.vnvtziM^ nMiN
gottbegeisterte Idee und der von Gott abgefallene revolutionäre Fanatismus habenihr Siegel hier aufgedrückt. Zum Glücke ist wenigstens das allerherabwürdigendsteWerkzeug des VandaliSmus, die Tun cherqu aste, noch ferne geblieben, die histo-rische Farbe der Mauern ist nicht weiß oder gelblich überpinselt, wie eS in unsermlieben Deutschland der Schönheitssinn der Architecten und der Kirchenvorstände alle-mal gebieterisch erfordert. Das Widerwärtigste sind die im pseudoantiken und imPerrückenstyl ausgeführten Monumente berühmter Engländer, die sich in ihren thea-tralischen Stellungen und Costümen an den Wänden herum spreizen. In der frostigenPauls kirche mag die classische Unnatur mit ihrem mythologischen Apparate nochhingehen; in Westminster sind eS die schreiendsten Mißtöne. AIS ich in das Inneretrat, fand gerade Gottesdienst statt, und ich war nicht wenig verwundert, altkatho-lischen, gregorianischen Chorgesang zu vernehmen und zwar in einer Weiseausgeführt, wie sie manchen römisch-katholischen Cathedralen als Muster dienen könnte.Mehrere Partien des ChoralgesangeS, wie z. B. Responsorien und Litaneien, wurdenvierstimmig in jener Weise vorgetragen.
Von dem altergrauen Baue begab ich mich durch das frische, lachende Gründreier Parke zu der bewimpelten Arche des neuesten Bundes der Nationen hin. Dieäußere Erscheinung des AusstellungsgebäudeS konnte, wenn auch ein gewisses Erstau-nen, so doch nicht meine Bewunderung erregen. Ein Treibhaus führte bekanntlichdem Erbauer die erste Idee zu und so hat er denn auch eben nur ein Treibhaus vonkolossalen Dimensionen hier aufgeführt. Da ist nichts Geniales, oder auch nurOriginelles, keinerlei malerische Wirkung, nicht Eine Form, die der Ausdruck irgendeiner künstlerischen Anschauung wäre; lediglich von Zweckmäßigkeitsrücksichtengeleitet hat man über ein terrassenförmig aufsteigendes, gußeisernes Gerippe ein(ölaszelt gespannt, daS so und so viel tausend Quadratfuß Land vor Wind undNässe schützt. Nur daS Querschiff bringt eine Art von Bewegung in die Anlage;allein daS hier so nahe liegende Motiv der Ueberkuppelung des DurchschnittSfeldeS,wodurch diese Bewegung einen Culminationspunct gefunden haben würde, hat manwieder verschmäht. — ES verdient übrigens daS AUeö keinen Tadel, wenn der Satzwahr ist, daß die äußere Erscheinung eines Bauwerkes seinem Inhalte und seinerBestimmung möglichst zu entsprechen hat. Unsere Industrie, deren Schätze unterdiesem Zelte geborgen werden sollten, ist eben eine Treibhauspflanze, und von eigent-licher Kunst, im Ganzen betrachtet, eben so wenig in ihr zu verspüren, wie in derArchitcctur des „Krystallpalastes". — Das Maschinenwesen und daS Nützlichkeits-gewerbe, im engsten Sinne, das und nur das ist es, was dem civilisirtenEuropa in diesem Palaste zum Ruhme gereicht; in Allem, waS die Industrie dagegenKünstlerisches in sich beschließt, steht eS weit hinter den Barbaren zurück. Aber auchdort, wo die Kunst selbstständig auftritt, ist eS nicht besser um sie bestellt. Denuntersten Rang nehmen die Skulpturen ein, welche Englands Künstler geliefert haben.Der vorzüglichste Reiz, den sie besitzen, liegt zumeist in der stark zur Schau getra-genen Nudität oder in irgend einer die Lüsternheit weckenden Attitüde; im Uebrigensind fast alle diese „Kunstwerke" ein unvergohrenes Gemenge von Modell und Antike,von platter Nachahmung und geschraubter Reflexion, von Matlherzigkeit und Aufge-blasenheit. Die durch Lord Elgin in Athen zusammengeplünderten, im brittischenMuseum aufgeschichteten Marmorbilder und Parthenon haben wahrlich keine Wundergewirkt! Die blauäugige Pallas-Athene scheint sich vielmehr die brittischen Künstlerals Werkzeuge ihre Rache für den geübten frechen Tempelraub ausersehen zu haben.Sie hat die Geister aus ihrer Heimat hinwegverlockt, aber nicht nach Hellas hinüber,sondern in die Wüste, wo keinerlei Leben mehr quillt und grünt. Die christlichen,die nationalen Traditionen hat man übermüthig von sich gestoßen, damit aber nochlange kein Helenenthum sich zu eigen gemacht; die eigenen Hirngespinnste sind an dieStelle deö festen Wurzelbodens getreten. Dieses in der Luft Hängen charakteri-sirt in der That die heutige Kunstproduction, selbst ihre ausgezeichneteren Schöpfungen.Wo ist z. B. eine Faser zu finden, welche den Löwenkampf der Amazone von Kiß