374
wir noch die »ach unserer Meinung nicht zu widerlegende Behauptung hinzu, daß,wenn daS Erziehung?- und Unterrichtssystem unserer Tage die vielfach morschen undverkehrt.-» Grundsätze mit dem religiösen und darum haltbaren ErziehungS- undUntcrrichtsplan der Jesuiten vertauschte, der Kirche und den Staaten ein Stern auf-ginge, der Friede und Segen den Fürsten und den Völkern verkündete,»mms^ chüÄllN i»Zv m»?I»iF llMvÄn'/ßvsg ii<t M tch?iii>D s-silizß hos
)i4 Zibm^G «ztzjßöu»A'n 7»S Zl.üsnV dli'j ^:n,i knuv'-vnMll s'töi^i!^ 'x>!i»!T
Ich komme so eben von der wahrhaft erhebenden Todtenfeier, die heute Mittagzu Ehren der Herzogin von Angoulöme in der Magdalenciikirche gehalten worden ist.Das Innere des prachtvollen Gebäudes machte einen unbeschreiblichen Eindruck.Trauertücher, mit silberner Sternen gestickt, umgaben das Schiff, in dessen Mittesich ein prachtvolles Kenotaph, von Hunderten von Kerzen umringt, erhob. Ueberdiesem schwebte vom Gipfel des Schiffes herab ein riesiger, mit Hermelin eingefaßterBaldachin. An den Enden verbreitete die blaßgrüne Flamme auS vier Riesenleuchternein magisches Licht. Bllc Fenster der Kirche waren gesperrt, und Hunderte vonKerzen und Lampen erhellten die künstliche Nacht, in deren geweihten Räumen dieTodtenfeier der Tochter Ludwigs XVI . vor sich gehen sollte. Zu beiden Seiten derKirche saß auf schwarz ausgeschlagenen Sesseln, waS Paris an allem Adel aufzu-weisen hat. Es hatte sich nicht allein die Blüthe der Legilimisten, sondern auch soziemlich Alles eingesunden, was politischen Namen hat. Neben Larochejacquelin,Benyer, Saint Priest, Fallour, Clermont Tonnere, Köratry sahmanMol6, Thiers,Changarnier , Lebreton, Heekeren, Estancelin und andere dem Principe der Legitimitätnicht unbedingt huldigende Personen. Der Erzbischof von Paris hatte Hoffnunggegeben, selbst daS Todtenamt zu halten, wurde aber von dem Pfarrer der Magda-lenciikirche ersetzt. Wahrscheinlich mochten Scrupcl wegen einer möglichen falschenDeutung eines im Grunde rein religiösen Actes ihn zurückgehalten haben. Nacheinem kurzen Vorspiele auf dem wunderbaren Orgelwerke der Kirche, das, nachdemeS vor einigen Jahren ein Raub der Flammen geworden war, jetzt wieder in seinerganzen Schönheit dasteht, begann um i2 Uhr die Todtenmesse. Der katholische RituSin Frankreich hat zum Theil die uralten Kirchengesänge beibehalten, die namentlichbei solchen Gelegenheiten einen wahrhaft erschütternden Eindruck hervorbringen. Fürdiesmal hatte der Kapellmeister der Kirche, Herr Dietsch, aber doch Stücke auSeinem von ihm coniponirten Requiem eingeflochten, die, von einem vortrefflichenOrchester und tüchtigem Sängcrchor ausgeführt, eine schöne Wirkung hervorbrachten.Der Componist schien sich Mozarts Requiem zum Vorbild genommen zu haben.Mit ächter Pietät hatte man aber daS uralte Oiczs iras beibehalten, daS mit Solound Chor wie ein Tönen dcS Weltgerichtes über die Versammlung herfloß. Athem-loS lag das ganze Auditorium auf den Knieen, eS war, als ob Jeder das weltlicheTreiben vergessen und den Gefühlen der Ewigkeit Raum in sich gegeben hätte« Dieherrliche Tenorstimme unseres beliebten Sängers Ale,riö Dupont war in diesen Muster-stückcn alter Kirchenmusik, für welche der große Thibaut so unendlich schwärmte,von unbeschreiblicher Wirkung. Der Augenblick war feierlich, wo die Blüthe deSfranzösischen Adels, die immer noch blutet von den Wunden der Revolution, überdem Grabe cincS ihrer Märtyrer vom Weltgerichte singen hörte, das Jedem seineThaten vergelten soll. Vor mir lag eine alte Dame in tieser Trauer beständig aufden Knieen. Sie schien ganz aufgelöst und verbarg ihre hohlen ausgeweinten Augendem Anblick der Menge. Als die Messe vorüber war, bewegte sich der Zug derPriester vom Hochaltar nach dem Kenotaph , und vom Chor herab erscholl das alte,auS grauer Vorzeit stammende vv zii-nlumlis. Dieses wunderbare Stück katholischerKirchenmusik läßt bei weitem Alles zurück, was wir ans der Schule des ikten undI7ten Jahrhunderts von italienischen und deutschen Meistern besitzen. Weder Palä-
,oj?mij muz(t .rinr.« /155,6 n»mi7b.G ?;z „:jz ,vNNVV! .ttlllZZ! »z g«u «
Eine Todtenfeier.