Ausgabe 
11 (30.11.1851) 48
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Eine Stadt, welche der Mäßigkeitsapostel durchzog, ist vom Grunde bis zumGipfel erneuert, und seit langer Zeit hört man dort nicht mehr von Zänkereien undVerbrechen reden. Ein Bischof deS Westens der Vereinigten Staaten sagte vor eini-gen Tagen, daß er das Glück gehabt habe, Vater Mathew während einer Wochein seiner bischöflichen Stadt zu haben. Vor seiner Ankunft verging kein Tag, anwelchem nicht irgend eine Frau kam, eine Quetschung oder einen gebrochenen Armzu zeigen, und die Ausgelassenheit ihres Mannes zu beklagen. Zuweilen war eSauch der Mann, der sich über die üble Aufführung seiner Frau zu beklagen kam,und das Leben deS Prälaten verfloß in Versuchen der Ausgleichung und Versöhnungzwischen Schlagenden und Geschlagenen. Seit dem Durchzuge deS Missionärs sinddrei Monate verflossen, ohne daß sich Eine Streitigkeit in den Haushaltungen derguten, zur Mäßigkeit bekehrten Jrländer erhoben hätte. Die Betrunkenheit dnrch denWein ist beinahe noch Nüchternheit, in Vergleich mit den fürchterlichen WirkungendeS verabscheuungSwürdigen nnisl^. Unter seinem fatalen Einfluß wird der Menschzum wilden Thiere; er anerkennt Frau und Kind nicht mehr, und der unersättlicheDurst verlangt immer nach neuem Getränke bis zum Augenblicke, wo er gefühllosund betrunken wie todt hinsinkt.

ES ist eine große Ehre für den Katholicismus, identificirt zu seyn mit diesemKreuzzuge gegen das Laster der Unmäßigkeit. Eine große Zahl Protestanten nehmenauch denplsclße", deßwegen drängen sie sich in unsere Kirchen, knien sich zu denFüßen des Pater Mathew hin, in seine Hände wollen sie ihr Versprechen ablegen,und bisweilen folgt auf dieß Vertrauen eine gänzliche Bekehrung. Wenn der Apostelabwesend ist, geht der Protestant, der sein Betragen ändern will, nicht hin, seinenPastor aufzusuchen; der ehrliche Mann im schwarzen Kleide erscheint ihm nicht miteinem heiligen Charakter bekleidet, sondern er wird an die Thüre deS katholischenPriesters klopfen, und wird sich gegen sein Gewissen und gegen Gott mehr verpflich-tet glauben, wenn ihm der Missionär sein Gelübde der Enthaltsamkeit und Nüchtern-heit abnimmt.

Die politische Welt anerkennt die hohe Wichtigkeit der durch Pater Mathewgepredigten Reform für die öffentliche Sittlichkeit und Ruhe: die Popularität deSwürdigen Priesters ist in Amerika ungeheuer, und auf das Wort von Heinrich Clay,deS ausgezeichnetsten Staatsmannes der Vereinigten Staaten , hat sich eine nationaleSubscription organisirt, um den Mäßigkeitsapostel für seine Verluste schadlos zuhalten, und um ihn vor der Noth in seinen letzten, durch ruhmvolle Krankheitenverkümmerten Iahren sicher zu stellen.

Ein Blick auf Schottland .

Vor Kurzem wurde zu Aberdeen in Schottland eine Versammlung von ange-sehenen Protestanten gehalten zur Förderung eines Plans, wonach 34W,l)l)t1 Pfd.durch freiwillige Beiträge ausgebracht und zur Erbauung und Dotation neuer prote-stantischer Kirchen in Schottland verwendet werden sollen. Der bekannte Graf vonAberdeen führte den Vorsitz und eröffnete die Versammlung mit einer Rede, inwelcher uns einige Stellen der Mittheilung werth scheinen, da sie einmal den sittli-chen Zustand von Schottland aufhellen, andererseits auch einen erfreulichen Beweisliesern, mit welcher Unumwundenheit und Entschiedenheit sich emer der größten eng-lischen Staatsmänner als Christen bekennt.

Die erste Frage, sagt der Graf, welche ich mir vorlege, ist die, ob der Zu-stand deS Volks eine solche Maaßregel nöthig macht. Ohne sehr inS Einzelne ein-zugehen, glaube ich, daß die Erwähnung einiger Thatsachen Sie überzeugen wird,daß dieses wirklich der Fall ist, und daß eS aus manchen Gründen unsere Pflicht istund in unserm Interesse liegt/ diesen Plan zu unterstützen. Man wird mich nichtbeschuldigen können, daß ich übertreibe oder mich durch Parteilichkeit verblenden lasse,wenn ich sage, daß Schottland eine lange Reihe von Jahren hindurch sich unter den