Ausgabe 
11 (30.11.1851) 48
Seite
380
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

.W

lungen bunter Glasscheiben, wie sie sich zu einem AuShängeschilde für Glasermeisterganz gut eignen mögen, keineswegs aber für Kirchen, so viele auch schon sich dieseVerunstaltung als Zierde haben bieten lassen müssen. Einen der bestrittensten Punctein der Glasmalerei bildet die Frage, wie weit die mittelalterliche Darstellungsweiseaus der Natur der Sache entsprungen ist und wie weit sie konventionell durch Zufäl-ligkeiten bedingt war, mithin als der individuellen Freiheit anheimgegeben zu betrach,ten ist. In der Ausstellung zeigt sich vielfach ein unsicheres Schwanken zwischen Altund Neu; von den Franzosen ist z. B. Marechal aus Metz zu wenig, Gerente ausParis zu sehr Archaist; Ersterer modellirt zu viel, bei Letzterem artet dagegen dasTypische in Manier a»S. Ein wahres Musterbild von Glasmalerei, wie sie nichtseyn soll, hat ein gewisser Vertini aus Mailand ausgestellt ein riesiges auf Dantebezügliches Fenster. Hier treten alle Bildungen aus daS Entschiedenste aus der Flächehervor, tiefe Schatten lagern sich neben ganz hellen Partien, kurz, der Staffelei-maler hat seine Palette, seine Perspektive, seine Effecte, seine ganze HandthierungHier mitgebracht", und vergessen, daß die undurchsichtige Leinwand, die wesentlicheVorbedingung seiner VehandlungSweise, ihm fehle. Auch nicht entfernt gibt sich daSBestreben zu erkennen, etwas dem Material, der Natur und dem Zweck einer GlaS-tafel Entsprechendes, etwas Concretes zu liefern. Leider scheint die Münchener Anstalt,welche übrigens in der Ausstellung gar nicht repräsentirt ist, einigermaßen nach dieserRichtung hinzuneigen, welche überdicß noch die praktische Jnconvenienz hat, die Sachesehr zu vertheuern, während die ächte, mehr musivische Behandlung eS ermöglicht,den unsern Kirchen fast unentbehrlichen Schmuck, wie einst im Mittelalter, handwerks-mäßig durchGlaswirker" ausführen zu lassen.

(Schluß folgt.)

Bater Math-W.

(Aus dem ^.wi ä«z la keligion.)

Der Mäßigkeitsapostel ist nach New-York zurückgekehrt, nachdem er zwei undein halbes Jahr dazu verwendet hatte, die Vereinigten Staaten und Kanada zudurchwandern, um daselbst das Volk zur Mäßigkeit zu bekehren. Noch im Laufe deSNovembers wird er nach Irland zurückreisen; daher sind auch die letzten Tage seinesAufenthaltes in Amerika mehr als je mit Geschäften ausgefüllt, und die Saumseligenoder die Unentschiedenen wollen die Gelegenheit noch benutzen, das Mäßigkeitsgelübdein die Hände des Missionärs abzulegen. Sonntags den 42. October nahm VaterMathew das Gelübde in der Kathedrale in New-Uork nach dem Amte, dann nachder Vesper bis tief in den Abend hinein einem gedrängten Zulaufe von Verlangen-den ab. Vor der Ceremonie richtete er folgende Worte an die Umstehenden:Nichtals ein Heilmittel gegen die Unmäßigkeit laß ich euch die Verpflichtung auf euchnehmen, nicht mehr zu trinken, sondern als ein VorbeugungSmittel gegen die Trun-kenheit; denn einem Uebel zuvorkommen ist mehr werth, als dasselbe heilen. Begreifetdaraus, meine theuren Brüder, daß ich mich nicht blos an die Trunkenbolde wende,sondern eben so an Diejenigen, die nie dem fatalen Einflüsse geistiger Getränke unter-legen sind. Die Mäßigkeit ist die älteste Einrichtung der Schöpfung, und ich kannsagen, deß die erste Mäßigkeitsgesellschast durch den Allmächtigen selbst im irdischenParadiese gegründet wurde. Gott schuf unsere ersten Eltern nüchtern, und gab ihnenkein berauschendes Getränke; er gab ihnen daS Wasser der Lebensquelle. Glaubetmir, meine theuren Brüder, eS ist kein für ein vernünftiges Wesen und einen Chri-sten würdiger Genuß, wenn er nicht erreicht werden könnte, ohne daß man zu Wein»der v!u5kv (irländischem Branntwein) seine Zuflucht nähme. Kein Mensch istbetrunken auf die Welt gekommen, kein Mensch ist von Gott oder von der Naturbestimmt, betrunken zu werden. Und doch haben wir Betrunkene auf der ganzenWelt gesehen. Wir haben den Betrunkenen gesehen, hingerissen in die tiefsten Ab,gründe des Elendes; durch seine Leidenschaft ist er unter den Streichen des Gesetzes