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Betet, und um dciS bitte ich Euch um der Liebe Gottes Willen, betet auch fürmich, Euren nunmehrigen Oberhirten. Nicht getrachtet hab' ich je nach dieser Wurde,im Gegentheile seufzte ich oft zu Gott dem Herrn, er möge auf meine schwachenSchultern ein Amt nicht legen, welches besonders in diesen unsern Tagen die Stärkeeines Paulus, die Gelehrsamkeit eines Augustinus, die Liebe eines Carl Borromäuö,so wie die Sanftmuth und Demuth eines Franz von SaleS verlangt. Bittet, ichbeschwöre Euch darum! daß mir der Herr alle diese genannten Gaben und Tugendenverleihen möge, denn ich bedarf ihrer gar sehr, sowohl zu dem eigenen als zuEurem Heile. WaS nun mich betrifft, so will ich „ohne Unterlaß" für Euch Allebeten bis zu meinem letzten Athemzuge. Tag für Tag will ich den Herrn uiisernGott anrufen, er möge jegliches Uebel von Euch abwenden, und Euch alles Dasgeben, wodurch Ihr ihm Wohlgefallen und Euch selbst alle Zeit hindurch trösten underfreuen könntet.....
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(Schluß.)
Das Institut des Ordens ist ferner bedacht, jedes böse, ansteckende Beispielvon der Jugend zu entfernen. Es gibt den Lehrern die Mittel an, wie sie jedergefährlichen Verbindung gleich bei ihrem Entstehen zuvorkommen sollen. ES verord-net eine strenge Prüfung aller Bücher, welche den Studirenden können zugelassenwerden, und verbietet sehr strenge den Gebrauch aller schlüpfrige Stellen enthalten-den Bücher. Es ist für die Lehrer eine nicht mindere Pflicht, Schüler zur Beschei-denheit und einer zuvorkommenden Höflichkeit anzuführen, ihre Fehler im Vortrageund in der Aussprache zu verbessern, und ihnen natürliche, anständige und gefälligeManieren beizubringen.
Bei einem so weisen, tief durchdachten Plane, dessen äußerste Umrisse hier nurgegeben sind, mußte die Erziehung gedeihen, und aus so basirten Schulen mußtennothwendig Männer hervorgehen, die sich in der Kirche und im Staate auszeichneten.Die Erfahrung zweier Jahrhunverte hat des Kanzlers Bacon Urlheil bestätigt, dergesagt hat: „WaS die ErziehungSkuust der Jugend betrifft, so wäre der kürzeste Aus-druck wohl der: Gehe in die Jesuitcnschulen, denn diese sind die besten von allen."
War für die - bürgerliche Gesellschaft der Nutzen, der aus dem mit demJesuitenorden statutenmäßig verbundenen öffentlichen Lehramte entsprang, groß, allge-mein und unverkennbar, so war er eS nicht minder sür den Orden selbst. „DaSgroße Jesuitencollegium in Paris", sagte der Cardinal Maury , war der Centralpunct,der die Aufmerksamkeit aller Gelehrten, aller bedeutenden Männer aus allen StändenFrankreichs auf sich zog. Es war das höchste literarische Tribunal, welches alleGelehrten mit einer gewissen Art von Ehrfurcht als die erste Quelle literarischenRuhms, als den Brennpunct der öffentlichen Meinung betrachteten, und welchesPiron in seiner kraftvollen Sprache die eliamdrs mdentc; cles renutatioris litergirosnannte.^ Hz ..-.'j5L"m, ??iM i-kiZA >u!L .m-M,! ziz o»1' mu^rM
Die Erfahrungen zweier Jahrhunderte und darüber haben das Erziehungsge-bäude der Jesuiten mit ihrem untrüglichen Stempel bezeichnet; aber eben deßwegenwar es auch der Gegenstand, gegen welchen die verschworn« Rotte als Christusseindeihre wütheudsten Angriffe richtete; und wenn die Jesuiten als die Opfer dieser Ver-folgungswuth fielen, so geschah eS nur deßwegen, weil die über ganz Europa ver-breiteten Schul- und Lehranstalten dieses Ordens die blühendsten Pflanzstätten dSChristenthums waren. Hier ward der Glaube befestigt, der Eifer für die Verbrei-tung desselben entflammt, die Liebe entzündet und die Frömmigkeit genährt. ?eiden Philosophen freilich war alles dieses nichts als Fanatismus, Hirngespinste ,ndAberglauben; zerstört mußten also diese werden, und so zerstörten sie unter disererlogenen Hülle die schönsten Blüthen der Religion.