hin und her streiten, ob dieß oder jenes Buchächt sey, und ganze Capitel und Verse streichen wollen, sondern sie sind auch überDaS, was sie als ächt anerkennen und stehen lassen, wegen der Aussassung iu größ-ler Uneinigkeit. Wenn der Eine sonnenklar bewiesen hat, eine Stelle müsse so undso verstanden werden, so kvmmr bald wieder ein Anderer und beweiset eben so sonnen-klar, alle Ausleger vor ihm Härten geirrt, man müsse es so und so auffassen.Während nun die Theologen von Fach selbst nicht wissen, wie die Bibel zu verstehensey, sind wir armen Laien erst rechr zu bedauern. Wir werden aus die Bibel hin-gewiesen, und können doch nirgends eine feste Handhabe gewinnen, in dieselbe soeinzudringen, daß wir zu einer Einheit der Auffassung gelangen. WaS ist das nunsür eine Kirche, die allenthalben und ganz allein auf die Bibel sich beruft, und dochkeine Erklärung derselben zu finden weiß, welche unumstößlich richtig ist; die ihrcnAngehörigen nie mit voller Gewißheit sagen kann:So lautet die Auffassung derKirche und diese Auffassung ist richtig?"" Muß man nicht zweifeln, ob eine solcheKirche den heiligen Geist habe, der in alle Wahrheit leitet, und sich, gerade wennman es mit seinem Christenthum redlich meint, aus ihr hinaussehnen zu einer andern,