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nach irgend einer Gleichheit an irdischen Gütern geradezu eine Auflehnung gegen Gott selbst, zugleich aber auch ein Wahnwitz, ein Unverstand, und eine reine Unmöglich-keit, da ja eine solche Einrichtung kaum einen ganzen Tag hindurch fortbestehen könnte.....
Da ich nun einmal von der Schule rede, kann ich nicht umhin, Euch zugleichzu bitten, daß Ihr die Lehrer Eurer Kinder in Ehren halten möget. Wahrlich, garehrwürdig ist deren Beruf! Ein Lehrer, welcher seinen Standespflichten gewissenhaftnachzukommen trachtet, verdient eS im vollen Maaße, daß ihn jeder Christ, jederFamilienvater hochschätze. Ist ja sein Amt so schwierig und mühevoll, und wie großist erst die damit verbundene Rechenschaft, die er vor Gott und den Menschen abzu-legen hat! Dabei pflegt der Lohu für seine Mühe auf dieser Welt so klein und geringzu seyn. Trachtet demnach, daß dem Unterweiser Eurer Kinder durch Eure Leut-seligkeit und Dankbarkeit, durch Eure Liebe, Erkenntlichkeit und Achtung die Bürdeseiner Sorgen erleichtert und seine Arbeit und Mühe versüßt werde. Ist irgend einArbeiter seines Lohnes werth, so verdient diesen vor allen Andern ein gewissenhafterLehrer. — Euch aber, Ihr Lehrer! wolle Gott selbst stärken, damit Ihr jene Auf-gabe zu lösen im Stande seyd, die Euch die Kirche und der Staat gestellt hat.Da ich zu Euch ein andermal eigens und eiu MehrereS zu reden gesonnen bin, willich hierorts nur bemerken, daß die Schule eine Tochter der Kirche ist, weil auSdieser hervorgegangen, und daß sie ihr nicht entfremdet werden darf, soll sie nichtetwa alles christlichen Geistes und jedes segenreichen Einflusses auf die Menschheitverlustig werden. Zwei Hände hat die Kirche, Die Priester sind ihre Rechte, Ihraber, Lehrer in den Volksschulen! seyd ihre Linke. ES helfe nun eine Hand derandern; deßhalb trachtet also, mit unS Priestern Hand in Hand gehend, daS ReichGolteS auf Erden zu fördern. ....
ES ist unmöglich, daß Jemand den Menschen gebe, waS der Menschen ist,sobald er Gott nicht gibt, was GottcS ist. Daß also daS Reich Gottes unter u»Sim Abnehmen begriffen ist, daß die Menschheit von so vielerlei Elend, Noth undDrangsal schwer gedrückt wird, hat seinen Grund hauptsächlich darin, daß der Sonn-und Feiertag nicht geheiligt, oder nicht so geheiligt wird, wie die Vorschrift Gotteslautet. Bevor nicht der Tag deS Herrn allen Menschen daS seyn wird, was ernach dem Gebote Gotteö und nach dem Kirchengebot seyn soll, werden wir auch,Geliebte in Christo, keine bessern Zeiten erleben. DaS sollten besonders Jene beher-zigen, welche von ihren Arbeitsleuten verlangen, daß sie nicht nur die ganze Wochehindurch, sondern sogar noch am Sonntage bis zum Mittage hin, in den Fabrikenund Werkstätten knechiliche Dienste leisten. Freilich wohl versehen sie diese ihre Ar-beiter mit dem täglichen Brode. WaS hilft eS aber, wenn sie dieselben hiebei umjenes Brod bringen, welches den Menschen zum ewigen Leben nährt; wenn sie näm-lich dieselben um den Trost des Gebetes, um die Anhörung des Wortes GottcS, umden Empfang der heiligen Sacramente bringen? Zünden sie solchergestalt nicht selbstdaS Dach über dem eigenen Haupte an? — Dessen sollten aber auch Eltern, Haus-väter und alle Vorgesetzten überhaupt eingedenk seyn. Hängt ja aller Einfluß aufdie Untergeordneten und Anvertrauten und somit aller Segen ihres Wirkens von demVertrauen ab, daS sie besitzen. Auf welche Weise ein Vorgesetzter sich das Ver-trauen seiner Untergebenen erringen könne, ist Jedermann bekannt. Wie er sich aberum daS Vertrauen bringen, und also seinem erfolgreichen Wirken den Hemmschuhanlegen könne, erhellet auö folgenden wohlbekannten Worten, die oft im Munde deSlZolkeS gehört werden: „Wer keine äußere Religion hat, hat auch keine innere;ver keine innere hat, hat auch kein Gewissen; wer kein Gewissen hat, ist unserFeund nicht, und kein unbestechlicher, der Wahrheit und dem Rechte getreuer Mann:er ist ein Mann seiner Willkür und seines Vortheiles." ES möge ein Jeder selbsturheilen, wie viel Wahres an diesen Worten sey. Gewiß ist es aber, daß daSBetrauen gegen die Vorgesetzten sich bedeutend steigern und erweitern müßte, würdendies dem gemeinsamen öffentlichen Gottesdienste fleißig und andächtig beiwohnen,undsich die Pflicht, mit gutem Beispiele vorzuleuchten, öfters zu Gemüthe führen.....