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Fragen wir nun schließlich: was die Veranlassungen und Ursachen deS Sturzesdieses berühmten Ordens in manchen Ländern gewesen sind, so ist die kurze Antwortdarauf diese: der Neid und die Bosheit seiner Feinde, wie auch der Atheismus unddie moderne Philosophie. Die neuen Apostel der Vernunft haßten einen Orden, dessenLehre und Grundsätze mit ihren neuen Systemen unvereinbar waren. Diese wußten,daß heilige Ehrfurcht sür die geoffenbarten Lehren der Religion oder kindlich frommerGlaube und religiöse Unterwerfung unter daS Scepter der rechtmäßigen Gewalt diebeiden Hauptgrundlagen deS ErziehungSsystems der Jesuiten waren, veum timete.reZem konorikests (Fürchtet Gott, ehret den König), war eine der Maximen deöOrdens. Die Religion und daS Königthum oder der Altar und der Thron warenbei den Jesuiten zwei innigst mit einander verschwisterte Begriffe. Beides war aberauch der Gegenstand deS HasseS der philosophischen Neuerer; und über den Trüm-mern des gestürzten Altares auch den Thron umzustürzen der Zweck ihres im Namenund unter der Aegide der Philosophie geschlossenen Bundes. Um diesen Zweck zuerreichen errichteten sie ihre sogenannten philosophischen Schulen, d. h. Schulen derGottlosigkeit und Jrreligion, in welchen Gott, die göttlichen Geheimnisse und seineheiligen Gesetze den Aussprüchen einer kalten Vernunft unterworfen wurden, wo manzum Grundsatze ausstellte, alles, waS der V-rstand nicht begreifen könne, als Aber-glaube verwerfen zu müssen, und wo man am Ende so weit kam, gar nichts mehrzu glauben. Um den verderblichen Grundsätzen leichtern Eingang zu verschaffenbereitete man die Gemüther durch allerhand schlechte Schriften, die den Verstand derJünglinge verwirrten und ihre Einbildungskraft in Brand setzten, darauf vor. Daaber die Jesuiten die eifrigsten Vertheidiger jener Wahrheiten waren, welche diesogenannten Philosophen durch Wort und Schrift für Fanatismus, Hirngespinste,Aberglauben zc. ausgaben, so richteten sie auf jene alle Pfeile deS Hasses und derWuth, um sie zu stürzen und ihre Grundsätze wo möglich von der Erde zu vertilgen.Wenn eS unläugbar ist, daß der Ausbruch der französischen Revolution daS Werkder Atheisten und der verkehrten Philosophen ist, so möchte man die Behauptung auchnicht widerlegen können, daß die noch immer anhaltende Fortdauer revolutionärerSchwingungen nichts als eine Folge solcher Erziehungssysteme ist, nach welchen derMensch kein anderes Interesse hat, kein anderes haben kann als dasjenige, was dieErde und seine Existenz auf derselben ihm darbieten. Durch die Zerstörung deSJesuitenordens ward auch jenes Erzichungssystem zerstört, auf welchem die bürgerlicheOrdnung und Sicherheit der Staaten überall beruhete, indem dasselbe keine andernGrundlagen hatte, als den festen Glauben an zukünftige, jenseits deS Grabes ein-tretende Belohnungen und Strafen, nebst der Ueberzeugung, daß der Mensch hieniedenbestimmt sey, sein Heil zu wirken nnd für seine künftige Seligkeit zu sorgen. Traurigdaher, wenn die Verirnmg deS menschlichen Verstandes ErziehungSsyfteme errichtet,in welchen gerade daS ausgeschlossen ist oder wenig gilt, waS die erste Grund-lage desselben seyn sollte; Erziehungssysteme, in welchen der wahre Werth und eigent-liche Zweck der Wissenschaften verkannt werden, in welchen der Unterricht blos oderdoch meistens aus weltliche, vorübergehende, oft kaum des Wissens werthe Dingebeschränkt ist, und an die beglückenden Wahrheiten der Religion, für die daS jugend-liche Herz so empfänglich ist, gar nicht oder doch wenig gedacht wird. DaS Erzie-bungssystem der Jesuiten war fest gegründet in dem katholischen Glaube»; daher dieConscauenz, daß sie Religion zur Grundlage eines jeden andern wissenschaftlichenStudiums machten und bloS von der Hand jener geleitet in die Geheimnisse derNatur einzudringen und die Gränzen deS menschlichen Wissens zu erweitern sichbemühten. Kein protestantischer Staat hat die Jesuiten und ihr Erzichungssystem zufürchten; denn Jahrhunderte hindurch war ihnen die Erziehung der katholischen Ju-gend Englands anvertraut, nnd das hat dem englischen Staate kein Verderbengebracht; denn stets haben die Jesuiten ihren Schülern Ehrfurcht gegen die Gesetzedeö Landes und Unterwerfung unter die bestehende Gewalt beizubringen gesucht.
Zum Schlüsse dieser kurzen Skizze des ErziehuugsgebäudeS der Jesuiten fügen