Ausgabe 
11 (30.11.1851) 48
Seite
377
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Eilfter Fahrgang.

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onntags-Beiblatt

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Augsburger Psjtzntung.

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1851.

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Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei«

kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann.

Ein Wort über den Londoner Glaspalast.

Unter dieser Aufschrift enthält die Nr. 234 und 235 der deutschen Volkshalleeinen Aufsatz von A. ReichenSperger, welcher über die Kunst und insbesondereüber die christliche und kirchliche Kunst so wahre Anschauungen und treffende Urtheileenthält, daß wir unS veranlaßt sehen, die Hauptstellen daraus unsern Lesern mitzu-theilen, ohne daß wir fürchten dürfen, dadurch von der Tendenz des Sonntagsbei-blatteS uns entfernt zu haben. Recht klar leuchtet namentlich daraus hervor, daßder neuern Kunst der christliche Geist zumeist entschwunden, ja daß wir, um christ-liche Kunst zu pflegen und zu fördern, zum löten Jahrhundert zurückkehren und aufder Höhe des damaligen Standpuncts der Kunst weiter fortbauen müssen, um denEntartungen derselben auszuweichen und in ihr vor dem Rückfall ins Heidenthumsicher zu seyn.

Nachdem der Verfasser von dem neuen Parlamentshause Einiges angemerkt,fährt er wie folgt fort:

Wenig Schritte vom Parlamentshause entfernt liegt Westminster, jetzt daSPantheon brittischen Rühmet Acußerlich erregt der Bau keine übergroße Erwar-tungen. Er ist so vielfach und so schlechtrestaurirt" worden, daß kaum noch einStück der alten Kirche an'S Licht tritt. Bei unS in Deutschland hätte man Zopf andie Stelle deS Alten gesetzt; in England , wo die gothische Baukunst nie ganz auS-gestorben ist, stellte man das Alte en dloe her, freilich so roh und abgewaschen wiemöglich, aber immer doch noch den ursprünglichen Hauptformen zur Noth entsprechend.AlleS Durchbrochene, Zierliche, namentlich alles Statuarische wurde natürlich ohneGnade und Barmherzigkeit geopfert. Die weltberühmte Abtei steht nun, wenn deretwas triviale, aber hier durchaus bezeichnende Vergleich gestattet ist, wie ein gerupf-ter Hahn da. Seit Kurzem ist der Erbauer der Hamburger Nicolaikirche, HerrG. G. Scott , als Architect deS WestminstercapitelS angestellt worden, wodurch sichdem Bauwerke eine bessere Zukunft eröffnet. Schon zeigen sich vielfach Spuren seinerlobenSwerthen Thätigkeit. Herr Scott gehört zu den talentvollsten un!? beschäftigtstenWiederherstellern der christlichen Baukunst in England , falls ihm nicht vor Allen derVorrang gebührt. Seine Bauten sind meist im frühgothischen Style (f. g. earlf onZIisk)ausgeführt und zeichnen sich besonders durch körnige Kraft aus. Eines seiner neue-sten Werke, das Kollegium zu Brighton , ist ein wahres Muster jenes StyIS, wiewir ihn zu Orford und Cambridge in reichster Entfaltung sehen. Herr Scott baut dieNicolaikirche zu Hamburg in Folge einer Concurrcnz, in welcher die deutschen Archi-tecten eS natürlich unter ihrer Würde gefunden haben, mit Plänen im christlichenStyle hervorzutreten. DaS Innere von Westminster macht einen wahrhast erschüt-ternden Eindruck; eS ist ein Gemisch alter Herrlichkeit und traurigen Verfalles; die